Soul Family Tree (6): Nina Simone, Tina Turner, The Reflex/Stevie Wonder

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Black Friday Numero Sei, der Hamburger Soul-Experte Stefan Haase vom Freiraum-Blog präsentiert heute die 2003 verstorbene, in der schwarzen Musik breit aufgestellte „Dr.“ Nina Simone mit einem absoluten Gusto-Stück, die Mainstream-Radio-Queen der Achtziger und Neunziger Tina Turner mit einem Song aus einer ihrer musikalisch erwähnenswerteren Phasen und einen Stevie-Wonder-Remix von The Reflex, ab geht die Lucie:

Der wöchentliche Gruß aus der Soul Kitchen trägt heute dick auf. Mit großen Namen wie Tina Turner, Stevie Wonder und Nina Simone und mit großen Songs. Dazu gibt es mehrere „Lange Rillen“ (Lieder in Überlänge) und ein Remix samt Entstehungsgeschichte der besonderen Art dahinter. Los geht´s:

Hinter „The Reflex“ steht der in Frankreich geborene und in London lebende Nicola Laugier. Er remixt nicht einfach bekannte Songs. Nein, er sucht nach den Master Tapes und versucht den Songs mittels eines modernen Arrangement neues Leben einzuhauchen. Und es gelingt immer wieder auf ganz famose Weise. Zu seinen Fans weltweit zählen u.a. Noel Gallagher, Nile Rodgers (Chic), Kid Creole, Rainer Truby und viele andere DJs. Wie sagte der englische DJ und BBC-Moderator Gilles Peterson so treffend: „Killer edits after killer edits, keep ‘em comin’!“

Die Geschichte hinter diesem Song und wie er veröffentlicht wurde ist erstaunlich. Auf der Suche nach Material zu Roberta Flack und Donny Hathaway (vermutlich zum Song „Back Together Again“) geriet „The Reflex“ an ein Band mit einer Tonspur von Stevie Wonder. Der Song „Don´t Make Me Wait Too Long“ aus seiner Feder wurde für Roberta Flack geschrieben und auch veröffentlicht. Um ihr eine Hilfe zu geben, wie man den Song interpretieren kann, sang Stevie Wonder den Song auf dem Band ohne Musik ein. Es wurde nie veröffentlicht… bis „The Reflex“ darüber gestolpert ist. Stevie Wonder gab persönlich sein Okay für den Remix und so erschien 2015 zum ersten Mal dieser Song mit der Originalstimme von Stevie Wonder. Ein absoluter Killer Edit! Dieser Remix macht dazu ziemlich gute Laune. Ladies and Gentleman, hier kommt Stevie Wonder mit „Don´t Make Me Wait Too Long (The Reflex Revision)“.

Tina Turner ist ein Superlativ. Mit fast 200 Millionen Tonträgern ist sie eine der erfolgreichsten Künstlerinnen aller Zeiten. Ihr Auftritt in Rio, im Maracanã-Stadion, vor fast 200.000 Zuschauern, steht im Guinness-Buch der Rekorde. 2009 zog sie sich mit einer letzten Tournee zurück. Gehen wir zurück ans Ende der 1970er Jahre, in denen sie keinen großen Erfolg hatte. Nach der Trennung und Scheidung von Ike Turner glaubten die Plattenfirmen nicht mehr an sie. Doch mit dem neuen Musikproduzenten Roger Davies an ihrer Seite kehrte langsam der Erfolg zurück. Ihr Album „Love Explosion“ von 1979 verkaufte sich noch schlecht. Mit dem Album versuchte sie sich auch an neuen Musikstilen. Hier zu hören ihre Cover-Version vom Klassiker „Backstabber“ der The O´Jays.

Sie ging nach London und eroberte sich mit den sog. „Nice N‘ Rough“-Konzerten Anfang der 1980er Jahre ihre Fans langsam wieder zurück. Und 1984 kam ihr Album „Private Dancer“ auf den Markt und Tina war zurück auf der großen Bühne. Als Bonus gibt es von diesen Konzerten Anfang der 1980er Jahre eine großartige Version von „Proud Mary“. Auch wenn der Clip nach knapp 10 Minuten abrupt endet, ist dieser Konzertauftritt sehenswert und zeigt ihre enorme Performance und Power auf der Bühne. Tina Turner Live 1982 im Hammersmith Apollo in London mit „Proud Mary“.

Kommen wir zum epischen Song „Sinner Man“, im Original ein traditionelles Spiritual. Der Text handelt von einem Sünder, der versucht, sich vor dem Jüngsten Gericht zu verstecken. Nina Simone’s „Sinnerman“ (in einem Wort) ist einer ihrer vielen berühmten Songs. Enthalten ist eine 10-plus-minütige Version auf dem 1965er Album „Pastel Blues“. In den frühen Tagen ihrer Karriere Anfang der 1960er Jahre, in denen sie Teil der Greenwich Village Scene war, war „Sinnerman“ oft und in der Langfassung ihr letzter Song, den sie bei Auftritten spielte.

Kurz etwas Biografisches über Nina Simon. Sie wurde als Eunice Kathleen Waymon am 21. Februar 1933 geboren und starb am 21. April 2003, sie war eine amerikanische Sängerin, Komponistin, Pianistin, Arrangeurin und aktive Bürgerrechtsaktivistin. Ihr Leben und Karriere waren ziemlich bewegend und nicht immer vom Glück geprägt. Besonders zu empfehlen ist die von Netflix produzierte Dokumentation „What Happened, Miss Simone“, die einen guten Einblick in ihre verschiedenen Lebensphasen gibt. Prädikat: absolut sehenswert.

Bis zum nächsten Mal. Peace and Soul!

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