frameless12: Martin Messier, Lau Nau, Liam Young @ Einstein Kultur, München, 2017-05-05

Die Münchner frameless-Reihe zur experimentellen Musik im digitalen Zeitalter bot bei der Veranstaltung Nummer 12 am vergangenen Freitag im Gewölbe des Einstein Kultur ein kontrastreiches Programm.
Die Kuratoren Karin Zwack und Dr. Daniel Bürkner präsentierten zusammen mit dem fördernden Kulturreferat der Landeshauptstadt München und dem curt-Magazin den kanadischen Ars-Electronica-Preisträger Martin Messier, experimentellen Folk der Finnin Laura Naukkarinen und den kurzen Spielfilm „In The Robot Skies: A Drone Love Story“ des britischen Regisseurs Liam Young aus dem Jahr 2016.

Martin Messier aus Montreal eröffnete den Reigen mit einer faszinierenden Aufführung, in der er sich die Gesetze der Physik zur Erzeugung von schweren Elektro-Drone-Klängen zunutze machte. Seine gesampelten, abstrakten Ambient-Entwürfe und schweren Industrial-Beats bereicherte er im wahrsten Sinne des Wortes spannungsgeladen mit dem Erzeugen von Signalen aus elektromagnetischen Feldern. Messier verkabelte bei zwei korrespondierenden Schaltflächen die Ein- und Ausgänge und erzeugte damit zwischen den Polen dieser Hochspannungsanlage beeindruckende Blitzlicht-Effekte und explodierende Störgeräusche, optisch-akustische Entladungen und Ausbrüche, die in deren Hochzeit jeder Einstürzende-Neubauten-Performance zur Ehre gereicht hätten.
Gepaart mit dem Pochen aus fernen Throbbing-Gristle-Tagen, einem sicher nicht ungefährlichen Stromschlag, den der Künstler ungewollt im Rahmen seiner vitalen Aufführung abbekam, und dem finalen Bearbeiten der Strom-durchfluteten Drähte mit einem Geigenbogen zur Erzeugung schneidender Akustik-Attacken formte sich die Aufführung zu einer überwältigenden, kunstvoll-radikalen Gewitter-Entladung.
(*****)

Seelen- und Gehörgang-Massage zum Entspannen offerierte im zweiten Konzert des Abends als konträres Programm zum Magnetfeld-Spektakel die finnische Musikerin Laura Naukkarinen aka Lau Nau. Ihr kurzes Solo-Konzert eröffnete und beschloss die hochsympathische Frau aus Helsinki mit reduziert-minimalistischen Keyboard-Loops, Gesang-Samplings und engelsgleichem, faszinierendem Vokalvortrag. Zwischen den beiden Experimental-Pop-Perlen erging sich Lau Nau Gitarren-begleitet in entschleunigtem, melancholischen Psychedelic-Free-Folk und Slowcore-Songwriting, den Gleichklang der spartanischen Kleinode durchbrach sie sporadisch und dezent unter Verwendung von unkonventionellen Gerätschaften wie einer Mundharmonika und blinkendem Kleinkinder-Spielzeug zum Slide-Gitarrenspiel – ein kontemplativer Vortrag im Spannungsfeld zwischen finnischer Volksmusik, Experimental-Folk und luftigem, entrücktem Avantgarde-Elektronik-Pop im Geiste von Laurie Anderson und Julee Cruise.
(**** ½)

Mit dem 10-minütigen Kurzfilm „In The Robot Skies“ des britischen Regisseurs und Architekten Liam Young zeigten die frameless-Veranstalter im Nebenraum des Konzert-Gewölbes den ersten Spielfilm, der komplett mit automatisierten Drohnen gedreht wurde. Die Arbeit thematisiert eine Liebesgeschichte und setzt sich mit der Rolle der Drohne als Transport- und Überwachungsmittel und ihrer Einsatzmöglichkeit im subkulturellen Kontext und in der Hacker-Szene auseinander.

Bereits am kommenden Donnerstag, den 11. Mai, geht die frameless-Reihe mit hochkarätiger Besetzung in die nächste Runde, die Chicagoer Postrock-Legenden Sam Prekop (The Sea And Cake) und sein Bandkollege und Tortoise-Musiker John McEntire sowie der in diesem Rahmen wohlbekannte Stefan Schneider (ex-Kreidler, ex-To Rococo Rot) werden auftreten, Schneider spielte zuletzt im März 2016 zusammen mit Sven Kacirek im Rahmen des frameworks-Festivals im Einstein Kultur. Daneben wird eine experimentelle Filmarbeit der britisch-nigerianischen Künstlerin Karimah Ashadu gezeigt. frameless13: Einstein Kultur, Einsteinstraße 42, 20.00 Uhr, der Eintritt ist wie immer frei.

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