Karo & Lost Name @ Glockenbachwerkstatt, München, 2016-12-22

„Hat heute keinen Eintritt gekostet, da könnt Ihr natürlich auch nix erwarten“ meinte die Würzburger Musikerin Karo zum Einstieg des kleinen, feinen Glockenbachwerkstatt-Café-Konzerts am vergangenen Donnerstag-Abend, dabei war die Vorfreude groß und sollte auch nicht enttäuscht werden, hatte die vom Zündfunk bezeichnete „Leslie Feist von Unterfranken“ doch den „Bright Eyes von Unterfranken“ an ihrer Seite, den begnadeten, mittlerweile in München ansässigen Folk-Musiker Andreas Langhammer aka Lost Name, der bereits in der Vergangenheit wiederholte Male schwer zu begeistern wusste. Das Duo spielte sich gekonnt die Bälle zu, im fliegenden Wechsel wurden jeweils ein bis zwei Stücke zu Gehör getragen, ehe im Fortgang wieder an den Bühnen-Partner übergeben wurde.
Karo begeisterte mit Eigenkompositionen, die sie in entschleunigter LoFi-Folk-Manier zum E-Gitarren-Anschlag und dunklen Drone-Loops vortrug, die Feist-Anspielung ist nicht gänzlich von der Hand zu weisen, der Vergleich mit den Arbeiten von Cat Power tut auch nicht hinken, und doch ist das im Fall von Karo nur die halbe Miete, ihr musikalischer Ansatz geht weit über den der genannten Damen in Richtung dezenter Postrock hinaus. Die bereits im Original nahezu hypnotische, atmosphärisch dichte Chris-Isaak-Ballade „Wicked Game“ driftete in der Karo-Bearbeitung noch weiter hin zu geisterhafter, finster funkelnder Mystik, und selbst das als düstere Postrock-Oper vorgetragene, im Grunde unerträgliche „Last Christmas“ mochte ungeahnten Charme entfalten, selbst wenn man schwer zu kämpfen hatte, um bei den Lyrics die Bilder dieses des unsäglichen Schleimbatzens George Michael erfolgreich zu verdrängen (Anm.: Konzertbesprechung vor Bekanntwerden seines Ablebens verfasst, möge er ihn Frieden ruhen. Seine Musik bleibt trotzdem grausam) .
Andi Langhammer wusste einmal mehr nachhaltig zu beeindrucken mit seiner ureigenen Mixtur aus emotionalem, entrücktem Gesang, gesampelten Vokal- und Rhythmusgitarren-Loops, erstklassigem Folk-Songwriting und seinem filigranen, klassisch geschulten Akustikgitarrenspiel, dass er im Sinne pointierter Dramatik mit beherzt-kräftigen Saitenanschlag bereicherte. Sein Gänsehaut-erzeugender Vortrag speiste sich zu großen Teilen aus dem brandaktuell erschienenen neuen Lost-Name-Album „Silent Friend“ (Kick The Flame / Analogsoul / Broken Silence), näheres zum Tonträger demnächst. In München sieht es in Sachen „Weltkulturerbe“ bisher recht mau aus, die Tondicht-Kunst von Andreas Langhammer, die würde sich für diese Nummer schwer aufdrängen. Vielleicht kommt er ja mal zum Konzert und reicht dann umgehend einen Antrag ein, unser geschätzter Herr Oberbürgermeister.
Konzertjahr 2016, das war’s. Schöner, würdevoller, erhabener, andächtiger konnte es nicht ausklingen als mit Karo und Lost Name.
(*****)

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