Reingehört (514): Radare

Radare – Der Endless Dream (2019, Golden Antenna Records)

Arbeiten mit ruhiger Hand. Konzentriert, mit der gebotenen Sorgfalt. Auf die Details achten. Dem Klang Raum geben, in einem weiten Feld, zur Entfaltung seines unverkennbaren Charakters. Das Abstrakte, Undefinierbare, unterschwellig Bedrohliche in eine Form bringen. Was einem eben so durch den Kopf geht, an Assoziationen zur Arbeitsweise der Band Radare, beim Abhören ihres neuen Tonträgers. Ihr individueller Slowcore ließ die Leipzig/Wiesbaden-Connection im vergangenen Jahr beim belgischen dunk!Festival mit einem völlig Tempo-entschleunigten Auftritt aus der großen Masse der Postrock-Formationen herausragen, mit „Der Endless Dream“ wird sich das am Ende des Jahres im Gros der 2019er-Arbeiten an instrumentalem Progressive-, Experimental-, Post- und Krautrock vermutlich kaum anders verhalten.
Doom-Jazz stand schon mal zu lesen, als Etikett, andernorts, zur Kategorisierung des Radare-Sounds. Wäre hier viel zu kurz gegriffen, zumal das Gejazze kein allzu prägendes Element abliefert. Ab und an darf es ran, dezent, in Form kurzer, eingestreuter Klarinetten- und Saxophon-Klagen und schlafwandlerisch gestrichener Jazz-Besen über die Trommel-Bespannung. Was die Nummern vom Vorgänger-Album „Im Argen“ oft nur andeuteten, wird auf dem in Kürze erscheinenden aktuellen Werk mit einer nachdrücklichen Eindeutigkeit verdichtet und geschärft: Ein monochromer Neo-Desert-Blues in Zeitlupe, knochentrocken durch das Klangbild wehend wie die heiße Brise im Death Valley, mittels atmosphärischer, gespenstisch nachhallender Gitarren als musikalische Untermalung zum finalen Pistolenduell in der Wüste.
Die bedeutungsschwangere Stimmung zwischen düsterer Endgültigkeit und schwermütiger Hoffnung auf die Wiederkehr besserer Zeiten unterstreichen finster orgelnde Fender-Rhodes-Drones und eine in sich ruhende Rhythmus-Arbeit im Downtempo an der Grenze zu gedankenverlorenen, nachsinnenden Trance-Meditationen. Dabei lassen Radare die Hörerschaft nicht im ausweglosen Jammertal zurück, durch das unergründliche Schwarz im Grundton des gesamten Longplayers schimmert immer wieder ein warmes Grau und erdfarbene Inseln zur Rettung vor den Seelen-verschlingenden Tiefen im langsamen, aber stetigen und gründlichen Sog des geheimnisvollen Flusses.
Die dunkel funkelnde Schönheit von „Der Endless Dream“ erscheint als viertes Radare-Album am 29. März beim Indie-Label Golden Antenna Records.
(*****)

Die Band spielt live im März zu folgenden Gelegenheiten, dabei sein ist alles (unfortunately no Minga…):

29.03.Giessen – Prototyp
30.03.Wiesbaden – Schlachthof / Kesselhaus
31.03.Bonn – Bla

10 Kommentare

      1. Tja München, schwierig. Bisher bringen uns die Veranstalter dort wenig Liebe entgegen. Wir versuchen es aber weiter. Gibt ja auch sehr schöne Läden da.

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      2. Versucht es mal beim Maj Musical Monday in der Glockenbachwerkstatt, da würdet Ihr sehr gut hinpassen. Ich geb’s auch mal an die Veranstalter weiter.

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