Reingehört (441): bvdub

bvdub – A Different Definition Of Love (2018, Dronarivm)

Früher hätte man so einen wahrscheinlich als Streber auf dem Schulhof verhauen, wenn es auch nicht gerechtfertigt gewesen wäre: Erst im vergangenen Herbst ist der kalifornische Sound-Tüftler Brock Van Wey angenehmst via n5MD-Label mit „Heartless“ in Erscheinung getreten, bereits gut sechs Monate später wird er mit seinem neuen und damit sage und schreibe dreißigsten Album unter seinem Projekt-Alias bvdub beim russischen Label Dronarivm vorstellig, die Anzahl ist bei dem Output-Tempo nicht weiter verwunderlich, erfreulicherweise ist das gesteigerte Arbeitsethos des amerikanischen Experimental-Musikers neben der Masse auch weiter in der exzellenten Qualität erkennbar, erneut darf man das Loblied auf ein hervorragendes bvdub-Produkt anstimmen, das sich aus sechs ausladenden, nicht selten die Fünfzehn-Minuten-Marke überschreitenden, sorgfältig konzipierten und mit kompositorischem Können umgesetzten Experimentalklang-Kunstwerken zusammensetzt.
„A Different Definition Of Love“ besticht einmal mehr durch eine tiefenentspannte, kaum greifbare, wie durch Nebelschwaden herüberwehende und sich Raum schaffende Ambient-Ästhetik, die trotz dezenter Electronica-Verzerrungen, einem unterschwelligen weißen Grundrauschen und homöopathisch akzentuierter, kaum als Noise wahrnehmbarer Abstrakt-Drones von erlesener Eleganz und Schönheit zeugt. Eine Schönheit, die fast schon schmerzt, wenn sich aus dem Dunst des Diffusen und den Zeitlupen-artigen Loops Klangbild bereicherndes Wunderwerk anbahnt und ein Stück des Flusses begleitet in Form von kammermusikalischen Akustikgitarren-Entwürfen, vom Piano vorgetragener Minimal-Music-/Neoklassik-Erhabenheit, feinen, glasklaren Postrock-Phrasierungen auf der elektrischen Gitarre oder einer durch gesampelte und digital verfremdete Choräle beschallten, endgültigen Entrücktheit in der Werk-beschließenden Experimental-Klangskulptur „Tearless [T]owers“.
Die in eckige Klammern gesetzten, jeweils einzeln ausgewählten Buchstaben aus den sechs Titeln ergeben von oben nach unten gelesen das Wort „FORGET“ – wenn „A Different Definition Of Love“ dereinst die Begleitmusik zum großen Schlaf und zum Vergessen des eigenen, zurückgelegten Wegs sein wird, der Soundtrack zur Reise hinein in das Nirvana der Gedanken und zum Verblassen der Erinnerungen, dann will einem vor der drohenden Demenz und dem Verschwinden nicht mehr gar so bange sein, denn vor dem finalen Erlöschen wird noch einmal das Licht leuchten…
„A Different Definition Of Love“ erscheint am 30. März beim Moskauer Indie-Label Dronarivm.
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