Reingehört (318): Sonic Jesus, Flowers Must Die, The Inward Circles

Sonic Jesus – Grace (2017, Fuzz Club Records)

Post-Punk-Projekt des italienischen Multiinstrumentalisten Tiziano Veronese, das im Retro-Sumpf irgendwo auf halbem Weg zwischen Joy-Division-, Editors- und Human-League-Reminiszenzen im Gleichklang-Treibsand zu versinken droht, Rettung und Anker bieten vor allem der over the top gelungene Opener „I’m In Grace“ im Gewand einer hymnischen Dark-Wave-Ballade und das aus der tonalen Monotonie und latenten Belanglosigkeit herausragende Zwischenhoch „September 9th“, der überwiegende Rest taumelt zwischen hypnotischem Industrial-Noise, dunkler Psychedelic und schöner Melodik, welche der Indie-Kaschemmen-gestählten Konsumentenschar aus den musikalischen Gattungen des Schuhe-Glotzens und der Neuen-Welle-Düster-Dramatik vergangener Jahrzehnte hinlänglich bekannt sein dürften.
(*** ½ – ****)

Flowers Must Die – Kompost (2017, Rocket Recordings)

Psychedelic-Space-Out und inspiriertes Abhotten mit sechs munteren MusikantInnen aus Linköping/Schweden. Schweres, hart rockendes, treibendes Endlos-Instrumental-Mantra zum Abdriften ins Klangfarben-Nirvana, exzellenter, stoischer Kraut-Flow, der jeweils mit den Gesangspassagen von Lisa Ekelund im Stil von 70er-Jahre-Soul-Hits urplötzlich in Tanzboden-tauglichen, wuchtigen P-Funk-Groove umschwenkt, da wird Grenzen-öffnend an einer Prog-Disco gezimmert, in der sich eine Freak-Out-Ausgabe von Donna Summer mit den Nachfahren von Iron Butterfly und Hawkwind zum gepflegten Zappeln trifft, und das gelingt trotz kurz aufflackerndem Befremden beim sporadischen Auftauchen aus dem gedehnten Acid-Rock-Ausbruch auch ausnehmend gut.
(**** ½ – *****)

The Inward Circles – And Right Lines Limit And Close All Bodies (2017, Corbel Stone Press)

Der Schotte Richard Skelton entwickelt mithilfe abstrakter, nahezu statischer Ambient-Drones und unterschwelliger, feinst ziselierter Minimal-Taktgebung einen unausweichlichen, faszinierenden Sog, mehr hypnotische Gefangennahme mittels monoton-reduzierter Klangsprache ist schwer vorstellbar. Düstere Synthesizer-Ton-Skelette, Samples und transformierte Sound-Effekte, die Verwendung und Bearbeitung diverser Saiten-Instrumente im völlig entschleunigten Dark-/Neo-Folk-Ansatz und Industrial-Trance mit Hang zum weißen Rauschen in Anlehnung an die nordenglischen Experimental-Pioniere von Throbbing Gristle und ihre ersten, jegliche Struktur vermissen lassenden Klangwellen in den Siebzigern fügen sich zu einem latent verstörenden wie faszinierenden Klangbild, bei dem sich die geneigte Hörerschaft vor allem wundert, dass sie diese im Kern atonalen, archaisch anmutenden Soundlandschaften nach kurzer Zeit nicht mehr verlassen will.
(**** ½)

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