Lost & Found (7): StevieRay Latham

stevieraylatham

StevieRay Latham – Modern Attitudes (2015, At The Helm Records)
Vor kurzem drübergestolpert: Der seit langem beste Dylan-Epigone seit Äonen, ein ganz heißer Kandidat beim Bob-der-Meister-Soundalike-Contest für die mindestens nächsten hundert Jahre.
„Modern Attitudes“ ist bereits Anfang letzten Jahres erschienen, das Erstwerk des jungen Londoners strotzt vor Reminiszenzen an die Frühphase des Columbia Recording Artists, selten hat jemand die Periode vom Bob-Debüt bis circa „Bringing It All Back Home“ (1965) so komplett aufgesaugt und formgerecht wieder von sich gegeben wie Jungspund Latham, inklusive Harmonica-Gebläse und artverwandtem Genöle im Gesang.
Weit mehr Greenwich Village, Phil Ochs oder Woody Guthrie (und meinetwegen auch Leonard Cohen) als irgendwas, dass Musik-historisch an die Themse-Metropole erinnern würde, like Punk never happended, sozusagen.
Wer das aktuelle Sinatra-/American-Songbook-Geseier des Originals nicht zu goutieren weiß, und davon gibt es derer nicht wenige, greife ersatzweise zu dieser alles andere als abgestandenen, charmanten Form des Eklektizismus. Selten war Derivate-Handel unbedenklicher und risikoloser.
Der junge Bursche war schon mit Größen wie Malcolm Holcombe, Michael Chapman und Robert Fisher’s Willard Grant Conspiracy zugange, da darf getrost ein gewisses Qualitätslevel unterstellt werden.
(****)

Advertisements

10 Kommentare

  1. Hallo Gerhard,
    seit Wochen lese ich deinen Blog (meist morgens, wenn ich noch im Bett liege) und nun möchte ich dir endlich mal ein großes Lob aussprechen: ich bewundere die Mühe, die du dir machst, immer wieder andere Parts des musikalischen Horizonts zu beleuchten (und auszuleuchten) und deinen Lesern neue Sterne an diesem zu zeigen. Die Artikel sind aber nicht nur musikalisch oft eine immense Bereicherung oder tolle Impulsgeber, sondern auch sprachlich ein wahrer Genuss.
    Heute komme ich z.B. über die Passage „Wer das aktuelle Sinatra-/American-Songbook-Geseier des Originals nicht zu goutieren weiß, und davon gibt es derer nicht wenige, greife ersatzweise zu dieser alles andere als abgestandenen, charmanten Form des Eklektizismus. Selten war Derivate-Handel unbedenklicher und risikoloser.“ gar nicht hinweg. Spitze, wirklich! Und als leider ein wenig monothematischer Springsteen-Fan seit über 30 Jahren (keine Sorge, ich hör‘ schon auch noch Einiges drumherum), bin ich umso dankbarer für Neuentdeckungen wie StevieRay Latham. Tolle Songs!
    Mach‘ bloß weiter so!
    Herzliche Grüße von der Kraulquappe.

    Gefällt 1 Person

      1. Da freu ich mich jetzt auch, wenn ein Kenner wie du das sagt – mein Herz hängt auch überwiegend an Springsteens Frühwerk. Manchmal möchte man fast meinen, ein gewisser Leidensdruck hat die Kreativität befördert… Die Saturiertheit führte wohl zu einer musikalischen Verflachung.
        Liebe Grüße, die Kraulquappe.

        Gefällt 1 Person

      2. Da ist wohl was dran. Es gab später auch noch ab und an gute Sachen von ihm, aber bis einschließlich „Nebraska“ war das zuvor doch auf einem anderen, höherem Niveau.
        Liebe Grüße,
        Gerhard
        p.s. nochmal in memoriam Alan Vega:

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s