James Leg, The Vagoos, Lovewash @ Raut-Oak Fest Indoor, Garage Deluxe, München, 2017-03-10

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Christian Steidl, Organisator und Mastermind des alljährlichen Raut-Oak Open-Air-Bluesfestivals, veranstaltet dieses Jahr im Vorfeld zum Anfixen der im Juli stattfindenden Sommersause eine Reihe von Indoor-Veranstaltungen, unter anderem mit ausgewählten Teilnehmern der kommenden Freiluft-Konzerte, den Auftakt machte am vergangenen Freitag ein feines Dreier-Paket in der Garage Deluxe auf dem Münchner Optimolgelände hinterm Ostbahnhof – ehe der hochverehrte Tastengott James Leg in den Ring stieg, durften zwei lokale Bands den Club beschallen und die Stimmung anheizen.

Den Auftakt machte das Quartett Lovewash aus München, die Band bringt alles mit an gesanglichen und spielerischen Fertigkeiten, um ein ordentliches Fass an geerdetem und schnörkellosem Southern-, Blues-, Pub- und Siebziger-Rock aufzumachen, mit Aurelia Lovewash und dem Bassisten Screamin McLovewash – a happy family, wie Joey, Johnny, Dee Dee & Co ;-))) – verfügt die Combo über zwei versierte Stimmen zur abwechslungsreichen Gestaltung des Vokal-Spektrums, der unverstellte, direkt zum Punkt kommende Sound der Combo verstand die frühen Gäste großteils zu überzeugen und erinnerte in seinen besten Momenten an die beherzte Intensiv-Beschallung der seinerzeit viel zu wenig gewürdigten US-Desert-Rocker von Thin White Rope, die stimmliche Verwandtschaft des singend-röhrenden Bassiten zu Guy Kyser mochte hier das Übrige dazutun.
(****)

The Vagoos sind alte Raut-Oak-Bekannte, beim letztjährigen Riegsee-Open-Air wussten sie bereits bei ihrem Eröffnungs-Gig mit Punk-lastigem Uptempo-Blues und wiederholten Ausflügen in den Desert-Rock zu überzeugen, die Anklänge an den Prärie-Sound amerikanischer Prägung scheinen noch immer durch, ansonsten hat sich die Band seit letztem Sommer in der Live-Präsentation prächtig weiterentwickelt in Richtung psychedelisch angehauchter, trashiger Sixties-Garagen-Rock, die großen Posen der Stars hat die Combo aus dem oberbayerischen Rosenheim eh drauf und somit sollte bei der demnächst anstehenden Tour durch halb Europa eigentlich nichts anbrennen in Punkto begeisternder, vehement-roher Garagen-Punk-Rhythm-and-Blues-Beschallung, das narkotisierte Tanzvolk vom Freitag darf sich schon jetzt auf den geplanten Auftritt beim diesjährigen Raut-Oak Outdoor freuen…
(**** ½)

Den Saal endgültig zum Kochen brachte als Headliner in the midnight hour wie nicht anders erwartet The Good Reverend James Leg, mit neuem und sehr versiertem Drummer aus dem Elsass unterstrich der Prediger-Sohn aus Texas einmal mehr seinen unangefochtenen Ausnahmestatus in der Welt des Underground-Blues, mit „October 3rd“ gab’s am Anfang noch eine für seine Verhältnisse getragen-relaxte Nummer, ab dann brachen bei Leg alle Dämme hinsichtlich intensivstem Orgel-Wahnsinn, der Mann holte aus seinem Bass-Key und seinem Fender-Rhodes-Spiel für eine gute Stunde alles heraus an bezwingendem Heavy-Blues-Rausch, schwer psychedelischem Krautrock-Drone und beschwörendem Kirchenorgel-Gospel, im heulend-röhrenden Gesang schwingt mehr als nur ein Hauch Kilmister mit, mittels einer überbordend-charismatischen Bühnen-Präsenz und in einem wie von Dämonen geschüttelten physischen Hineinsteigern in die eigene Kunst vorgetragen, wie es in der Vehemenz kaum Vergleichbares zu finden gibt in der weiten und wundersamen Welt der Rockmusik.
Alleine die Zugabe des Konzerts, der von Leg bearbeitete Cure-Klassiker „A Forest“, gehört in dieser an dunkler Eindringlichkeit und finster-wuchtiger Heftigkeit kaum zu überbietenden Interpretation mit zum Besten, was derzeit im Bereich des Heavy-Blues auf einer Bühne geboten wird.
Intention des Anfixens mehr als erfüllt, Vorfreude pur auf den kommenden Juli…
(***** ½)

Der großartige James Leg und The Vagoos werden auch beim diesjährigen Raut-Oak Fest am Riegsee auftreten, von 21. – 23. Juli, vor herrlichstem Alpen-Panorama auf dem schönsten Open-Air-Gelände der Welt, zusammen mit weiteren herausragenden Vertretern des Trash-, Desert- und Hard-Blues-Fachs wie den wunderbaren catl. aus Kanada, the beloved Reverend Deadeye, dem erst vor kurzem sehr genossenen Brother Grimm aus Berlin, den unvergleichlichen Trailer-Park-Hardcore-Bluesern von Left Lane Cruiser oder den Black Eyed Snakes um den Low-Sänger/Gitarristen Alan Sparhawk.

Eine weitere Veranstaltung im Rahmen von Raut-Oak Indoor ist im Mai in der Asta-Kneipe in Rosenheim mit den beiden entzückenden Ladies von The Pack A.D. geplant, Näheres hierzu demnächst in diesem Theater…

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