Reingehört (429): Headroom

Headroom – Head In The Clouds (2017, Trouble In Mind)

Auch noch von 2017 übrig, aber alles andere als Resterampe, und damit zum unerwähnt bleiben weiß Gott viel zu wertvoll: „Head In The Clouds“, erster Longplayer der Band Headroom aus New Haven/Connecticut nach der selbstbetitelten 2016er-Debüt-EP (die gibt’s für umme als Download auf der Bandcamp-Seite).
Das Quintett um die Experimental-Gitarristin Kryssi Battalene steigt mit dem ersten Stück „How To Grow Evil Flowers“ unvermittelt ohne Vorspiel, ohne dramaturgischen Aufbau und ohne sukzessives Heranführen der Hörerschaft an die Sound-Struktur in den hypnotischen Flow der Headroom-Welt ein, ein Start aus dem Nirvana, die Blumen des Bösen müssen nicht erst wachsen, sie wuchern und blühen bereits von der ersten Sekunde an in einem in dunklen Farben explodierenden, weiten Klang-Feld, nebst psychedelischen Pilzen und anderweitigem, Jugend-verderbendem, Sinne-vernebelndem Gepflanze und Gezücht. Getragen von einer stoischen Rhythmus-Arbeit, die in bester Kraut-Manier die minimalistische wie gleichsam beflügelnde Monotonie der altgedienten und im Vorjahr dahingeschiedenen Can-Heroen Liebezeit/Czukay ins Gedächtnis ruft, oszilliert eine verzerrte Gitarre im Opener permanent wie eine nervöse Fieberkurve die Tonleiter von unten nach oben und wieder zurück und gibt damit die Richtung des Albums vor: Ein Einrichten im abstrakten, von Song-Konventionen losgelösten, schwergewichtig einnehmenden Klangraum, der immer wieder das Hinausdriften in kosmische Weiten sucht, in Prog-/Space-/Kraut-Regionen und in einen mutigen Ansatz an experimentellem Postrock, der sich gerne und ausgiebig auch der Noise- und Drone-Beigaben in Form von schwerst übersteuerten (Fuzz-)Gitarren und elektronischen Synthie-Dissonanzen bedient.
Kryssi Battalene haucht sporadisch in sphärisch/ätherischer Entrücktheit inhaltlich kaum wahrnehmbare Lyrics über das experimentelle Dropout-Gebräu und mindert so im semi-verhuschten Psychedelic-/Schuhglotzer-Modus wiederholte Male die Schärfe der fünf delikaten, üppigen Sound-Spezereien.
Ein Studiowerk in bester Improvisations-/Jam-Manier, das im konzertanten Vortrag/Mitschnitt schwer vorstellbar kaum mehr Spontaneität, tonale Finessen und rauschhafte Kontemplation entfalten könnte, zwischen seliger Progressive-Erfüllung und diffuser, unterschwelliger, unbewusst verstörender, experimenteller Herausforderung, ein heißer Ritt auf der Trennlinie zwischen Melodie-dominierter Kontrolle und lärmendem Hinüber-Kippen in die Unendlichkeit der Disharmonie.
Kryssi Battalene betreibt neben Headroom ihr eigenes Solo-Projekt Colorguard und mischt bei befreundeten Combos und Musikern aus der Neuengland-Experimental-/Indie-Szene wie den Mountain Movers, Medication, Heaven People und Stefan Christensen mit, dafür ein Fleißbilettl, und für „Head In The Clouds“ ein extra Damo-Suzuki-Heiligenbild zum Einkleben ins Krautrock-Poesiealbum.
(*****)

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