frameless08: Piano Interrupted, Jan Thoben + Boris Hegenbart, Magdalena Lazar @ Einstein Kultur, München, 2016-06-15

frameless08

Die von Karin Zwack und Dr. Daniel Bürkner veranstaltete und vom Münchner Kulturreferat geförderte frameless-Reihe zur experimentellen Musik im digitalen Zeitalter lockte mit ihrem vielversprechenden Programm in der achten Ausgabe am vergangenen Mittwochabend zahlreiche interessierte Gäste in das wunderbare Backstein-Kellergewölbe des Einstein Kultur.

Den ersten Teil des Abends gestalteten die beiden Berliner Musiker und Videokünstler Boris Hegenbart und Jan Thoben mit ihrem Projekt „The Squint“, das sich der Erforschung und Präsentation von Bildern und Klängen widmet, die durch selbst konstruierte, analoge Synthesizer-Module erzeugt werden. Die digitale Aufbereitung der empfangenen Signale, die Umwandlung von Video-Bildern in Töne bot eine abstrakte, rein Technik-orientierte Klang-Welt mit entsprechender visueller Umsetzung auf der Leinwand – der Physiksaal als Experimentier-Feld für Hörgewohnheiten-erweiternde Drones/Sounds/Electronica auf rein digital-abstrahierter Basis, sozusagen. Schwere Kost, nichtsdestotrotz spannend dargereicht.
(****)

Das im United Kingdom beheimatete Trio Piano Interrupted präsentierte ihr kürzlich erschienenes und größtenteils im Senegal mit lokalen Musikern einspieltes Album „Landscapes Of The Unfinished“ (2016, Denovali), die Aufnahmen aus Afrika wurden gekonnt in Ambient-artigen Samples vom französischen Elektronik-Künstler Franz Kirmann dezent verfremdet und eingebunden in die faszinierenden Minimal-Music-Meditationen und Ausflüge in den Grenzbereich der modernen Klassik und der freien Improvisation des an dem Abend glänzend aufgelegten Pianisten und Klarinetten-Spielers Tom Hodge, Tim Fairhall bereicherte das gefangennehmende Klangbild einfühlsam und optimal mit seinen schweren, mitunter an die Grenzen des Free Jazz stoßenden Bassläufen.
Die dekonstruierte afrikanische Folk-Musik im Verbund mit der experimentellen Klassik des Trios wusste von der ersten Minute an zu begeistern, auch die Musiker waren sichtlich angetan von der Atmosphäre, der begeisterten Stimmung im Publikum, dem Kellergewölbe als Auftrittsmöglichkeit und ließen sich so spontan und eigeninitiativ zur Freude der Anwesenden zu einigen Zugaben hinreißen.
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Vor, während und nach den Klangexperimenten im Gewölbe lief im Nebenraum der Doku-fiktionale Film „VLF“ („very low frequencies“) der polnischen Video- und Foto-Künstlerin Magdalena Lazar. Sie setzt sich in dem knapp 9-minütigen Werk in ästhetisch ansprechender Form mit dem fiktiven Phänomen auseinander, dass Bäume als Antennen funktionieren und Nachrichten aus den Erdschichten als Radiowellen in die Umwelt absetzen.
Den Impuls zum Projekt „VLF“ erhielt die Künstlerin durch ein Treffen mit dem Förster und Umweltschützer Marek Styczyński, der in einem Experiment einen Baum anbohrte, ein Mikrophon einsetzte und über einen Verstärker hoffte, den Sound von Käfern und Blättern aus dem Inneren des Baums zu empfangen. Was er hörte, war ein Song von Madonna. Die Erklärung hierfür fand er in dem Phänomen, dass Bäume als Antennen für weitreichende elektromagnetische Längstwellen funktionieren.

frameless09 findet am 6. Oktober 2016 im Einstein Kultur statt, Einsteinstrasse 42, 81675 München, Einlass 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei.
Auftreten werden die isländische Cellistin und Komponistin Hildur Guðnadóttir und der Australier Scott Morrison.

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