The Black Dahlia Murder + Pighead @ Kranhalle, München, 2017-07-03

Massiver Voll-auf-die-Ohren-Doppelpack zum Wochenauftakt in der Münchner Kranhalle: Am vergangenen Montag gaben sich zwei Vertreter der härteren Gangart im Feierwerk-Areal die Ehre, ohne großes Warten und Vorabgeplänkel ging es direktemang zur angekündigten Anstoß-Zeit in die Vollen mit der Berliner Combo Pighead, die tonale (?) Kunst des Quartetts nennt sich „Brutal Death Metal“, vielleicht am ehesten als Crossover aus dem Surf-Trash der Suicidal Tendencies mit beinhartem Hardcore-Punk und dem brachialen Grindcore-/Death-Metal-Zeug der frühen Earache-Records-Bands zu skizzieren, mit durchgehend gutturalem Gröhl-Gesang begleitet vom durchtätowierten, durchtrainierten Frontmann Phil, der formvollendet als geborene Rampensau den Metal-Henry-Rollins gab – strammer, energiegeladener Auftritt, als Abend-Eröffner für eine halbe Stunde von hohem Unterhaltungswert und somit durchaus ansprechend.
Wie heißt es in der Fisherman´s-Friend-Werbung so schön: „Sind sie zu stark, bist Du zu schwach!“. In diesem Sinne…
(****)

Der bis heute ungeklärte Mord an der 22-jährigen Amerikanerin Elizabeth Short im Jahr 1947 in Los Angeles ist als „Black Dahlia Murder“ in die US-Kriminal-Historie eingegangen, Hardboiled-Gigant James Ellroy hat später einen seiner wuchtigsten Romane über den Fall als Auftakt seiner grandiosen L.A.-Quartet-Serie geschrieben. 2001 haben sich fünf junge Brüller in Waterford/Michigan zusammengetan, um unter diesem Namen eine Metal-Combo zu gründen, die Band hat mittlerweile sieben Studioalben veröffentlicht und zahlreiche personelle Umbesetzungen hinter sich, von der Stammformation sind nach wie vor der gewichtige Frontmann Trevor Strnad und Rhythmus-Gitarrist Brian Eschbach am Start, und die haben im Verbund mit den drei neuen Mitmusikanten im Hauptteil des Doppelpacks über gute 75 Minuten einen heftigen Orkan ihrer als „Melodic Death Metal“ bezeichneten Krach-Offensive über die Kranhalle hereinbrechen lassen. Der „Gesang“ Strands mag in den höheren Tonlagen ab und an nicht nur durch Mark und Bein, mitunter auch gehörig auf den Zeiger gehen, dem Wechsel in die kehligen Growls wohnte etwas Erlösendes inne, das „Melodic“ im Tempo-gesteigerten Death Metal der Amis sucht man in den meisten Passagen auch vergeblich, anyway, für altgediente Carcass-, Hardcore- und Speedpunk-Freunde war’s nichtsdestotrotz eine spaßige Sause zum Durchpusten der Gehörgänge, für den Metal-Nachwuchs ohnehin, inklusive großartiger Publikumsbeteiligung am Entertainment durch ausgiebiges Headbanging, Stagediving, Mosh-Pit-Slaming und Konzertbesucher-über-Kopf-durch-die-Halle-weiterreichen. Der Saal hat gekocht, gleichsam vor Energie geborsten, vom Startpunkt weg, strahlende Metaller-Augen und beseeltes Grinsen allerorten, insofern können The Black Dahlia Murder bei ihrem jüngsten München-Gig nichts Grundlegendes verkehrt gemacht haben. Und im Vergleich zu den experimentellen Spielarten des Metal-Genres, wie sie etwa von Bands wie Sumac oder Sunn O))) aktuell dargereicht werden, ist es letztendlich sowieso leicht zu konsumierender Pop… ;-)))
(**** – **** ½)

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