Reingehört (319): Bill Frisell & Thomas Morgan

Bill Frisell & Thomas Morgan – Small Town (2017, ECM)

Über den Ausnahme-Gitarristen Bill Frisell groß Geschichten zu erzählen, hieße beim kundigen Musikkonsumenten-Volk die sprichwörtlichen Eulen nach Athen tragen, der Mann aus Baltimore hat mit seiner ausgewiesenen Saiten-Kunst stets eine mehr als nur gute Figur abgegeben, ob im Verbund mit John Zorn und dessen diversen Projekten, als Studiomusiker bei Lucinda Williams und vielen anderen Größen aus dem Country- Blues-, Jazz- und Experimental-Bereich, in Zusammenarbeit mit Elvis Costello oder auf seinen zahlreichen, exzellenten Solo-Arbeiten, so auch hier im Verbund mit dem jungen kalifornischen Bassisten Thomas Morgan, der den Großmeister der Gitarre auf diesen im ehrwürdigen New Yorker Village Vanguard entstandenen Live-Aufnahmen mit seinem dezent-filigranen, virtuosen Spiel am Kontrabass kongenial begleitet.
In der Eröffnungsnummer „It Should’ve Happened A Long Time Ago“ zollt Frisell seinem langjährigen musikalischen Weggefährten Paul Motian in einer 11-minütigen Version der Komposition des 2011 verstorbenen Jazz-Drummers Tribut, eine freie Psychedelic-Interpretation im Geiste der improvisierten Space-Ausflüge der Grateful Dead in ihrem ellenlangen Live-Klassiker „Dark Star“.
Herzstücke des Albums sind die instrumentale Country-Swing-Adaption des Carter-Family-Klassikers „Wildwood Flower“ und die Titelnummer, die wohl schönste Arbeit des Albums, eine großartige, erhabene Instrumental-Ballade, filigran und ergreifend im Vortrag.
Daneben findet sich eine Auswahl an Perlen im gängigen Frisell-Stil, meisterhaft reduzierte Werke im Grenzbereich zwischen Gitarren-Swing, Jazz im freien Flow und dezenten Blues-Anklängen.
Als Rausschmeißer dieser exzellenten Duo-Einspielung präsentieren Frisell und Morgan eine eigenwillige, anspruchsvolle Bearbeitung der Titelnummer aus dem Soundtrack zum Bond-007-Agententhriller „Goldfinger“.
Feinste Instrumental-Ware in optimaler Aufnahme- und Produktions-Qualität, wie aus dem Hause ECM nicht anders zu erwarten. Wer eine schlechte Bill-Frisell-Platte kennt, trete jetzt vor oder schweige für immer.
(*****)

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