Raut-Oak Fest 2016: James Leg, The Bonnevilles, Black Dog Ćubik, The Vagoos @ Riegsee, 2016-07-22

RAUT-OAK FEST Riegsee 2016-07-22 ---DSC06437

„I wanna know, have you ever seen the rain?“
(Amerikanisches Traditional)

Am vergangenen Wochenende fand in der Nähe von Murnau am Riegsee im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen zum fünften Mal das Raut-Oak Fest statt, das kleine, feine Festival mit dem Schwerpunkt aller möglichen Spielarten des unbehandelten, rohen Blues hat seinen Ursprung kurioserweise in einem Scheidungsfest (obwohl, Trennung und Blues, passt schon…), mit den Jahren etablierte Veranstalter Christian Steidl auf einem der vermutlich schönsten Festival-Plätze ever inklusive atemberaubendem Blick auf die bayerischen Alpen ein handverlesenes Underground-Blueser-Gipfeltreffen von internationalem Format.
Die Startbedingungen am Freitag waren alles andere als optimal, unsereins war zur Anstoßzeit kaum aus dem Auto gestolpert nach kurzer Anreise über die Garmischer Autobahn, da hat der Himmel seine Schleusen geöffnet, und wenn’s in Alpennähe schüttet, dann schüttet’s meistens richtig. Die Nummer musste erst mal ausgesessen werden, was sich für Veranstalter und Besucher zum massiven Ärgernis auswuchs, wurde durch die dann sporadisch eintreffenden Meldungen über das Massaker vom Münchner OEZ schnell relativiert, angesichts dieser erschütternden Nachrichten verlor der Dauerregen schnell seinen Schrecken.

Nach über einer Stunde intensivster Bewässerung ging es dann verspätet doch noch los mit dem Eröffnungsauftritt der Vagoos aus Rosenheim, mit ihrem Punk-infizieren Bluesrock und ihren dezenten Ausflügen in den Desert-Blues a la Giant Sand konnte das klassische Quartett nach dem Monsun-artigen Regenguss nichts mehr falsch machen, der schmissige Gig ging gut in Tanzbein und Ohr, der trashige R&B-Gitarren-Sound sorgte für beste Einstimmung in den dann zwar kühlen, im weiteren Verlauf aber trockenen Abend.
Die Band ist seit 2009 in vielen Ländern Europas am Touren und hat bereits die Bühne mit Reverend Beat-Man geteilt, das lässt sich sehen und hören.

Die Österreicher Drazen Matuzovic und Klaus Wagner vom Duo Black Dog Ćubik bezeichnen ihre Musik selbst als „fucking blues-trash-rock-punk shit combined with folk“, Matuzovic bedient als Multitasker die Gitarre, die Trommel, den Gesang und den Wackel-Dackel, sein Kompagnon Wagner ergänzt den ruppigen Folk-Blues und den grummelnden Gesang optimalst mit seinem intensiven Paul-Butterfield-Gedächtnis-Gebläse auf der Bluesharp, Muddy Roots in Oberbayern via Austria – „inspired by the Spanish street dog Ćubik, they sing and scream on the shitty and good things in life.“

Über die volle Konzert-Distanz ging es dann an dem Abend erstmals mit dem nordirischen Garagen-Punk-Blues-Duo The Bonnevilles, Drummer Chris McMullan bereitete mit seinem druckvollen, auf den Punkt gebrachten, einen gewissen Stoizismus nicht entbehrenden Getrommel das Fundament für die messerscharfen Slide-Gitarrenritte und den leidenschaftlichen Gesang seines Kumpels Andrew McGibbon, die Frische des Punk gepaart mit 70er-Jahre-Bluesrock-Schwere ergibt eine bezwingende Mixtur, die die Combo aus dem County Armagh perfekt zuzubereiten weiß. Wer mit Motor Boys Motor oder den Godfathers aufgewachsen ist und diese Nummer gern auch mal etwas schärfer gewürzt genießt, ist bei den Bonnevilles goldrichtig. Konzertantes Spitzen-Entertainment oder einfach nur „fuckin‘ awesome“, wie Andrew McGibbon sagen würde…

Über James Leg noch groß was zu erzählen in Alternative-Blues-Kreisen bedeutet Eulen nach Athen tragen. Der Sohn eines texanischen Predigers mischt mit seinem unnachahmlichen Orgelspiel bei der eigenen Formation Black Diamond Heavies mit, bei den Immortal Lee County Killers war er zugange, mit der geschätzten Cut In The Hill Gang hat er die exzellente „Mean Black Cat“-Scheibe eingespielt und mit den grandiosen Left Lane Cruiser ist er auf „Pain Killers“ seinen Brüdern im Geiste begegnet.
Beim finalen Auftritt zu mitternächtlicher Stunde am vergangenen Freitagabend wurde Leg bei seinem Heavy-Georgel kongenialst von Drummer Matt Gaz unterstützt, der Trommler beherrscht eine stilistische Bandbreite von Ginger Baker bis zu ausgefeiltester Heavy-Rock-Rhytmik und passt damit perfekt zum Klangbild Legs, in dem sich schweres, verzerrtes Doors-Georgel, Boogie-Grooves und psychedelische Krautrock-Drones genauso finden wie der treibende Flow des Endsiebziger-Postpunk. Dies alles angeordnet um den zentralen Kern des rohen Blues, gepaart mit einer intensiven, pure Energie transportierenden Bühnenpräsenz und begleitet von einer Reibeisen-artigen Stimme, gipfelte die Nacht in einem berauschenden Konzerterlebnis, in dem Leg vor allem die Songs seiner aktuellen Einspielung „Below The Belt“ (2015, Alive) zum Besten gab, das Repertoire reichte von gefühlvollen Soulballaden bis hin zu Intensivst-Blues-Trash, das scharfe Gebräu dargereicht in einer funkensprühenden Mischung aus Eigenkompositionen und Fremdmaterial, welches sich aus einem weiten Feld von Sister Rosetta Tharpe bis zu den Cure bedient.
Wenn man tagelang im Nachgang nichts anders mehr hören will als James-Leg-Musik, dann dürfte klar sein, dass hinsichtlich dieses Auftritts kaum noch was zu toppen war. Heavy-Trash-Blues-Rundum-glücklich-Paket vom son of a preacher man.

Gerne hätten wir auch noch an den folgenden beiden Tagen dem Festival beigewohnt, beispielsweise mit den exzellenten catl., der italienischen One-Woman-Blues-Band Eli De Mon oder Left-Lane-Cruiser-Kracher Fredrick „Joe“ Evans IV und seinem Seitenprojekt King Mud wären noch etliche Highlights im Line-Up vertreten gewesen, es ist sich zeitlich leider nicht ausgegangen.
Der Eindruck vom Freitag war ein hervorragender, der Austragungsort mit seiner Bergkulisse wie eingangs erwähnt schlichtweg herrlich, das Catering im Form von lokalen Produkten aus der Weilheimer Dachs-Brauerei und köstlichen Grillspezialitäten aus der Metzgerei vom Veranstalter-Bruder ausgezeichnet. Die Atmosphäre herzlich-familiär, der Sound dank Tonmeister Jay Linhardt aus Warrensburg/Missouri exzellent, die Bandauswahl von Organisator Christian Steidl allerfeinst zusammengestellt – man wünscht diesem Festival noch viele Jahre, für die Zukunft vor allem besseres Wetter und dadurch bedingt einen ganzen Schwung mehr Besucher, verdient hätte es das allemal.

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