Reingehört (398): Hayden Pedigo

„Amarillo is one of the strangest cities on the face of the earth and one of the flattest places you will probably ever find. I remember hearing Terry Allen’s song “Amarillo Highway” as a teenager and laughing at how well it described this place.“
(Hayden Pedigo)

Hayden Pedigo – Greetings From Amarillo (2017, Driftless Recordings)

Hayden Perdigo ist nach eigenen Worten als Sohn eines Baptisten-Predigers in der texanischen Prärie „in the middle of nowhere“ aufgewachsen, dort, wo sich Präriehund und Klapperschlange eine gute Nacht wünschen und nach Sonnenuntergang nicht mal hochklappbare Bürgersteige zur Untermalung der Tristesse verfügbar sind, blieb dem jungen Mann zwecks selbstbespaßendem Entertainment nicht viel anderes als Platten-Hören und Gitarren-Üben, das war im Fall von Hayden Perdigo gewiss nicht der schlechteste Zeitvertreib, im zarten Alter von 14 ist er dann auch noch über John Fahey, den Fingerpicking-Virtuosen und Begründer des minimalistischen „American Primitive Guitar“-Stils gestolpert, ein prägendes Hörerlebnis, dass ihn neben schwerem Beeindrucktsein weiter führte zu Virtuosen des Genres wie den großartigen Robbie Basho und in die wundersame Welt des experimentellen Krautrock.
Unüberhörbar ist diesen Einflüssen auf „Greetings From Amarillo“ nachzuspüren, dem im Sommer erschienenen aktuellen Album des 12-String-Gitarren-Könners, das die karge Schönheit der texanischen Landschaft einfängt in klar strukturierten, filigran vorgetragenen und völlig entschleunigten, instrumental-solistischen Akustik-Saiten-Meditationen im freien Americana-Fluss, dominiert von simpler wie einnehmender Melodik und entspannten Anlehnungen an gefällige Indie-Rock-/Folk-Phrasierungen, die in der Form auch Musiker-Kollegen wie Steve Gunn oder Chris Forsyth zur Ehre gereicht hätten, ergänzt durch abstrakte New-Age-Drones und kosmisch-krautige Ambient-Electronica aus der Synthie-Bastelstube.
Mit 23 Lenzen ist Hayden Perdigo auch hinsichtlich handwerklichem Können beim Musizieren bereits in Sphären unterwegs, von denen manch altgediente Kämpen nur träumen können. Respekt. Auch dafür, dass er für sein 2014er-Album „Five Steps“ ausgewiesene Experimental-Könner wie Charles Hayward, Fred Frith und Chuck Johnson zur Unterstützung gewinnen konnte.
Füße hochlegen, der akustischen Postkarte „Greetings From Amarillo“ lauschen, den vorweihnachtlichen Overkill den anderen überlassen – könnte helfen…
(*****)

2 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar (Hinweise zur Prüfung von Spam-Kommentaren und Speicherung der IP-Adresse: siehe Datenschutzerklärung)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.