Reingehört (485): Statues

Statues – Adult Lobotomy (2018, Crazysane Records)

Was man halt so treibt, wenn man das schwedische Mittsommer-Idyll aus der heilen Lindgren-Welt, das stinkende Gammelfisch-Gericht Surströmming und die alljährliche Mückenplage über hat: Verziehen in den Übungsraum und in zwei Tagen ein dickes Post-Punkrock-Brett gebohrt, was schon mal beste Haltungsnoten hinsichtlich Spontanität und effektives Werkeln in der Garage bringt – „Adult Lobotomy“, das in wenigen Sessions entstandene Debütalbum des Trios Statues aus dem nordschwedischen Umeå, demnächst auf die Welt losgelassen zur Erbauung der feinschmeckenden, Rockmusik-konsumierenden Hörerschaft in nah und fern.
Johan Sellman, Calle Svedjehed und Magnus Örberg haben das Handwerk in der Vergangenheit bei Combos wie Starmarket, KVLR und The Vultures gelernt und waren offensichtlich vor allem in ihrer musikalischen Sozialisation beileibe nicht den schlechtesten Einflüssen ausgesetzt.
Bass, Gitarre, Schlagzeug, die heilige Dreifaltigkeit des Rock’n’Roll im Spirit der Urzeiten des Postpunk und der ungebändigten, ungefilterten Do-It-Yourself-Mentalität der Ami-Bands aus der Achtziger-Dekade, über die der renommierte US-Musik-Journalist Michael Azzerad mit „Our Band Could Be Your Life“ ein ganzes Buch herausgehauen hat, großartiges Zeug von Mission Of Burma über Hüsker Dü bis Dinosaur Jr, you name it, Statues sind da ohne Zweifel durch die gute Schule des Alternative Rock gegangen und verstehen es meisterhaft, den krachenden Indie-Noise, ihr Gespür für berauschende, energetische, herzhaft zugreifende Melodik und resolute, mitunter hymnische Punk-Gesänge zu einem brodelnden Gebräu mit scharfen, schneidenden Gitarren, stoischen, nach vorne treibenden Beats und einer darin mitschwingenden Ahnung von Großstadt-Romantik, dramatischen Momenten und gezügelter, kontrollierter Aggression einzukochen.
Statues lassen mit „Adult Lobotomy“ mindestens das Herz all jener höher schlagen und überdimensional weit werden, die Grunge bereits vor dem Grunge-Hype zu schätzen wussten und wegbereitenden Bands wie den Wipers, Dead Moon oder den Screming Trees noch weit vor aberntenden Abgreifern der Pionier-Arbeit wie Nirvana oder den notorisch überschätzten Pearl Jam ein Denkmal setzen oder mit ihnen die Hall of Fame bevölkern würden. Und alle Nachgeborenen, denen der Sinn nach unverbrauchtem Indie-Rock und Postpunk steht, sollten selbstverständlich auch ihren Schädel in den Sturm und ihre Lauscher hineinhängen in die acht kurzen, druckvoll auf den Punkt gespielten Debüt-Kracher der Skandinavier.
„Adult Lobotomy“ erscheint am 23. November beim Berliner Indie-Label Crazysane Records. The Pre-Order-Bazar is open, neben der CD-Ausgabe gibt es eine streng limitierte, Hand-nummerierte LP-Auflage in wahlweise schwarzem oder transparentem Vinyl – greife beherzt zu, alter Schwede (junge Schwedinnen selbstverständlich auch).
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