Soul Family Tree (8): Eryka Badu, Working Week, Al Jarreau, Michael Naura

It is Friday, my dudes, it is Friday – Schwarzer Freitag mit einem weiteren Gastbeitrag vom Hamburger Freiraum-Blogger-Freund Stefan Haase, heute und in Zukunft zu vorgerückter Abendstunde, damit sich’s leichter in das Wochenende grooven lässt, here we go:

Heute geht es auf eine Zeitreise. Es geht zurück in die 1970er Jahre, in denen Al Jarreau, der vor wenigen Tagen plötzlich verstarb, seine Karriere in Hamburg startete. In den 1990er Jahren, vor 20 Jahren veröffentlichte Erykah Badu ihr Debut. Und die Achtziger sind mit einem der besten Alben aus diesem Jahrzehnt von der englischen Band Working Week vertreten.

20 Jahre: 1997 veröffentlichte Eryka Badu ihr Debut „Baduism“. Ein Meisterwerk und ein zeitloses musikalisches Dokument, der Beginn ihrer Karriere. Hört man heute das Album, so könnte man denken, es sei gestern aufgenommen. Andere Künstler wie u.a. Amy Winehouse und Outkast ließen sich vom Debüt inspirieren. Das Album ist mehr als eine lose Ansammlung von Liedern. Es ist ein Statement. Und es vereint Soul, HipHop und Jazz zu einem eigenen, einzigartigen Klangkosmos. Ausgesucht habe ich nicht die erste Nr. 1 Single „On and On“, sondern den Song „Apple Tree“.

1985 erschien das Debüt der englischen Band Working Week. Mitte der 1980er Jahre gab es einen Brit-Jazz-Boom, angeführt von Bands wie Everything But The Girl, Swing Out Sisters oder Künstlern wie Tracy Thorn und Sade. Working Week bestand damals aus den Jazz-Musikern Larry Stabbins und Simon Booth. Sie holten sich die Sängerin Juliet Roberts in die Band, und bereits mit ihrem Debütalbum „Working Nights“ schossen sie 1985 durch die Decke. Feine Bläserarrangements, ein rollender Groove, und vor allem der Gesang von Juliet Roberts machten das Album zu einem großen Wurf. Allein der Opener, eine Coverversion von Marvin Gaye’s „Innercity Blues“ gibt die Richtung vor und ist perfekt arrangiert. Die Brit-Jazz-Pop-Welle dauerte dennoch nicht lange an. Bald entwickelte sich u.a. der Acid-Jazz aus der kurzen wie kreativen musikalischen Phase. Ladies and Gentleman, hier kommen Working Week mit dem „Innercity Blues“:

Der Mann aus Milwaukee/Wisconsin. Al Jarreau hatte die wohl facettenreichste wie unglaublichste Stimme in der modernen Musik und sang in seiner eigener Kategorie. Es ist Donnerstag, der 11.März 1976. An diesem Abend tritt Al Jarreau erstmals im damaligen Szenelokal „Onkel Pö’s Carnegie Hall“ in Hamburg auf. 1975 erschien das Debüt von Al Jarreau, was Michael Naura vom NDR-Radio hörte und den Betreibern vom „Onkel Pö“ vorspielte. Jarreau wurde auf Verdacht verpflichtet. Schließlich kannte man ihn in Deutschland nicht. Aus diesem ersten Konzert folgten noch weitere vier vor begeisterten Zuschauern. Vermutlich wird Al Jarreau dieses Datum nie vergessen haben. Es markierte einen Wendepunkt in seinem musikalischen Leben. Bereits einen Tag später besuchte Michael Naura Jarreau, nahm das Konzert am Abend auf und sendete es im Radio. Es folgte noch eine TV-Show vor Publikum, welche der NDR mit ihm aufzeichnete. Am Samstag spielte und sang Jarreau bis in den frühen Morgen. Aufgrund des großen Andrangs entschied man sich, alle 20-30 Minuten das Publikum auszutauschen, damit alle ihn sehen konnten. Jarreau willigte ein. Danach war ein neuer Star geboren. Er schaffte es aus banalen Songs ganz große Songs zu machen …durch seinen Scatt-Gesang. Allein schon der ultimative Jazzwalzer „Take Five“ von Paul Desmond und Dave Brubeck wurde durch seine Art der Interpretation unsterblich. Hier zu hören in der TV-Show, die der NDR 1976 mit ihm aufnahm:

In den 80er und 90er Jahren wandte er sich vom Jazz ab und ging mehr ins seichte Fach über, was seine alten Fans verärgerte. Doch live war Jarreau anders. Man musste keine Angst haben, dass er seine aktuelle Platten herunterspielte. Live strahlte er eine unglaubliche positive Energie aus, gab stets gern seine Klassiker zum Besten und ließ sich vom Publikum tragen. Er hat ein Leben lang gearbeitet und trat auch noch bis kurz vor seinem Tod auf. 2017 wollte er wieder auf Tournee gehen. Doch die Kraft ließ nach und er ging wegen Erschöpfung in ein Hospital. Nur wenige Tage später verstummte die vermutlich vielseitigste Stimme des Jazz für immer. Wer mehr über den studierten Psychologen erfahren möchte, klickt hier.
„This special video tribute was produced through a partnership between Wisconsin Public Television and Wisconsin Foundation for School Music to commemorate Al Jarreau at his Lifetime Achievement Award event in Milwaukee, Wisconsin on October 8, 2016.“

Am 14.Februar wurde gemeldet, dass Michael Naura im Alter von 82 Jahren gestorben ist. Er machte damals Al Jarreau durch das Radio bekannt. Naura war der Jazzpapst von Hamburg. Fast 30 Jahre lang leitete er die NDR-Jazzredaktion. Er moderierte im Radio, schrieb für u.a. den „Spiegel“, die „Zeit“, die FAZ  und startete viele Musikprojekte. Zusammen mit seinem Freund Peter Rühmkorf kreierte er z.B. die Reihe „Jazz & Lyrik“. Sein Lebensmotto war: „Entscheide Dich. Vor Dir das Meer und hinter Dir die Waschmaschine.“ Danke Michael Naura für viele unvergessliche Radiosendungen wie auch persönliche Begegnungen.

Von Al Jarreau habe ich aus seinem vielseitigen Katalog noch ein weiteres Lied von Freddie Hubbard ausgesucht: „Little Sunflower“. Zeitlos und unvergessen.

Bis zum nächsten Mal. Und nicht vergessen:
Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum.

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3 Kommentare

    1. Mir ging es ähnlich. Sogwirkung ist gut ausgedrückt. Das Album ist zeitlos. Während viele Alben im Laufe der Jahre eine gewisse Patina ansetzen, so klingt „Baduism“ immer noch aktuell und könnte gestern erschienen sein.

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