Reingehört (177)

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Spain – Carolina (2016, Glitterhouse Records)
Das erst sechste reguläre Album in der über 20-jährigen Spain-Historie, zwischen 2001 und 2007 waren Sabbat-Jahre, die 1993 von Josh Haden, dem Sohn des 2014 verstorbenen Jazz-Bassisten Charlie Haden, gegründete Band glänzte in den letzten Dekaden nicht als Veröffentlichungs-Weltmeister, aber wenn nach mehreren Jahren Wartezeit Qualität vom Schlag des aktuellen Albums „Carolina“ das Licht der Welt erblickt, soll auf der Nummer nicht weiter rumgeritten werden.
Haden und Co wurden in vergangenen Zeiten gerne mit Slowcore-Bands wie Codeine oder Low verglichen, einige Stücke auf dem neuen Album kann man auch mit den jeweils entspanntesten Crooner-Balladen der besten Tindersticks-Arbeiten gleichsetzen, letztendlich hat die Band ihren eigenen Sound gefunden, den sie wandern lässt zwischen tiefenentspannter, Wüstenstaub-trockener Prärie-Americana und an den Alternative Country angelehnten Songs, die in ihrer melancholisch-ruhigen Grundstimmung und in ihren reduzierten Arrangements trotz allem die Dramatik in Text und musikalischer Struktur nicht vermissen lassen. Ein sehr persönliches Werk, Josh Haden erzählt in den Songs die eigenen und die Geschichten seiner Altvorderen über persönliche Schicksalsschläge und verflossene Lieben, die er gekonnt in globalere Themen wie die Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre, Hippie-Drogenerfahrungen oder ein Minenunglück einwebt.
„After all, those were the times, I’d give anything to go back and stare into her eyes. There was a girl I left behind, I never forget Caroline.”
Als Autor des ultimativen in Musik gefassten Gebets „Spiritual“ („The Blue Moods Of Spain“, 1995, Restless) hat Josh Haden seit jeher einen Stein im Brett – die Herren Zander Schloss und Sean Wheller haben die Nummer vor einigen Jahren in ihrem Auftritt im „Hard Soil“-Film von Marc Littler zur Perfektion gebracht – mit „Carolina“ hat er erneut bewiesen, das man ihn zu den Guten rechnen muss. Wahrscheinlich die von Akustik-Gitarren, Streichern und Lap-Steel dominierte, erhabene Platte, die Calexico seit Jahren gerne machen würden und irgendwie ums Verrecken nicht hinkriegen.
(**** ½ – *****)

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2 Kommentare

    1. Vorurteilsfrei ist immer gut. Ich muss gestehen, ich war mit den letzen beiden Alben der Band nicht rundum glücklich, dieses Mal passt es aber wieder.
      Viele Grüße,
      Gerhard

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