Reingehört (330): Tonstartssbandht, Eola

Tonstartssbandht – Sorcerer (2017, Kemado Records / Mexican Summer)

Sprich „(TAHN-starts-bandit)“: Die Brüder Andy und Edwin White haben neben diversen Solo- und anderweitigen Engagements Zeit für ein neues Tonstartssbandht-Album gefunden, in drei überlangen Titeln zwischen neuneinhalb und dreizehn Minuten entfaltet das Brüderpaar aus Florida unter dem gemeinsamen Zungenbrecher-Bandnamen ihre grundlegend im Indierock verankerte Psychedelic-, Space- und Krautrock-Spielart, in Jam-/Improvisations-artiger Ausdehnung bewegt sich das Duo versiert und inspiriert im Tempo- und Melodien-Wechsel zwischen luftiger, Flaming-Lips-verwandter Leichtigkeit, charmanter LoFi-Entspannung, unterschwelligem Digital-Sampling, dezentem Electronica-Gefrickel und nicht zuletzt allgegenwärtigem Cosmic-American-Music-Free-Flow-Ansatz, der jedem Deadhead im Gedenken an latent düstere „Dark Star“-Gitarren-Spacejazz-Drones die Tränen der Glückseligkeit in die Augen treibt.
Fundierte Arbeit nach nahezu zehn Jahren gemeinsamen Experimentierens und Mitmischens in der Montreal- bzw. Brooklyn-Indie-Szene, in der sich die Band nicht auf ein vorgegebenes Genre oder eine Grundstimmung festlegen lässt – eine Wundertüte an Ideen, die in opulentem Rahmen eindrücklich verdeutlicht, dass Indierock auch Space, Kraut und Trip kann, ohne dabei die zahlreichen Siebziger-Reminiszenzen über Gebühr auszureizen. Pitchfork merkt hierzu durchaus treffend an: „It´s the sound of Guided by Voices swapping out their arena rock fantasies of being in the Who for being a member of Amon Düül´s Munich commune instead“.
(**** ½ – *****)

Tonstartssbandht live @ nyctaper.com + Bandcamp

Eola – Dang (2016, Leaving Records)

Tonstartssbandht-Drummer Edwin Mathis White hat bereits im vergangenen Herbst mit seinem Solo-Projekt Eola das Album „Dang“ veröffentlicht, zum Lobpreisen des Herrn beeindruckt er auch hier im Geiste des freien Psychedelic-Flows mit seinen artifiziellen, Bibellektüre-geprägten Spirituals, White legt Kanon-artig gesampelte Gesangs-Loops übereinander und zelebriert so eine schwer groovende, trotz technischer Nachbehandlung immer noch weitgehend organisch erscheinende, repetitive Gospel-Messe.
Neben unaufdringlicher Electronica schwingt in dieser Vokal-dominierten Trance-Kontemplation eine geballte Ladung Sixties-Psychedelic-Pop mit, in überbordender Kreativität zitiert White Elemente aus Doo Wop, Surf Sound, R&B und Soul und vermengt so auf höchst anregende Weise zu einem beschwingten Trance-Gebräu.
Auf Basis seiner enthusiastischen Gesangsparts als Kern und Zentrum der neun Neo-Hymnen lässt White genügend Raum für Hall, geisterhafte Drones, obskure LoFi-Weirdness, intensive Vocoder-Effekte, und bleibt so in experimentell-psychedelischer Manier im Geiste dem mit Bruder Andy entwickelten, mäandernden Tonstartssbandht-Ansatz verbunden, wenn auch in einer deutlich anderen Herangehensweise und Ausprägung.
Unbändig-spontane Gefühlsausbrüche, auch in der virtuellen Sampling-Kirche, irgendwo zwischen Sam Cooke und Laurie Anderson. Oder so ähnlich. Reinhören und den heiligen Geist empfangen. Amen.
(*****)

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