Reingehört (437): Mouth

Mouth – Floating (2018, Tonzonen Records / H’Art)

Alles im Fluss und vor allem in der Spur: Krautrock aus Köln, vom Trio Mouth, das mit „Floating“ in einigen Tagen ihr drittes Studio-Album an den Start bringen wird. Die Band ist seit der Jahrtausendwende in der kosmischen Umlaufbahn unterwegs und besticht mit einer fein ausgewogenen und vor allem mit Können vorgetragenen Mixtur aus der in den End-Sechzigern/Früh-Siebzigern entstandenen ureigenen deutschen Lesart der psychedelischen Rockmusik und Reminiszenzen an den Prog-Rock britischer Prägung aus der selben Ära, dann und wann garniert mit Fusion-artigem, angejazztem Easy-Listening-Gelichter und dem entrückten Geist der Space-Rock-Seligkeit.
Wabernde Keyboards, gedehnte, repetitive Gitarren-Riffs zur Förderung der kontemplativen Versenkung im Sound-Flow und der Einsatz entsprechender Wah-Wah-Verzerrer zum Saiten-Anschlag zwecks Dekaden-typischer Effekt-Aufbrezelung dominieren das Klangbild des rheinischen Trios Koller/Kirsch/Mavridis, das sich in der Form wunderbar in die derzeit wieder aufkeimende oder irgendwie auch Dauer-präsente Neo-Psychedelia-Strömung einreiht und dem Genre mit ihrem eigenen Ansatz ganz gewiss keine Schande bereitet.
In „Madbeth“ verpassen Mouth dem durchgeknallten Schotten-Tyrannen aus dem berühmten Shakespeare-Königsdrama den treffenden Spottnamen, und welcher anderen Kölner 70er-Kraut/Experimental/Psychedelic-Institution neben den fundierten, ausladenden Trance-via-Progressive-Rock-Jams „Sunrise“ und „Sunset“ speziell im neun-minütigen, zentralen Gusto-Instrumental-Stück „Homagotago“ die gebührende und gleichsam über die Maßen gelungene Ehrerbietung erwiesen wird, dürfte auf der Hand liegen.
Der exaltierte, sporadisch angestimmte Gesang passt over the top in die selbst gewählte musikalische Siebziger-Jahre-Verortung der Band und erweitert das Gesamtpaket in ergänzende Sound-Dimensionen wie Hard- und Glam-Rock, auch wenn es für das mitunter ins Axl-Rose-hafte kippende Gekreische ein paar Abzüge in der B-Note gibt, aber das tut der Stimmung und dem positiven Gesamteindruck des Tonträgers in keinster Weise Abbruch. „Picking up the spirit of the old days“, wie es im Presse-Beiblatt so schön heißt – hat geklappt mit dem aufpicken, durchaus.
„Floating“ erscheint am 23. März via H’art-Vertrieb beim Krefelder Kraut-/Indie-/Spacerock-Label Tonzonen Records in limitiertem Farb-Vinyl, als Digipack-CD und im Bandcamp-Download.
(**** ½ – *****)

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