Reingehört (238): Griswold

KULTURFORUM Winter www.gerhardemmerkunst.wordpress.com (18)

Griswold – Glue EP (2015, Hometown Music / Bandcamp)
Sechs junge MusikantInnen aus der Fugger- und Brecht-Stadt Augsburg, die nach eigenen Worten schon ihr halbes Leben zusammenspielen, die eigene Tondichtung als „indiepopjazzfolkrock from the woods“ bezeichnen und ihre Einflüsse mit so unterschiedlichen, herausragenden Kollegen wie den experimentellen Indie-Rockern von Neutral Milk Hotel, der Pop-Ikone David Bowie, dem amerikanischen Jazz-Saxophonisten Wayne Shorter und Folk-/LoFi-Maniac Daniel Johnston benennen. Auf der im letzten Herbst veröffentlichten 6-Stücke-EP „Glue“ glänzt das Sextett mit für Folkrock ungewohnte Rhythmik und schönen Jazz-Noten, durch den Saxophon-Einsatz entstehen im Indie-Folk so bisher nicht/selten gehörte Referenzen/Querverbindungen wie etwa zu Van-der-Graaf-Generator-Perlen der englischen Prog-Rock-Hochphase. Das Songmaterial deckt im Grundton eine stimmige Bandbreite zwischen getragener Folk-Ballade und beschwingtem Indie-Pop ab, die ihren besonderen Reiz durch dezent-tonale Beigaben und Spannungs-steigernde Bereicherungen erfährt, hier fiept ein Keyboard und erzeugt schön-schräge Electronica-Störgeräusche, dort klatschen die Hände den Rhythmus, das dem Folk mehrheitlich fremde Saxophon fand schon Erwähnung, alles feinst abgestimmt und zusammengehalten von der unaufgeregt-nachdenklichen Sangesstimme des Gitarristen Uwe Lukatsch, die der gehaltvollen Instrumentierung in nichts nachsteht. Mit den Nummern „Scissors“, „Pinhole“ und „Pocketwatch“ wartet in der zweiten Hälfte des Tonträgers ein wunderbares Balladen-Triple, das sich zur Entfaltung der ergreifenden Passagen die gebührende Zeit nimmt und im Sinne der musikalischen Dramatik im entscheidenden Moment zupackt.
Die Referenz auf die eingangs genannten Idole mag auf der EP nicht immer offensichtlich sein – was dem Klangbild der Band im Sinne der Eigenständigkeit nur zum Vorteil gereicht – ein hochanständiger erster Wurf ist der bayerischen Formation mit dieser Songsammlung allemal gelungen.
(**** – *****)

Griswold / Homepage

Griswold / Bandcamp

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