African Black Friday

Soul Family Tree (58): I’m Not Here To Hunt Rabbits

African Black Friday, Volume 2: Another Kind Of Blues und ein grandioser, aus dem Rahmen gefallener Pop-Song vom Rand der Kalahari-Savanne – Entdeckens- und schwerst Empfehlenswertes aus Botswana, der Republik und ehemaligen britischen Kolonie im südlichen Afrika.

Das Land ist hinsichtlich politischer und gesellschaftlicher Entwicklung auf einem guten Weg: mit einer der höchsten Alphabetisierungsraten und Wohlstandsentwicklungen des Kontinents, einer laut Transpiracy International weitaus weniger ausgeprägten Anfälligkeit für Korruption im öffentlichen Sektor als in europäischen Ländern wie Spanien, Italien oder Polen und einer weitgehend funktionierenden Demokratie inklusive freier Meinungsäußerung.

Und auch aus der Welt der Musik gibt es aus dem afrikanischen Binnenstaat Bemerkenswertes zu vermelden: Der Folk-Blues führt in Botswana ein völlig autarkes Eigenleben in exotischer Individualität. Fern aller Trends und Moden der restlichen Welt hat sich hier eine eigenständige Szene entwickelt, die der exzellent zusammengestellte Various-Artists-Sampler „I’m Not Here To Hunt Rabbits. Guitar & Folks Styles From Botswana“ in einer Auswahl an handverlesenen Nummern präsentiert. Das feine Teil ist hierzulande als Vinyl mit ausführlichem Beiheft und als digitaler Download im April des vergangenen Jahres beim Berliner Indie/World-Label Piranha Records und overseas bei The Vital Record erschienen.

David Agnow ist Chef des unabhängigen New Yorker Labels The Vital Record, die kleine World-Music-Plattenfirma nennt das Genre ihrer Veröffentlichungen selbst „Place On Earth“-Sound, fokussiert auf Volksmusik aus unterschiedlichsten Erdteilen, die anderweitig sträflich übersehen und vergessen wurden oder Gefahr laufen, über kurz oder lang mangels Weitergabe der Tradition ganz von der Bildfläche des Planeten zu verschwinden. 2009 bekam Agnow von einem Bekannten eine Reihe an Video-Links zugeschickt, der ihn aufhorchen ließen. Die Film- und Musik-Aufnahmen stammten vom niederländischen Entwicklungshelfer Johannes Vollebregt, der sie auf seinem youtube-Kanal unter dem Pseudonym Bokete7 veröffentlichte. Vollebregt ist seit 1979 vor Ort in Botswana für eine Hilfsorganisation tätig und in seiner Freizeit selbst Musik-begeisterter Gitarrist, damit war für ihn der Weg zur Erforschung und Dokumentation einer faszinierend außergewöhnlichen, weitgehend unbekannten Szene letztlich vorgezeichnet.

