Reingehört (410): Psychic Lemon

Psychic Lemon – Frequency Rhythm Distortion Delay (2018, Tonzonen Records)

Seit vergangenem Freitag am Marktstand des Schallfolien-Händlers Ihres Vertrauens zu erwerben: Das zweite Album der Prog-Rock-Band Psychic Lemon aus der englischen Universitätsstadt Cambridge. Die Musiker haben bereits mit geistesverwandten Kollegen wie Kikagaku Moyo 幾何学模様 und Flowers Must Die getourt und geben ihre Einflüsse selbst mit Progressive-Granden wie Can, Hawkwind, Amon Düül II, dem ehemals in der Nachbarschaft ansässigen Pink-Floyd-Kreativkopf Syd Barrett und der schwedischen Experimental-Fusion-Combo Goat an, weiß Gott nicht die schlechtesten Vorbilder für die Ausgestaltung der eigenen Tonkunst, und damit befindet man sich mental auch schon im Shuttle-Bus zur Abschussrampe in Richtung Outer Space, mit Lichtgeschwindigkeit katapultiert das Trio die fünf ausladenden, schwergewichtigen Psychedelic-Symphonien in den Orbit, hinsichtlich Tempo, Intensität und einen durch minutenlang mäandernde Repetition der Rhythmik und Melodik auf den Weg gebrachten hypnotischen Flow macht das Trio vom Start weg keine Abstriche, im energetischen Sternen-Wandern und fantasievollen Klangforschen werden die Planeten Space-, Kraut-, Progressive- und Post-Rock eingehend erkundet und erschöpfend ausgeleuchtet.
Modernes aus dem Bereich Industrial schwingt im Beat mit wie an Vorzeiten erinnernde, archaische Urvölker-Rhythmik, wummernde Bässe und ein strammer Trommelanschlag befeuern dem Garagen-Rock entlehnte, jaulende Fuzz-Gitarren wie allerlei Gewerk an verzerrenden Reglern, Gitarren-Pedalen, Synthie-Electronica und Klangeffekte-Instrumentarium, die Ingredienzien zu einem satten und üppigen Drop-Out-Soundgebilde verdichtet.
Mit sporadischem Saxophon-Gelichter im Zentrum der tonalen Super-Nova streift die Band gekonnt wie dezent die Galaxie des Siebziger-Prog-Jazzrock und lässt damit kaum etwas unerforscht im weiten Weltenraum der experimentellen Rockmusik, in der sich Psychic Lemon in der Form als leuchtender Fixstern etablieren können und vor allem nicht vor den großen Vorbildern der Blütezeit des Genres in irgendwelchen schwarzen Löchern, auf Wüstenplaneten oder Outer Rims verstecken müssen.
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