1631 Recordings

Reingehört (426): Richard Luke

Richard Luke – Voz (2018, 1631 Recordings)

Der schottische Komponist, Multiinstrumentalist und Produzent Richard Luke hat für sein Debüt-Album „Voz“ die Violinistin Amira Bedrush-McDonald vom Scottish Chamber Orchestra als Co-Autorin und für den Part der Streicher-Sätze mit ins Boot geholt, mit dem Titel der Arbeit, die 2017 in Portugal entstand, trägt der Musiker aus Glasgow dem Umstand Rechnung, dass er für einen längeren Zeitraum sprachlos ohne Stimme zum Schweigen verurteilt war und die Phase mit Komponieren in einem alten Schulhaus in Góis/Coimbra nutzte, in einem portugiesischen Sommer, der von den schlimmsten Waldbränden seit Jahrzehnten heimgesucht wurde, eine Erfahrung des Tondichters, die in Stücken wie „Wildfire“ und „Ashes Falling From The Sky“ nachklingt.
Richard Luke gestaltet seinen Beitrag als kontemplative, klar strukturierte, sentimentale und würdevolle Piano-Entwürfe, die sich in Melodik und ausgedehnter Wiederholung der Phrasierungen angenehmst ins Ohr schmeicheln, offensichtlich ihre Inspiration aus dem Klavierwerk prominenter Minimal-Musik-Pioniere wie aus der Musique d’ameublement des französischen Vorreiters der Neuen Musik Erik Satie zieht, die neoklassische Instrumental-Sammlung erfährt Bereicherung, Spannungs-steigerndes Element, tonale Begleitung und Ergänzung wie gegenläufige, gleichberechtigte Sound-Entwürfe durch das filigrane Violinen-Spiel von Amira Bedrush-McDonald, in einem steten An- und Abschwellen, das vereinzelt durch schrofferen Bogen-Strich akzentuierte Ausrufezeichen setzt. Ein gedeihliches Zusammenspiel, dass „Voz“ zu einem Hörvergnügen für aufgeschlossene Freunde der Klassik mit einem offenen Ohr für Ambient und sanftes Experiment reifen lässt. „Beachcombing“, dass als zentrales Werk der Instrumental-Epen gilt, mag hinsichtlich Massengeschmack und Zuckerguss vielleicht eine Spur zu saumselig und gefällig ausgefallen sein, der Rest ist pures Gold.
„Voz“ erscheint am 23. Februar 2018 beim schwedischen Independent-Label für zeitgenössische Klassik.
(**** ½ – *****)