Wie einst der kalifornische Roots-Meister Ry Cooder zur Produktion des Samplers „Buena Vista Social Club“, den er Mitte der Neunziger vor Ort in Havanna zusammen mit kubanischen Musiker-Größen einspielte, machte sich David Agnow auf den Weg nach Botswana und lud mit Unterstützung von Johannes Vollebregt eine Schar an Musikern in die Hauptstadt Gabarone, um mit ihnen unter professionellen Studio-Bedingungen eine Auswahl an Songs aufzunehmen.
Den meisten Musikern auf „I’m Not Here To Hunt Rabbits“ ist vor allem eine völlig eigenständige Gitarren-Grifftechnik gemein, die „Botswana Music Guitar“ wird vorwiegend im Sitzen, schief vor dem Bauch liegend, meist mit dem Greifen der linken Hand von oben auf den Gitarrenhals ähnlich einer Zither gespielt, einige Musiker lassen Finger und Handrücken auch virtuos als individuelle Slide-Technik über die Saiten tanzen. Damit des Unkonventionellen nicht genug, die Stimmung und Bespannung der Instrumente ist völlig eigen, sie kommt meist mit vier Saiten aus, D, G, E und eine Bass-Saite, die mitunter auch mal von einem Fahrrad- oder Einzäunungs-Draht ersetzt wird, einige Musiker spielen den Bass-Part einfach mit dem Ellbogen auf den Gitarren-Korpus trommelnd oder rhythmisch mit der Schlaghand auf die Saiten klopfend. Nicht weiter verwunderlich: Stimmgeräte sind in der Spielart eher verpönt bis unbekannt – die afrikanische Hölle für die Technik-Freaks und Erbsenzähler unter den konventionell geschulten Gitarristen. Wie diese spezielle Form des Musizierens entstanden ist, weiß heute niemand mehr so genau, sie wurde traditionell von den Alten an die nächste Musiker-Generation weitergegeben und vor allem live gespielt. Der Sound selbst verbindet Stilmittel aus den unterschiedlichsten Himmelsrichtungen: den Folk-Sound der Wandergitarre, südafrikanische Samba-Grooves, nigerianischen Jùjú-Flow, den Desert-Blues der nordafrikanischen Sahara wie den frühen Country-Blues und Gospel der amerikanischen Baumwoll-Plantagen, ein Reimport der alten Sklaven-Musik der US-Südstaaten, wiedereingegliedert in die afrikanische Urform.
Die Songs werden im regionalen Dialekt Setswana gesungen und handeln von familiären Tragödien, alltäglichen Plagen wie der Staatsregierung, privaten Missgeschicken, den bösen Geistern der Mobiltelefone, von den neuen Kolonialherren aus China, die Afrikas Rohstoffe ausbeuten, und nicht zuletzt natürlich von dem im Pop aller Herren Länder omnipräsenten Liebeskummer.

Ich bin nur ein Gitarrist
Ich habe nur meine Gitarre
Ich bin nur hier zum Gitarrespielen
Ich bin nicht hier zur Kaninchenjagd
(Sibongile Kgaila, Murraynyana)

Der Titel der Botswana-Blues-Sammlung ist einer Textzeile der Nummer „Murraynyana“ aus der Feder des Songwriters Sibongile Kgaila entlehnt, einer von wunderbar flirrenden Gitarren durchwehten Aufnahme, die der Sänger mit seiner rauen Stimme zu erden versteht. Kgaila ist ein herausragender Vertreter und der heimliche Star der Szene, seine Musik ist geprägt von Einflüssen aus dem südafrikanischem Gospel-Pop und der Rumba des Kongo, insgesamt ist er auf dem Sampler als einziger Interpret mit drei Songs vertreten, mit einer schmissigen, Tanzhallen-tauglichen Variante des intensiven, erdigen Botswana-Sounds, die bei ihm an eine im Rhythmus verschärfte Version des Desert-Blues aus dem Norden des Kontinents angelehnt ist.

Mit seiner dunklen, vom Leben gegerbten, rauen Sing-Stimme und der stoischen, jedoch wesentlich flotter angeschlagenen Rhythmusgitarre lässt Solly Sebotso auf dem Opener „Rampoka“ entfernte Erinnerungen an die frühen Jahre des Folk-Blues der Mississippi-Legenden John Lee Hooker und Howlin‘ Wolf wach werden und legt so die afrikanischen Quellen der amerikanischen Roots-Musik offen. Das Intensive und Authentische dieser im besten Sinne unbehandelten Volksmusik entfaltet bereits in der ersten Nummer der Sammlung mit geerdetem, unverstellten Charme seine hypnotische Wirkung.

Hinsichtlich purem und unverfälschtem Kalahari-Blues lässt auch Gitarrist Ronnie Moipolai mit seiner Nummer „Ditakeneng“ keine Wünsche offen, der Song erzählt in Form ungeschönter Field Recordings eine finstere, tieftraurige Moritat, die sich aus einer jahrhundertealten, überlieferten Geschichte speist, einer Tragödie, die von blutigen Stammesfehden, ermordeten Vätern und bei lebendigem Leibe verbrannten Kindern handelt – schaurige menschliche Abgründe, die düsteren Erzählungen aus der amerikanischen Folk- und Blues-Tradition wie „Stagger Lee“ oder „Long Black Veil“ in nichts nachstehen.

