A. Kostis

Reingehört (390): Kostas Bezos And The White Birds

Kostas Bezos And The White Birds – Kostas Bezos And The White Birds (2017, Mississippi Records / Olvido Records)

The Tiki Bar is open: Eine Handvoll Rembetiko-Underground-Experten treffen David Lindley und die Pahinui-Brothers auf ein paar Runden Ouzo zu einer Jam-Session in der griechischen Hafen-Kaschemme – oder: Alexis Sorbas tanzt mit Ry Cooder durch Paris,Texas, so ungefähr: χαβάγιες (Havagies) nennt sich eine heute fast vergessene, von der hawaiianischen Slide-Gitarre beeinflusste Spielart der griechischen Volksmusik, ein Meister des Fachs war der Musiker und politische Cartoonist Kostas Bezos, der in den 1930/40er Jahren mit seinem begnadeten Lap-Steel-Gitarren-Spiel eine musikalische Brücke baute zwischen Ost und West, in seinen Saiten-Anschlag arabische wie pazifische Elemente und einen ureigenen Griechen-Blues einfließen ließ und so zum Vorläufer herausragender Gitarren-Virtuosen wie der oben erwähnten Kalifornier und Hawaiianer wurde.
„Kostas Bezos And The White Birds“ sammelt 32 imposante Beispiele dieser einzigartigen Tondichtungen in historischer Aufnahme-Qualität aus herzzerreisendem Steel-Gitarren-Schmelz, wild-tropischer Orchestrierung, griechischem Mittelmeer-Gepolter und – man höre und staune – sporadischen Jodlern – mehr kosmopolitisches, musikalisches Welt-Umarmen geht kaum.
Kostas Bezos wurde 1905 in der Nähe von Korinth geboren, unter dem Pseudonym A. oder K. Kostis veröffentlichte er reine Rembetiko-Aufnahmen in den dreißiger und vierziger Jahren für Columbia und His Master’s Voice, weniger bekannt waren bis dato seine Hawaii-geprägten Einspielungen. 1943 ist Bezos im jungen Alter von 38 Jahren gestorben.
„Kostas Bezos And The White Birds“ bietet ein breites emotionales Spektrum zwischen ausgelassener Lebensfreude und schwermütiger Hellenen-Melancholie und ist als Ausgrabung mindestens so überraschend, anregend und spannend wie seinerzeit die „Texas Bohemia“-Sampler des Münchner FSK-Musikers, Autors und DJs Thomas Meinecke, die er nach Feldforschungen in den US-Südstaaten über die texanischen, vom bayerisch-böhmischen Vorfahren-Liedgut geprägten Blaskapellen zusammenstellte.
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