Soul Family Tree (10): Stone Foundation, Gil Scott-Heron, Leon Ware, Clyde Stubblefield

soulfamilytree

Kommt gut in das Wochenende mit Ausgabe 10 der Black-Music-Serie „Soul Family Tree“, heute wieder mit einem ausführlichen Beitrag von Soulbrother Stefan Haase vom Hamburger Freiraum-Blog, black friday, my dudes:

Willkommen zu einer neuen Ausgabe vom „Soul Family Tree“. Heute gibt es neue Musik von Stone Foundation, die sich als Verstärkung die große Bettye Lavette und Stax-Legende William Bell ins Studio holten. Gil Scott-Heron erinnert daran, dass die Revolution nicht sitzend vor dem Fernseher passiert. Und dazu kommen zwei weitere Kerzen. Eine für Leon Ware und die zweite für den „funkiest“ Schlagzeuger aller Zeiten, Clyde Stubblefield.
Let´s go.

Vorab ein Wort in eigener Sache. Im „Soul Family Tree“ soll es neben der Aktualität auch um Themenschwerpunkte gehen. Darum gibt es beim nächsten Mal den 1. Teil mit Liedern und Hymnen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Texte und Lieder, die auch heute noch aktuell sind. Dabei wird die Musik im Vordergrund stehen. Lasst Euch überraschen.

Los geht es mit der britischen Band Stone Foundation, die klassischen Soul spielen. Für ihr neues Album, das Ende März 2017 erscheinen wird, haben sie sich die Motown-Legende Lady Bettye Lavette ins Studio geholt. Produziert wurde das Album von keinem geringeren als Paul Weller. Herausgekommen ist richtig guter handgemachter Soul mit fetten Bläsern und Streichern. Aus einer ehemaligen Straßenkapelle ist im Laufe der Jahre eine richtig gute Soulband geworden. Und sie überzeugen zudem mit einem aktuellen Video. Wie singt Bettye Lavette treffend: „We Are Not Receiving Something To Believe In. It´s Time To Pull Together Stop Fighting One Another. It´s Time To Start A Season Of Change.“
Ladies and Gentleman, hier kommen Stone Foundation featuring Bettye Lavette mit „Season Of Change“:

Auf dem neuen Album der Stone Foundation soll man auch die Stimme von William Bell hören. Bekannt geworden auf dem Stax Plattenlabel, spielte er mit Rufus Thomas und vielen anderen Künstlern zusammen. Seit den frühen 1960er Jahren macht er Musik. Da passt es gut, dass er 2016 ein neues Album herausgebracht hatte. Hier kommt eine weitere Soul und R&B Legende mit dem Klassiker „Born Under Bad Sign“:

Die Kritik am amerikanischen Establishment gab es schon vor 50 Jahren. Heute und nicht nur darum ein Blick zurück auf die zwei Leben und Karrieren vom Musiker und Dichter Gilbert „Gil“ Scott-Heron (1949–2011). Denn er kritisierte stilsicher mit Sarkasmus, Humor und Ironie das Establishment bereits in den 1960er Jahren.
Scott-Heron wurde wegen seiner Texte gern der schwarze Bob Dylan genannt und galt zurecht als Vater und Idol für die später populär gewordenen Rap- und Hip Hop-Musik der kommenden Generationen. Schon kurz nach seinem literarischen Debüt 1970 nahm er sein erstes Studioalbum mit Rezitationen seiner Dichtungen in Conga-Begleitung auf. Bereits auf dem ersten Album findet sich sein vielleicht essentiellster Song mit „The Television Will Be Not Televised“, der sich in das kulturelle Gedächtnis mehrerer Generation fest einschrieb. Dieser Text hat von seiner Aktualität bis heute nichts verloren. Steht auf, schaltet den Fernseher aus und geht auf die Strasse. Die Revolution findet nicht sitzend vor dem Fernseher statt.

