Alfredo Srur: Heridas – Wunden @ Amerikahaus

Carlitos at police station © Alfredo Srur, courtesy of Galerie Julian Sander, Cologne

„From an artistic standpoint, I believe our collaboration and what we have created together (based on our friendship), is something never seen before in Argentina. It represents the equal coexistence of two cultures that were never supposed to get together, influenced by the powers that nurture social fear and support the fragmentation of society. We are the post-dictatorship generation, the post-crisis generation, the generation-x. These photographs are our legacy.“
(Alfredo Srur)

2002 lud eine Menschenrechts-Aktivistin den argentinischen Fotografen Alfredo Srur nach San Fernando ein, die Gegend ist ein Randbezirk seiner Heimatstadt Buenos Aires. 30 Kilometer vom City-Zentrum entfernt, lernte er eine Lebenswelt kennen, die sich fundamental von seiner eigenen unterscheidet, ein urbanes Umfeld geprägt von Gewalt und Kriminalität. Im Februar 1999 wurde dort ein 17-Jähriger von Polizisten in seiner Wohnung erschossen, der Jugendliche war als „El Frente Vidal“ bekannt und wurde in seinem Viertel als Outlaw verehrt, der als südamerikanischer Robin Hood die Reichen bestahl und das Erbeutete an die Armen der Nachbarschaft weiterverteilte. Die Frau, die Srur einlud, war seine Mutter. Inzwischen ist das Grab von „El Frente“ eine Pilgerstätte, Victor Vidal wurde zum Schutzpatron der Diebe von San Fernando, an seiner von Bierflaschen und Plastikblumen übersäten letzten Ruhestätte bitten „Los pibes chorros“ – die klauenden Jungs – vor dem Beutezug um Beistand.
Im Rahmen seiner Recherchen freundete sich der Fotograf Alfredo Srur mit Carlos an, einem engen Vertrauten des getöteten „El Frente“ und Anführer einer auf Raub und Diebstahl spezialisierten Gang, der ein Drittel seines bisherigen Lebens im Gefängnis verbrachte. Carlos wurde zum Hauptdarsteller einer Schwarz-Weiß-Fotoserie, die seinen Alltag und sein soziales Umfeld am Rande der Gesellschaft dokumentieren, die Ausstellung „Heridas – Wunden“ im Münchner Amerikahaus in Kooperation mit der Kölner Galerie Julian Sander zeigt derzeit aktuell Bilder dieser seither über viele Jahre gepflegten Verbindung und erzählt die Geschichte einer Lebenswelt, die wenig bis nichts mit der relativ behüteten bürgerlichen Existenz zu tun hat, der der Fotograf entstammt.

Carlitos © Alfredo Srur, courtesy of Galerie Julian Sander, Cologne

Begleitend zur „Heridas“-Ausstellung zeigt das Amerikahaus die Serie „Ciudades Del Este“ des argentinischen Fotografen aus dem Jahr 2008, quadratische, kleinformatige Fotografien in kräftigen, ins Grelle neigende Farben aus dem Drei-Länder-Grenzgebiet Paraguay/Brasilien/Argentinien, die Straßen-Szenen, Landschaften und Aufnahmen von Menschen im öffentlichen Raum zeigen, Alfredo Srur merkt hierzu an, dass sich die gesamte Geschichte der Menschheit in seiner Wahrnehmung mit der Kamera in Portraits und Landschaftsaufnahmen erzählen lässt.

Alfredo Srur wurde 1977 in Buenos Aires geboren. Während seines Studiums der Filmproduktion an der University of California setzte er sich auch mit der Kunst der Fotografie auseinander. Seit Anfang der 2000er beschäftigt sich Srur mit dokumentarischen Foto-Projekten in diversen lateinamerikanischen Ländern. 2015 gründete er in Buenos Aires das Centro de Investigación Fotográfico Histórico Argentino (Cifha), das sich den Erhalt, die Erforschung und Verbreitung der argentinischen Fotografie zum Ziel gesetzt hat.

Heridas – Wunden – Fotografien aus Argentinien von Alfredo Srur

Amerikahaus München, Barer Straße 19a
Bis 8. Juli 2018
Öffnungszeiten:
Montag – Freitag 10 – 17 Uhr
Mittwoch 10 – 20 Uhr
Sonntag 10 – 16 Uhr
Eintritt Frei

2 Kommentare

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