Raymond Thompson Jr.: The Divide @ Amerikahaus

Fotos © Raymond Thompson Jr. / Mit freundlicher Genehmigung des Amerikahauses

„My goal as a photographer is to pose questions that acknowledge the long conversation of the documentary image in the context of black life, without falling into the stereotypical trappings that have plagued images of African Americans to date.“
(Raymond Thompson Jr.)

Kein anderes Land sperrt so viele Menschen weg wie die Vereinigten Staaten, jeder vierte Strafgefangene weltweit sitzt in einem US-Gefängnis – darunter überdurchschnittlich viele Afro-Amerikaner. Vor allem strengere Drogengesetze im Verbund mit neuen Regelungen ab Mitte der achtziger Jahre führten zu einem sprunghaften Anstieg von Haftstrafen trotz Stagnation der Kriminalitätsrate, von den Gerichten wurden exorbitant hohe Strafmaße für bereits geringe Delikte ausgesprochen, zumeist gegen Delinquenten aus Wohngegenden ethnischer Minderheiten.
Die „Prison Industry“ ist zudem als Milliardengeschäft zu einem nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor herangereift: In vielen US-Bundesstaaten ist Gefängnis-Arbeit Pflicht, die Häftlinge als Billiglohnkräfte tragen maßgebend dazu bei, dass der industrielle Gefängnis-Komplex in strukturschwachen und von sterbenden Industrien geprägten Landstrichen von eminenter ökonomischer Relevanz ist.

Für viele Familienangehörige wird das Hochsicherheitsgefängnis zu einem außergewöhnlichen Reiseziel – die Verwandten und den Einsitzenden nahe Stehende müssen nicht selten hunderte von Meilen an Anfahrt auf sich nehmen, um für kurze Zeit den persönlichen Kontakt zu den Häftlingen pflegen zu können. Der afroamerikanische Fotograf Raymond Thompson Jr. hat 2015 eine solche Reise mit der Kamera begleitet, eine Busfahrt, die Freiwillige für die Familienangehörigen von Inhaftierten der Hochsicherheitsgefängnisse Red Onion State Prison und Wallens Ridge State Prison in Virginia organisiert haben.

Seine nüchternen wie gleichsam eindringlichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind bis 29. März im Amerikahaus München zu sehen. In gut zwanzig Arbeiten zeigt der Fotograf Eindrücke „on the road“, karge Landschaften am Straßenrand, Momentaufnahmen der ihren Gedanken nachhängenden Reisenden, eindrucksvolle Portraits der Besucher, die ihren emotionalen Gedanken in den kurzen Texten zu den Fotografien Ausdruck verleihen. Der Titel der Ausstellung, „The Divide“, steht für die räumliche und emotionale, oft jahrzehntelange Trennung der Häftlinge von ihren Angehörigen, die meist hohe organisatorische und rechtliche Hürden für einen Besuch überwinden müssen.

Raymond Thompson Jr. arbeitet als Dokumentarfotograf und ist für die West Virginia University an seinem Wohnort in Morgantown als Multimedia Producer tätig.
Er war für die Nachrichten-Agentur Associated Press und diverse Zeitungen tätig, unter anderem die Washington Times, seine Fotos erscheinen in der New York Times und in USA Today. Er hat an der University of Texas und der University of Mary Washington studiert, seine Arbeiten wurden mit diversen Preisen ausgezeichnet.

The Divide – Photography by Raymond Thompson Jr.

Amerikahaus München, Barer Straße 19a
Bis 29. März 2018
Öffnungszeiten:
Montag – Freitag 10 – 17 Uhr
Mittwoch 10 – 20 Uhr
Sonntag 10 – 16 Uhr
Eintritt Frei

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