Er war ein Meister der Worte und fühlte sich ein Leben lang der Literatur mehr zugehörig als der Musik. Jemand, der tiefsinnig analysierte und Worte fand, wo andere nach Worten suchten. Seine teils gesprochenen oder gesungenen Worte waren zornig, wütend, anklagend und fordernd. Und selbst Jahrzehnte später hat diese Musik nichts an Kraft eingebüßt.
In Liedern wie „The Bottle“ sang er über die negativen Einflüsse von Drogen und wurde selbst von ihnen heruntergezogen. Sie beendeten sein erstes Leben, in dem er keinen Song mehr schrieb, seine Plattenverträge verlor und letztlich ins Gefängnis gehen musste. Die Erlebnisse verarbeitete er in seinem letzten Album. Ich hatte bereits über Gil Scott Heron einen eigenen Artikel geschrieben: hier weiterlesen…

Clyde Stubblefield (1943-2017) war der „funkiest“ und der am meisten gesampelte Schlagzeuger aller Zeiten. Questlove (The Roots) schrieb via Instagram.„Clyde Stubblefield thank you for everything you’ve taught me. The spirit of the greatest grace note left hand snare drummer will live on thru all of us“.
Er kreierte in den Jahren 1965 bis 1970 einen einzigartigen Schlagzeugstil als Drummer der Band von James Brown. Sein bekanntestes Stück war ein Drumsolo im Song „Funky Drummer“. Dieses Solo wurde bereits von diversen Künstlern in den 1980er Jahren gesampelt und beeinflusste die später aufkommende Hip-Hop-Bewegung sehr. Die Seite whosampled.com zeigt 1.368 Songs an, die dieses Solo nutzen. Man darf sogar so weit gehen zu behaupten, dass der Hip Hop, wie er heute klingt, ohne Clyde Stubblefield anders gewesen wäre. In seiner Zeit bei James Brown saß er auch am Schlagzeug für u.a. folgende Songs: „Cold Sweat“, „Ain’t It Funky Now“, „I Got the Feelin'“ und der Hymne „Sex Machine“.

Eigentlich wäre Stubblefield damit Millionär geworden. Doch unter dem Song stand lediglich der Name von James Brown. Außer seiner Gage als Studiomusiker bekam er nie einen Cent. Lediglich Melissa Etheridge bezahlte ihm etwas Geld. Andere Künstler wie Public Enenmy, Big Daddy Kane, Sinead O’Connor, N.W.A., Kool G. Rap, Coldcut, Beastie Boys, Prince und viele andere benutzten dieses Drum-Sample. Einzig Prince, der ebenfalls ein großer Fan von ihm war, bezahlte ca. 90.000 US-Dollar für seine Behandlungskosten, da er seit vielen Jahren an Niereninsuffizienz litt. Hier zu sehen mit einem Ausschnitt aus einer Dokumentation „Never Got Paid“, wo man Clyde Stubblefield auch in Persona sehen kann. Am 18. Februar starb Clyde Stubblefield als armer Mann. Selbst nach einer Neuregelung des Urheberrechts in den USA bekam er auch von den Erben James Browns kein Geld.

Mit Leon Ware (1940-2017) ist wieder einer der großen des klassischen Souls gestorben. Manche werden ihn vom Namen kaum kennen. Denn er hatte mehr Erfolg als Produzent und Komponist. Dennoch hat er besonders in den 1970/80er Jahren eine ganze Reihe von guten Alben und Songs veröffentlicht. Als erstes eines meiner Lieblingslieder. Leon Ware mit „Rockin You Eternally“:

Er komponierte zum Beispiel für Quincy Jones, Michael Jackson, Isley Brothers und viele andere. Und er komponierte u.a. für Marvin Gaye seinen Hit „I Want You“. Im neuen Jahrtausend nahm er seine alten Lieder im modernen Gewand neu auf. Hier zu sehen Live 2001 in Amsterdam, zusammen mit den Brand New Heavies und seinem Lied „I Want You“:

Bis zum nächsten Mal. Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum

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