Reingehört (209): Frank Zappa

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Frank Zappa – The Crux Of The Biscuit (2016, Zappa Records)
Archiv-Ausgrabungen, „Alternate Version“-Zweitverwertung oder ganz einfach Leichenfledderei auf hohem Niveau: was beim „King Of Rock ’n‘ Roll“ und im ganz großen Stil bei der Cosmic-American-Music-Institution The Grateful Dead läuft, funktioniert ab und an auch beim Bürgerschreck der amerikanischen Rockmusik.
Im Herbst 1973 feierte Frank Zappa mit dem Album „Over-Nite Sensation“ Erfolge, bereits ein halbes Jahr später schob er das bei den selben Aufnahmesessions entstandene Prog-/Jazz-Rock-Meisterwerk „Apostrophe (´)“ (1974, beide DiscReet Records) nach, dessen ausgefeilte Musik durch den dumpfbackigen Humor der Texte oft in den Hintergrund gedrängt wurde, wie Barry Miles in seiner Biografie „Zappa“ (2005, Rogner & Bernhard) treffend anmerkte.
Den Rest vom Schützenfest zum Meilenstein „Apostrophe (´)“ liefert nach über vierzig Jahren Archivierung die rundum gelungene Outtake-, Interview- und Liveaufnahmen-Sammlung „The Crux Of The Biscuit“.
Highlights der Zusammenstellung sind eine alternative Version seiner Abrechnung mit der Guru-Gläubigkeit jener Zeit, „Cosmic Debris“, die allerdings nur im Intro differiert, inklusive schwerem Gitarren-/Keyboard-Prog-Rock, das Titelstück als Neun-Minuten-Version, ein australisches Radiointerview mit dem Meister zum Hintergrund von „Don’t Eat The Yellow Snow“ („Watch out where the huskies go“ ;-))) und eine 1973 in Sydney live mitgeschnittene 19-Minuten-Kombi aus eben jenem Stück und „St. Alfonzo’s Pancake Breakfast“.
Das auf dem regulären Album nicht vertretene „Energy Frontier“ mit Jack Bruce am Bass ist in drei verschiedenen Versionen vertreten, Zappa selbst kam seinerzeit mit der Arbeitsweise des Ausnahmebassisten nicht klar: „I found it very difficult to play with him; he’s too busy. He doesn’t really want to play the bass in terms of root functions; I think he has other things on his mind. But that’s the way jam sessions go.“
In allen Einspielungen ist die Meisterschaft und hochkonzentrierte, komplexe Abstimmung der Musiker untereinander unüberhörbar, Könner wie der spätere Beefheart/Magic-Band-Posaunist Bruce Lambourne Fowler, der französische Jazz-Geiger Jean-Luc Ponty oder der Ausnahmedrummer Ansley Dunbar und langjährige Zappa-Wegbegleiter wie George Duke und das Ehepaar Underwood machten’s möglich.
(**** – *****)

 

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8 Kommentare

  1. Lieber Gerhard,
    Zappa geht immer 🙂 Ein Großer und schmerzlich vermisst. Oder wie er schon in den 80´er Jahren sang: „When the lies get so big/ And the fog gets so thick/ And the facts disappear/ The Republican Trick/ Can be played out again“. Diesen Titel hörte ich zufällig gestern Abend. Zappa bewegt auch heute noch.
    Hab‘ einen schönen Nachmittag,
    Stefan

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    1. Lieber Stefan,
      ja, finde ich auch. Die von Dir zitierte Textpassage passt ja wunderbar zum momentanen US-Wahlkampf. Seine Kommentare hierzu wären sicher ein Heidenspass (wenn’s schon ansonsten zu dem Thema kaum was zu lachen gibt…)
      Danke, liebe Grüße, Dir auch einen schönen Rest-Donnerstag,
      Gerhard

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      1. Lieber Gerhard,
        er hatte eine Haltung…was vielen abhanden gekommen ist. Seine Kommentare vermisse ich auch. Zumindest gibt es zum US-Wahlkampf noch Leute wie John Oliver die den ganzen Wahnsinn satirisch bissig begleiten. Übrigens gegen schlechte Laune hilft u.a. sein Album“Strictly Commercial“ mit einem speziellen Best-of, was ein guter Einstieg ins Zappa-Universum ist.
        Liebe Grüße und Dir den schönen Abend,
        Stefan

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      2. Lieber Stefan,
        er hatte eine Haltung, absolut. Die „Strictly Commercial“ ist eine gute Übersicht. Als Einstieg in den Zappa-Kosmos ist sie sehr brauchbar, auch wenn Perlen wie „Carolina Hard-Core Ecstacy“ oder „Camarillo Brillo“ leider fehlen. Aber eine Best-of aus einem derart reichhaltigen Lebenswerk zusammenzustellen, die es allen recht macht, ist wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Ich mag auch seine Ausflüge in die neuere Klassik sehr.
        Liebe Grüße,
        Gerhard

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      3. Du hast Recht. Ich denke, es gibt noch weitere Schätze im Archiv. Aber, wie im Rolling Stone Magazin zu lesen war, sind die Kinder über das Erbe zerstritten und darunter leidet vermutlich auch sein Werk. Ein reines Best-of kann man bei seinem reichhaltigen und vielseitigen Erbe gar nicht zusammen stellen. Aber mit dem „Strictly Commercial“-Album habe ich schon neue Freunde für Zappa gewonnen. Ich mag generell Künstler die sich ausprobieren. Und Zappa´s neuere Klassikausflüge können sich ebenso hören lassen. Abgesehen vom Klang wird seine Musik wohl nie alt klingen.
        Liebe Grüße,
        Stefan

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      4. Seine Synclavier-Sachen finde ich im Abstand der Zeit etwas anstrengend und für heutige Verhältnisse leicht angestaubt, aber im Prinzip bin ich bei Dir, die meisten Einspielungen von ihm sind schon zeitlose Klassiker.
        Liebe Grüße,
        Gerhard

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