Reingehört (253): Ben Frost

FRAMEWORKS FESTIVAL Ben Frost - Einstein Kultur München 2016-03-11 ---DSC00828

Ben Frost – The Wasp Factory (2016, Bedroom Community)
Der Mann ist immer wieder für eine Überraschung gut. Im vergangenen Frühjahr hat er in München eine berückende Vorstellung hinsichtlich atonalem Grenzgang zwischen Black-Metal-Exzess, Minimal Music und abstrakten Noise-Drones im Rahmen des diesjährigen Frameworks-Festivals für experimentelle Musik und Multimedia-Projekte gegeben, aus der Vergangenheit stehen Kollaborationen unter anderem mit Brian Eno und Tim Hecker zu Buche, dieser Tage veröffentlicht der in Reykjavík residierende Australier Ben Frost die Tonträger-Fassung seiner ersten Oper über das isländische Bedroom-Community-Kollektiv, basierend auf dem gleichnamigen Debüt-Roman des schottischen Science-Fiction-Autors Iain Banks über den siebzehnjährigen Psychopathen Frank Cauldhame entwirft Frost in dem 2013 erstmals bei den Bregenzer Festspielen live aufgeführten Bühnenwerk eine minimalistisch-neoklassische Wunderwelt, die hinsichtlich tonalem Klangerlebnis weitaus zugänglicher ist als der Großteil seines umfassenden Werks.
Die Geschichte des isolierten Jungen auf der Insel (in den Achtzigern zum Kultbuch avanciert), der traumatisiert und von Obsessionen beherrscht in seiner eigenen Psyche verloren geht und in ausgelebter Boshaftigkeit seine Umwelt manipuliert bis hin zu leidenschaftslosen Menschenopfern, wird präsentiert in einer an die Minimal Music angelehnten, Streicher-dominierten Orchestrierung, die Monologe des jungen Frank und der Fortgang der Geschichte im Libretto von David Pountney werden erzählt durch die schönen, geradezu lieblichen, weiblichen Singstimmen von Lieselot De Wilde, Jördis Richter und Mariam Wallentin, die im krassen Gegensatz zu den gesungenen Texten stehen, welche eine Horror-hafte, extreme Brutalität transportieren.
(**** – **** ½)

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4 Kommentare

    1. Ich hab mal reingelesen, hab’s mich aber damals nicht komplett lesen getraut, sollte ich vielleicht mal machen. Kann mich jedenfalls noch gut an die Zeit erinnern, in der es rauskam, war damals schon irgendwie ein Aufreger. Die einen fanden es von Anfang an total kultig, während die Opposition ständig auf der extremen Brutalität rumhackte.
      Liebe Grüße,
      Gerhard

      Gefällt 1 Person

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