Reingehört (406): Aidan Baker & Karen Willems

Aidan Baker & Karen Willems – Nonland (2017, Gizeh Records)

Gedeihliche Zusammenarbeit von beiderseits auch anderweitig vielbeschäftigten Klang-Forschern: Die Perkussionistin Karen Willems aus dem belgisch-flandrischen Maldegem hat sich in den letzten Jahren auf Solo-Pfaden, beim Trio Inwolves und bei geistesverwandten Landsmännern aus dem Experimental-/Postrock-Umfeld wie Dirk Serries oder Bart Desmet und seiner Band Barst getummelt, der Kanadier und Wahl-Berliner Aidan Baker ist auf unzähligen Tonträgern mit eigenem Namen und unter anderem beim Drone-Metal-Duo Nadja, in Gemeinschaftsprojekten mit thisquitarmy, Tim Hecker und Noveller zu finden.
Konzertant wusste die Kollaboration der beiden eigenwilligen wie rührigen Musikanten bereits beim letztjährigen dunk!Festival zu überzeugen, auf dem im vergangenen Sommer veröffentlichten Album „Nonland“ tut sie das nicht minder.
In sechs gestreckten Arbeiten erforscht das Duo die Möglichkeiten der freien Improvisation in experimentellen Klangwelten, in denen eine artenreiche Pflanzenwelt aus mäanderndem Minimal-Ambient-Flow, abstrakten Drones, Post- und Space-Rock-artigem Geflecht gedeiht, eine tonale Ausdehnung, die die Grenzen herkömmlicher Tondichtungen weit hinter sich lässt. Aidan Baker kommt die Aufgabe zu, mit dezent angeschlagenen Gitarren-Tupfern Tempo, Richtung und – soweit überhaupt gewollt und möglich – Form zu geben, durch meditative Loops und einhergehende minutenlange, Trance-artige, monotone Wiederholung finden Titel wie „Like A Soft Rain Coming“ ihre entsprechende, gelungene klangliche Umsetzung, während Karen Willems mit ihrem freien Perkussiv-Spiel fernab gängiger Pfade bereichernd alles Mögliche an rhythmischer und atonal pochender Ausdrucksform sucht und einbringt, nur nicht die hergebrachten Beats jeglicher Prägung.
Der Experimental-Sound von Willems und Baker hat auf diesem Album nichts Aggressives, Forderndes, Brachiales, auch im entspannten Zusammenspiel miteinander ringt keiner der beiden um instrumentale Vorherrschaft. Trotz sanftem Grundton kein Easy Listening, die volle Aufmerksamkeit der Hörerschaft ist geboten, um dem Reichtum und der sich nicht vordergründig offenbarenden Klang-Vielfalt der Aufnahmen gewahr zu werden.
(**** ½)

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