Reingehört (479): Pabst

Pabst – Chlorine (2018, Crazysane Records)

Unvermitteltes Antäuschen zum Einstieg mit undefinierbar-beliebigem Psychedelic-Gedudel, die Hörerschaft mag sich auf falscher Fährte kurzfristig in den Untiefen verschwurbelten Flaming-Lips-Geplätschers oder ähnlicher Austauschbarkeiten wähnen, um postwendend in der beschwingten Garagen-Party eines beherzt loslärmenden Bastards aus Indie-Coolness, trashigem Grunge-/Noise-Rock, jugendlicher Punk-Unbeschwertheit, einnehmender Psychedelic-Pop-Melodik, smashigen R&B-Grooves und großmauligen Star-Posen zu landen. Das Berliner Trio Pabst hält sich auf seinem Volle-Länge-Debüt „Chlorine“ beim nachdrücklichen Hauen aufs scheppernde Blech nicht mit belanglosen Nebensächlichkeiten auf und zielt direkt ins Nervenzentrum, die Fuzz-Gitarren jaulen auf berauschendem Niveau, der Beat ist straight forward treibend auf den Punkt getrommelt und damit das Tanzbein wie den Pogo-Sprung anfeuernd, der Gesang reiht sich mit griffigen Refrains und fordernd-offensiver Extrovertiertheit ein in die Garde der großen Pop-Heroen und trifft damit mitten ins Herz. Mit „Waterslide“, der nach der vergangenen Hitzeperiode sicher nicht mehr zutreffenden Befürchtung „Summer Never Came“ und „Perfume“ hat die Band mindestens drei veritable Ohrwürmer am Start, der Rest der zwölf Gassenhauer konveniert nicht minder, würden wir in einer gerechteren Welt leben, müsste mindestens die Nummer, in der die Combo aus der Bundeshauptstadt ein Eau de Parfum aus Dir machen will, die Charts stürmen, so wie sie in belletristischer Form mit dem Süskind-Roman vor über 30 Jahren die Bestseller-Listen eroberte, es darf getrost von großen Bühnen geträumt werden.
Teenager-Dramen und Twenty-Something-Gefühle, kompakt und Hit-verdächtig eingetütet im griffigen Drei-Minuten-Indie-Rock-Format, zu denen auch die älteren Säcke und senilen Deppen wohlwollend mitzucken und dem Stoff einen zeitlose Note zugestehen.
Jack White lunzt hinsichtlich Sanges-Künsten um die Ecke, diverse Glam- und Power-Pop-/Punk-Vögel beim Saiten-Anschlag und Songwriting über die Schulter, der selige Nirvana-Kurtl irrlichtert als Wiedergänger irgendwo zwischen den Noten rum, Pabst wissen, wie man eine ordentliche Rock-and-Roll-Sause feiert, konzertant schwer vermutlich den Intensitäts-Pegel nochmals um ein paar Umdrehungen nach oben geschraubt, zu überprüfen wäre das dann auf der anstehenden Tour der Band in den kommenden September-Tagen, zusammen mit den holländischen Labelmates von The Lumes, unter anderem auch bei uns im schönen München, Tourdaten guckst Du unten.
„Chlorine“ ist seit den Tagen des großen Schweißtreibens über das honorige Berliner Indie-Label Crazysane Records beim Sound-Dealer Eures Vertrauens am Start. Beherztes Zugreifen beim Tonträger wie Konzert-Besuchen beizeiten schwerst angeraten.
(*****)

05.09.Nürnberg – Club Stereo
06.09.München – Feierwerk Orangehouse
07.09.Mainz – Kulturclub Schon Schön
08.09.Saarbrücken – Blau
09.09.Köln – Blue Shell
11.09.Dresden – Ostpol
12.09.Hannover – Lux-Concerts
13.09.Hamburg – Molotow
14.09.Bremen – Kulturzentrum Lagerhaus
15.09.Berlin – Badehaus Berlin-Friedrichshain

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