Lou Shields @ Unter Deck, München, 2016-06-07

lou_shields

„He sits on top of a stage riser built from reclaimed materials and can reproduce that front porch sound anywhere he goes.“

Da haben sich Münchens Konzertgänger mal wieder richtig mit Ruhm bekleckert. Wenn dich der Ivi vom Clubzwei mit den Worten „Zwei Tickets im Vorverkauf, du bist der Fünfte an der Abendkasse“ kurz vor 21.00 Uhr an der Unter-Deck-Pforte begrüßt, dann weißt du, eng wird’s heute Abend wohl nicht werden vor der kleinen Bühne im feinen Club am Oberanger.
Dabei hätte Lou Shields mit seinem Solovortrag soviel mehr Zulauf verdient am vergangenen Dienstagabend, aber das potenziell in Frage kommende Publikum hat sich an dem Abend wahrscheinlich lieber im Biergarten oder beim Isar-Grillen-und-Vermüllen vergnügt, war ja tatsächlich mal Monsun-Pause im Münchner Sommer.
Der sympathische Mann aus der Gegend um Chicago, der die Straße als sein wahres Zuhause bezeichnet und kürzlich seine Heimstatt in eine entlegene Hütte im Südwesten Wisconsins verlegte, ist neben seiner musikalischen Berufung auch als Lehrer, Skater, Zeichner und Galerie-Betreiber unterwegs, a man of many talents, im wahrsten Sinne des Wortes.
Am Dienstag zeigte er sich vom schwachen Publikumsandrang unbeeindruckt und glänzte mit einem enorm hörenswerten, ausführlichen Solo-Auftritt in Sachen Country-/Delta-Blues, Underground Folk, Bluegrass und Ragtime, die versiert auf Banjo, Slide-/National-Resonator- und Akustik-Gitarre vorgetragenen Songs über die während seiner Wanderschaft gesammelten Eindrücke von den Eigenheiten des amerikanischen Alltags zeugten von einem tief empfundenen Gespür für die alte amerikanische Volksmusik, auch in der eigenen Vita hat Shields eine lange Reise hinter sich von der Skater-/Hardcore-Szene zur amerikanischen Roots-Musik aus der Ära der Great Depression, die er, wohl der eigenen Punk-Vergangenheit geschuldet, oft in unbändigem Tempo, weitaus beherzter und zupackender als die artverwandten Originale aus der Großväter-Generation zu Gehör bringt.
Beeindruckend ist seine Fingerfertigkeit als Gitarrenpicker, zumal ihm die ersten beiden Glieder vom Zeigefinger der rechten Schlaghand fehlen, beeindruckend ist auch das eigene rhythmische Begleiten auf einem mit allerlei frei rasselnden Flaschenverschlüssen präparierten, zum Fußpedal umfunktionierten Skateboard.
Lou Shields – tief verwurzelt in der amerikanischen Realität, im ursprünglichen Blues und Country, in seiner ureigenen Kunst – großartiger Mann. Das Unter-Deck-Konzert war weitaus mehr als nur das letzte, gelungene Testspiel vor dem großen Muddy-Roots-Europe-Turnier in Belgien, in ein paar Wochen. Mehr anfixen geht nicht.
(*****)

Lou Shields / Homepage

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