Reingehört (309): Sun Kil Moon & Jesu, Oceans Are Zeroes

Sun Kil Moon & Jesu – 30 Seconds To The Decline Of Planet Earth (2017, Caldo Verde)

Mark Kozelek und Justin Broadrick haben mit ihrem selbstbetitelten Kollaborations-Debüt im vergangenen Jahr eine bezwingende Arbeit aus Post-Metal, Drone-Ambient-Experiment und großer Songwriter-/Free-Folk-Kunst abgeliefert, die in ihrer ausladenden Epik und ihrer tonalen Wucht von nahezu zeitloser Erhabenheit ist, wer ein ähnlich profundes, spannungsgeladenes Meisterwerk in der Wiederholung der Zusammenarbeit des amerikanischen Sun-Kil-Moon-Kopfes und seines britischen Drone-Metal-Sparringspartners erwartet, muss mit einer herben Enttäuschung rechnen. Kozelek zelebriert im Verbund mit Broadrick im Wesentlichen eine Neuauflage sein jüngsten Werks „Common As Light And Love Are Red Valleys Of Blood“: Wie dort bereits geradezu austauschbar vor ein paar Monaten zum Besten gegeben, schwadroniert der kalifornische Songwriter in einer zwischen Abgeklärtheit, Nonchalance und Lamentieren wandelnden Tonlage seine in die Länge gezogenen Endlos-Geschichten über Michael Jackson, Muhammad Ali, die skurrilen Momente des Tour-Lebens und allem möglichem anderem Erwähnenswertem und Belanglosem, was ihm an Gedanken durch den Kopf schießt, getragen von einer Mixtur aus Trip Hop, Ambient, Electronica-Indie, frei fließendem Akustik-Folk und rhythmisch pochendem Trance-Flow, auch diese musikalischen Beigaben erscheinen vertraut vom letzten SKM-Doppel-Album. Einmal in der Machart reicht eigentlich, „Bis repetita non placent“, wie der Lateiner so schön sagt…
(*** ½)

Oceans Are Zeroes – Oceans Are Zeroes (2017, Oceans Are Zeroes)

Junges Quintett aus Boise/Idaho, dass in seinem euphorischen, überbordenden und schwer melodischen Postrock-Ansatz eine gehörige Portion an emotionalen Ausbrüchen und hymnisch-luftigem Gesang zwischen Klagen und Frohlocken dazupackt, die Band jongliert mit dem Genesis-Prog-Rock der Peter-Gabriel-Phase, neoklassizistischen Einschüben und der berauschenden, cineastischen Breitband-Soundwand, wie sie exemplarisch der Mogwai- und Mono-Hörerschaft bestens vertraut ist. Die Mannen um Band-Vorsteher Joseph Lyles halten ab und an einige Elemente zuviel in der Luft, eine klarer konzipierte Marschrichtung und stringenteres stilistisches Abgrenzen hätte dem Debüt-Werk gut zu Gesicht gestanden, trotzdem: brauchbare Ansätze sind zuhauf vorhanden, da könnte was ranwachsen, was aktuell noch nicht in Formvollendung gelungen ist, kann noch werden.
(****)

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