Reingehört (474): Sandro Perri

„One of the most singular producers in contemporary music.“
(Boomkat)

Sandro Perri – In Another Life (2018, Constellation Records)

Da steht demnächst was Feines ins Haus: Das neue Album vom Kanadier Sandro Perri, man of many talents. Bis dato sind bereits zahlreiche Veröffentlichungen des Musikers und Produzenten aus Toronto unter eigenem Namen wie Pseudonymen (Polmo Polpo, Glissandro 70, Off World) zu vermelden, von Postrock über Ambient-Experimente bis Folk ist eine breit gefächerte stilistische Auswahl im Angebot. Einige Jahre bei den wunderbaren Great Lake Swimmers indie-folkloristisch mitmusiziert, gemeinsame Arbeiten mit Stephen Malkmus und vielen anderen Alternative/Experimental-Experten, die Bühne mit Koryphäen wie Philip Glass, Michael Hurley, Tortoise und Destroyer geteilt, diese Vita lässt sich sehen.
Zum Einstieg in den neuen Tonträger klotzt Perri ordentlich und zelebriert das Hauptwerk genüsslich im Geiste des slow food: der über 24 Minuten lange Titeltrack „In Another Life“, ein leicht nervöses Zucken des sequentiellen Synthies im wunderschönen, minimalistischen Indiepop/Ambient-Rahmen, zu dem der Musiker seine tiefenentspannten, trägen, immer wiederkehrenden Lyrik-Loops singt, ein steter, langer und ruhiger Fluss als Mantra-artige Zeitlupen-Electronica-Inszenierung, die mit weniger Talent gesegnet wohl nach einigen Umdrehungen zu einschläfernder Monotonie führen würde, in dieser Form aber nie enden möge – ein Song wie Sonnen-durchflutete, entspannte und im Tagesrhythmus völlig entschleunigte Ferien, in denen niemand nach Anderem verlangt. Der US-amerikanische Folk-Singer David Munyon hat in seiner Nummer „Surfin“ einst die schöne Textzeile „I hope this summer vacation never ends“ untergebracht, Sandro Perri selbst nennt die Arbeitsmethodik zum neuen Album „an experiment in infinite songwriting“, und so wäre der Song über die Mehrdeutigkeit unrealisierter Utopien wohl der Soundtrack dieses Jahrhundert-Sommers schlechthin geworden, wäre er denn bereits offiziell veröffentlicht, aber auch im Frühherbst wird er noch unvermindert seinen magischen Zauber entfalten, ohne jeden Zweifel. Immerhin knapp 6 Minuten dieses exzellenten Indie-Electronica-Pop-Kleinods gibt es bereits jetzt als Exzerpt über diverse Streaming-Dienste zu erkunden, guckst und hörst Du unten.
Seite Zwei des Tonträgers ist ähnlich konzipiert, die vergleichsweise kürzeren drei Teile von „Everybody’s Paris“ sind Variationen zu einem Thema, die sich zu einem weiteren, zwanzig-minütigen Flow auswachsen, den Gesang zu Part 1 steuert Perri selbst bei und übergibt das Mikrophon dann im weiteren Verlauf des Song-Zyklus an André Ethier von der kanadischen Indierock-Band The Deadly Snakes, der seinerseits den Staffel-Stab final zum Destroyer/New-Pornographers-Sänger Dan Bejar reicht zwecks Ausfüllen des popmusikalischen Lückentextes, stilsicher arrangiert als Slow-Down-Hybrid im Spannungsfeld der neoklassischen Minimal Music, der artifiziellen Bar-Jazz-Croonerei und leichtfüßig-flockiger, abstrakter Ambient-Atmosphäre.
Sommer-Melancholiker, Leben-Entschleuniger, Harmonie-Süchtige, aufmerksame FreundInnen des gepflegten, intelligenten, einnehmenden, essenziellen Indiepop-Experiments, watch out: „In Another Life“ von Multitalent Sandro Perri erscheint am 14. September beim kanadischen Indie-Label Constellation Records.
(***** – ***** ½)

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