Reingehört (433): Caroline Rose

„Didn’t do it for the Neon Jesus… I did it for the Money!“
(Caroline Rose, Money)

Caroline Rose – LONER (2018, New West Records)

Da erfindet sich jemand komplett neu: Ursprünglich im Country, Blues und Folk-Rock beheimatet, kommt die amerikanische Songwriterin Caroline Rose aus New York City auf ihrem dritten Longplayer „LONER“ aus völlig anderen und unerwarteten Richtungen um die Ecke, der Opener „More Of The Same“ entbehrt hinsichtlich Titel-Benamsung nicht einer gewissen Ironie, die junge Frau ist auf dem neuen Werk vom früher praktizierten Roots/Americana-Musizieren ungefähr so weit entfernt wie die derzeit in den Niederungen der vierten Liga bolzenden Münchner „Löwen“ vom Profi-Fußball-Geschäft. Ist sowohl als auch selbstredend nicht weiter schlimm, „Lebbe geht weiter“, um den großen Dragoslav Stepanović zu zitieren, Abhotten auf Giesings Höhen an Regionalliga-Spieltagen ist so lustig-nett wie das Mitschunkeln zum neu kreierten Sound der guten Caroline. Tanzbarer, freakiger Indie-Pop, mit allen möglichen angeschrägten Schlager-Ausprägungen aller möglichen Dekaden infiziert, hier ein wenig New-Wave/B-52’s-Überdrehen, dort eine Ladung Sixties-Georgel auf dem Farfissa-Keyboard, im nächsten Wurf ein semi-gespenstisches Kammerpop-Hallen aus dem nächsten David-Lynch-Film oder Aufgreifen von Einflüssen aus dem Fifties-Rockabilly, nebst vielerlei weiterem Wundertüten-Gelichter, immer mit einer charmanten, leicht ins Durchgeknallte kippenden DIY-Girlie-Weirdness garniert. Weder mit souligem Indie-Rock noch angespactem, bewusst simpel strukturiertem Elektro-Pop würde man dem Gesamtwerk gerecht werden, bereits im nächsten Song ist die gute Frau schon wieder ganz wo anders am Rumwerkeln, in der skurrilsten Ausprägung als Bontempi-begleitete Alleinunterhalterin für den nächsten Tanz-Tee im Drop-Out-Sanatorium.
Ein Tonträger, extravagant wie der Versuch der jungen Dame auf dem Plattencover, eine komplette Schachtel Kippen gleichzeitig zu rauchen, dem Wohlbefinden aber sicher weitaus zuträglicher als die dort demonstrierte Liebe zu den Tabak-Waren.
(**** ½)

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