Reingehört (245): Yo La Tengo, Communist Daughter

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Yo La Tengo – Murder In The Second Degree (2016, Egon Records)
Die Indie-Noise-Pop-LoFi-Institution aus Hoboken/New Jersey mit einer Fortsetzung ihres „Yo La Tengo Is Murdering the Classics“-Albums (2006, Egon Records), 28 Coverversionen, wie bei der Erstauflage auf Zuruf und gegen Spende der Hörer live im Studio des Independent-Radiosenders WFMU eingespielt, dem der finanzielle Reinerlös dieser Fundraising-Aktion zugedacht war.
Heimliche und vielleicht auch ab und an peinliche Lieblingslieder (wer hat die nicht?) wie der relaxt-nonchalant hingeschrammelte Russ-Ballard-Kracher „Back In The New York Groove“, „Bertha“ in weitestgehend gelungener Anlehnung an das Grateful-Dead-Original, „Heart Of Darkness“ in der gebührenden, explodierenden Pere-Ubu-Experimental-Proto-Punk-Weirdness, der instrumentale Synthie-Pop-Klassiker „Popcorn“ von Gershon Kingsley als LoFi-Schwurbel-Melodica-Derivat, die von Georgia Hubley intonierte, in der YLT-Bearbeitung abgestrippte Bee-Gees-Schmachtnummer „To Love Somebody“ und ein psychedelisch vor sich hin halluzinierender Mix aus der Traffic-Nummer „Low Spark Of High-Heeled Boys“ und Neil Young’s „Mr. Soul“ sind die Highlights dieser unterhaltsamen Schepper-Gitarren-Pop-Sammlung an Neubearbeitungen alter Klassiker, dazwischen werden die üblichen Verdächtigen an Songautoren wie Dylan, Jagger/Richards, Lennon, Bowie, Ray Davies, Lee Hazlewood, Willie Nelson, Brian Wilson oder Phil Spector gewürdigt, auch ein paar ausgefallenere Fremdwerke vom Folk-Kauz Michael Hurley und den unvergleichlichen Washingtoner Hardcore-Rastas Bad Brains wurden von der Hörerschaft gewünscht.
Völlig bei sich sind Ira Kaplan, Georgia Hurley und Co. in der Interpretation des Violent-Femmes-Klassikers „Add It Up“, für den artverwandten, schmissigen Folk-Punk der Kollegen mussten sich Yo La Tengo kaum vom ureigenen Klangbild loslösen.
Für Fans als Sammlerstück unerlässlich, für die restliche Indie-Kundschaft ein Laune machendes Gimmick.
(*** – *****)

Communist Daughter – The Cracks That Built The Wall (2016, Communist Daughter)
Sextett aus Saint Paul/Minnesota, haben sich nach einem Song der amerikanischen Psychedelic-Folk-Band Neutral Milk Hotel benannt. Zweiter Longplayer, zwischen melancholischem Folk-Rock-Grundgerüst und verhallten, stimmigen Indie-Gitarren, ergreifend schön ausgestaltet und bereichert von den Eheleuten Molly Moore und Johnny Solomon durch ihren atmosphärisch-getragenen Duettgesang, der in jeder Strophe großen Pop atmet. Das Debütalbum der Band datiert weit zurück ins Jahr 2010, es folgten zwei EPs bis 2012, in der Zwischenzeit musste Bandleader Solomon Dämonen wie Sucht und psychische Erkrankungen bekämpfen, ehe an Aufnahmen mit neuem Material zu denken war.
Communist Daughter drehen den Indie-Rock nicht auf links und erfinden auch dahingehend das Rad nicht neu, aber das hier Erreichte kann man ohne großes Genöle getrost so stehen lassen, zumal’s auch ganz wunderbar als Beschallung zur herbstlichen Stimmung taugt.
(**** – **** ½)

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11 Kommentare

    1. Sechs Sterne, oder? ;-)) Dave Schramm hat auf dem Album auch mitgeschrammelt, partiell, und die Herren Bruce Bennet und Peter Walsh sollen auch mitgewirkt haben, aber ich will mich nicht mit dem YLT-Experten anlegen… ;-)))

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      1. Yo La Tengo spielen in Bangkok, am 04. Dezember. Gewöhnliche Ticketschalter haben die Tickets nicht im Programm. An der online-Variante bin ich gescheitert. Ich muss mich da noch etwas kümmern. 😀

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      2. Ach Bangkok, na dann. Wollte schon motzen „Schon wieder nicht in München“, aber das ist natürlich eine andere Nummer. Da wünsch ich Dir viel Glück beim Ticket-Besorgen! Und jedenfalls viel Spaß und gute Reise bei Deinem anstehenden Asien-Trip!

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      3. Ich werde das Ticket wohl direkt an der Tür kaufen, es kostet nur unwesentlich mehr. Ich bin echt am thailändischen Bestellsystem gescheitert. Es müssen da 3 Schritte absolviert werden, mit E-Mail, ein Kennwort anfordern, und Geld hinterlegen… Das ist mir zu aufwendig. Ich hoffe doch, dass ich noch ein Ticket bekomme. Gruß, Andreas

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      4. Ich hoffe mal, die „Braunjacken“ (die hiesigen Polizisten) lassen mich mit meiner kleinen Knipse rein. Ansonsten nehme ich das Smartphone. Und wegen der Tickets bin ich eigentlich frohen Mutes. 😀

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