Reingehört (256): Verein Freude

HOCHZEITSKAPELLE @ innen.aussen.raum Maximiliansanlagen, München, 2015-08-03 (4)

Verein Freude – Schnappschuss EP (2016, Bandcamp)
Verein Freude, was für ein Bandname, da hört man doch gerne rein, bei einem Club, der das Lebensbejahende und das Positive bereits im Namen trägt, zumal als Anhänger eines Vereins, der sich seit geraumer Zeit in Geiselhaft eines völlig inkompetenten jordanischen Investors befindet und unaufhaltsam und zielstrebig in Nachfolge englischer Vorbilder den Niederungen des Amateurfußballs entgegen taumelt. Und aus Leipzig kommen die Musiker auch noch, der Stadt des zukünftigen Deutschen Fußballmeisters, wie passend im Kontext dieser Beitragseröffnung… ;-))
Die Band Verein Freude benennt ihre Einflüsse maßgeblich mit altgedienten Jazzern wie dem Meister-Gitarristen Bill Frisell oder der Pianisten-Legende Bill Evans, hinsichtlich des austarierten, filigranen Gitarrenspiels und des pointierten, frei fließenden Schlagwerks auch nachvollziehbar, aber es findet sich zusätzlich soviel mehr an Wohlklang im rein instrumentalen Sound der vier Männer aus der Sachsenmetropole als nur das Referenzieren auf altgediente Größen des freien Musizierens.
Jazz-infizierten Kraut-, Post- und Prog-Rock-Flow und wiederholtes, kurzes Sammeln in Ambient-artigem Verharren in stimmigem Tempi-Wechsel und schwer inspiriertem Vortrag liefern die Leipziger, der Kopf ist angeregt und das Bein wippt beschwingt mit (falls es den rhythmischen Breaks folgen kann), wer am feingliedrigen, vielschichtigen Gitarrenspiel von David Grubbs oder eben Bill Frisell und noch viel mehr am experimentellen Jazz-Fusion-Postrock der Chicagoer Genre-Institution Tortoise seine Freude findet, sollte unbedingt auch diesen versierten Musikern sein Gehör leihen, da gibt es viel Neues, Bereicherndes, Ergänzendes und Originelles zu entdecken.
Emotionale Klanglandschaften zwischen Aufbruch und Melancholie, realisiert mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug, mehr brauchen die Mannen von Verein Freude mit ihren selbstbezeichneten „Instrumentalschlagern“ auf ihrem Debüt nicht zum Anknüpfen an deutsche Krautrock-Hochzeiten oder die englischen Prog-Rock-Ära der frühen Siebziger. Ein Verein, den man als Postrock-Ultra gerne anfeuert.
(*****)

Verein Freude / Bandcamp

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