Soul Family Tree (14): Aretha Franklin, Chaka Khan, Nancy Wilson, John Lee Hooker, Billie Holiday, Jimmy Cliff

Black Friday mit einem weiteren Gastbeitrag vom Hamburger Freiraum-Blogger Stefan Haase, here we go:

Heute ist Ladies Day mit den März-Geburtstagskindern Aretha Franklin und Chaka Khan und der großartigen Nancy Wilson, die im Februar Geburtstag hatte. Dann gibt es den dritten und letzten Teil mit „Hymnen der Bürgerrechtsbewegung“ mit John Lee Hooker, Jimmy Cliff und Billie Holiday. Es wird eine musikalische Reise in die Vergangenheit, u.a. in die der 1960/70er Jahre.

„Trouble in mind, I’m blue
But I won’t be blue always
Cause I know the sun’s gonna shine in my back door someday…“

Was ist Soul? Aretha Franklin, die vor wenigen Tagen, ihren 75. Geburtstag feiern konnte, wusste darauf eine einfache wie verständliche Antwort. Man muss kein Afroamerikaner sein, um Soul zu haben. Was man aber braucht, ist Kreativität, Leidenschaft, Lebendigkeit und Ehrlichkeit. Aretha Franklin wuchs quasi in der Kirche auf und wollte eigentlich Gospel singen. Mit 18 Jahren ging sie nach New York und unterschrieb bei Columbia Records ihren ersten Plattenvertrag. In den 1960er Jahren nahm sie verschiedenste Platten auf und spielte mit den Stilrichtungen Blues, Jazz, Pop, Balladen. Erst nachdem sie 1966 zu Atlantic Records wechselte, stellte sich auch der kommerzielle Erfolg ein. Sie präsentierte sich in den späten 1960er Jahren als stolze Afroamerikanerin. Aus ihren Zeit bei Columbia habe ich einen Bluessong ausgesucht. Man beachte besonders, wie sie den Klassiker „Trouble In Mind“ aus der Feder vom Jazz- Pianisten Richard M. Jones interpretiert. Die Beschreibung „Live“ ist missverständlich. Zwar wurde die Aufnahme unter Live-Bedingungen im Studio aufgenommen, doch ohne Zuschauer. Die einzigen, die dabei applaudierten, waren die Mitarbeiter der Plattenfirma. Aus dem Album „Yeah!!!“ aus dem Jahre 1965 kommt nun die Queen of Soul Aretha Franklin.

„If you’re down and confused
And you don’t remember who you’re talking to
Concentration slips away
Because your baby is so far away…“

Kommen wir von der Queen of Soul zur Queen of Funk, wie Chaka Khan gern genannt wird. Ihre Karriere begann in den frühen 1970er Jahren als Sängerin der Funk-Band Rufus. Mit Rufus hatte Chaka Khan einige Hits. Und mit dem größten Hit aus 1983 „Ain´t Nobody“ beendete sie auch die Zusammenarbeit und startete als Solokünstlerin. Ihr Repertoire geht sehr tief. Sie hat mit Jazz-Größen wie Herbie Hancock und Miles Davis zusammen gespielt und von Disco, Soul bis Funk alle Stile erfolgreich bedient. Den meisten ist sie mit „I Feel For You“ bekannt. Übrigens ein Lied, welches ihr Prince geschrieben hatte. Ausgesucht habe ich ein Stück aus der Zeit mit der Funk-Band Rufus, den Song „Love The One You´re With“, geschrieben von Stephen Stills. Der Song beginnt ruhig mit einem Piano. Aber dann… und ab Minute 3:30 ändert sich wieder das Tempo. Ladies and Gentleman. Hier kommt die Queen of Funk Chaka Khan. Welch eine kraftvolle Stimme.

„It was the third of June, another sleepy, dusty Delta day
I was out choppin‘ cotton and my brother was balin‘ hay
And at dinner time we stopped and walked back to the house to eat
And Mama hollered out the back door, „Y‘ all remember to wipe your feet.“

Nancy Wilson hatte im Februar Geburtstag und gilt zurecht als seine der großen Jazz-Sängerinnen des 20. Jahrhunderts. Doch ihr Repertoire ging weiter, als nur Jazz zu singen. Sie sang und nahm ebenso Blues-, Soul- und Disco-Alben auf. Hier zu hören mit einem Cover von Bobby Gentrys „Ode To Billie Joe“, arrangiert von Oliver Nelson. Ein Song, der dank des wunderbaren Arrangements auf dem Album „Welcome To My
Love
“ so zeitlos daher kommt.

Hymnen der Bürgerrechtsbewegung – Teil 3

„I don’t know what the trouble is
I can’t stay around to find it out
I don’t know, I don’t know
What the trouble is, this mo’nin’…“

Blues Musiker waren keine Unbekannten, wenn es um Diskriminierung ging. Einer der ersten, der die Verhältnisse und Rassenunterdrückung anprangerte, war Lead Belly 1938 mit seinem Lied „Bourgeois Blues“. Der Sommer 1967 in Detroit erlebte mit die brutalsten Unruhen in den USA. Dutzende Menschen starben dabei und Tausende wurden verletzt und verhaftet. John Lee Hooker beschreibt die dunklen 5 Tage, als Detroit brannte.

“Southern trees bear a strange fruit
Blood on the leaves and blood at the root
Black bodies swinging in the southern breeze
Strange fruit hanging from the poplar trees…”

Es gibt Lieder, die überdauern Generationen, weil sie ein Monument sind. “Strange Fruit” ist so ein Lied. Wie ein Testament, Mahnung und Herausforderung gleichsam. Im Jahre 1936 war ein Lehrer so geschockt von einer Fotografie, die zwei Menschen zeigte, die am Galgen hingen, dass er aufgewühlt darüber ein Gedicht mit dem Titel “Strange Fruit” schrieb. Er sprach Billie Holiday an, ob sie sein Gedicht nicht vertonen möchte. Ihre damalige Plattenfirma verweigerte die Aufnahme. Für eine andere kleine Plattenfirma nahm sie dennoch das Gedicht als ihr Lied auf ,und es wurde der vielleicht erste und nachhaltigste Protestsong seiner Zeit. “Strange Fruit” ist eine Metapher und Ausdruck für die damaligen Lynchmorde.

„Vietnam, Vietnam, Vietnam, Vietnam
Vietnam, Vietnam, Vietnam
What I’m saying now somebody stop that war…“

Als letztes Lied in dieser Reihe habe ich „Vietnam“ von Jimmy Cliff aus dem Jahr 1970 ausgesucht. Dieses Lied ist so simpel wie direkt und klar in der Aussage. Auch viele Afroamerikaner wurden nach Vietnam geschickt und allein gelassen. Nicht nur Martin Luther King, auch Muhammad Ali verweigerten sich gegen den Vietnam-Krieg. Für Jamaikas Künstler wie u.a. Bob Marley oder Peter Tosh waren diese unruhigen Jahre eine künstlerische wie fruchtbare Basis, klare Statements zu setzen. Jimmy Cliffs Hymne ist einer der besten Protestsongs aller Zeit. Ein Lied, dessen Echo nie verklingen wird, weil die Geschichte immer weiter getragen wird.

Bis zum nächsten Mal.

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum

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