Zwischen all diesen erstaunlichen wie ungewöhnlichen Gitarristen-Entdeckungen versteckt sich als Überraschungs-Wundertüte der völlig aus dem Sampler-Konzept gefallene Song „Re Babedi (I Will Never Forget You)“ der Amateur-Musikerin Annafiki Ditau, ein herrlich skurriler LoFi-Pop-Gegenwurf zum Folk und Blues ihrer Landsmänner. Auf youtube hat sich jemand zum Kommentar „Why, when she is doing everything wrong, does it sound SO right?“ hinreißen lassen, dabei muss die blinde Sängerin aus Pitsane Village mehr oder weniger alles richtig gemacht haben, wie könnte sie sonst mit ihren begrenzten Mitteln derart großartige Songs aufnehmen? Mit einer Heim-Orgel vom Kaliber Hammond oder Bontempi inklusive programmierter, synthetischer Stumpf-Rhythmik und einem in der Stimmlage in die hohen Töne hochgezogenen Gesang am Ende jeder Textzeile präsentiert sich die Nummer als wunderbar schräges Pop-Meisterwerk, dem jede perfekte Nachbearbeitung in der Produktion, ausgeprägteres musikalisches Können oder zusätzliche Instrumentierung nur schaden und den einzigartigen Charakter rauben würden.
Annafiki Ditau ist die einzige weibliche Interpretin, die es mit einer Nummer in die Auswahl dieser Sammlung geschafft hat. Die Musikerin wurde in ihrer Kindheit von der eigenen Mutter schwer misshandelt, umso bewundernswerter, dass ihr Sound von überschwänglicher Lebensfreude zeugt, sofort zum Mitwippen anregt und unwillkürlich ein breites Grinsen in das Antlitz der Hörerschaft zaubert.

Eine der schillerndsten Figuren unter den vorgestellten Musikern ist Motlogelwa „Babsi“ Barolong: Wo sich die Kollegen als Profis ihren Lebensunterhalt auf Tourneen in Afrika, Asien und bisweilen auch Europa verdienen, bei der musikalischen Untermalung von Firmen-Veranstaltungen oder mit Auftritten in der angestammten Live-Bar, ist Barolong zum Broterwerb nebenher als Kuhhirte, Schreiner und Nachtwächter beschäftigt. Sein Titel „Ke A Tsamaya (I’m Leaving)“ ist durchwirkt von nervösem, erratischem Gefiedel fern jeglicher Songstrukturen und einem intensiv leiernden Sanges-Vortrag, der das Unwohlsein des Interpreten unmissverständlich zum Ausdruck bringt. In seiner Nummer „Condom“, die nur als Digital-Download-Bonus zur LP enthalten ist, engagiert er sich mit aufklärenden Ratschlägen in der AIDS-Prävention, ein Thema, das sich bei knapp 19% HIV-Infizierten unter der erwachsenen Bevölkerung Botswanas förmlich aufdrängt.

It’s like the old Robert Johnson story – when he sold his soul to the devil at that Rosedale crossroads. Only this time the crossroad is on the outskirts of the Kalahari desert, and there’s no devil around, at least as far as we know. Just a crazy record label looking to bring these artists indoors to record.
(Piranha Records)

Der Sampler „I’m Not Here To Hunt Rabbits. Guitar & Folks Styles From Botswana“ ist am 27. April 2018 als Co-Release bei Piranha Records und The Vital Record erschienen und nach wie vor im gut sortierten Musikalien-Fachhandel erhältlich. Do yourself a favour: Tun Sie was für Ihre Horizont-Erweiterung, günstiger kommen Sie in diesem Leben nicht mehr nach Botswana.

Soul Family Tree (46): Tuareg Blues Vol. 1: Les Filles de Illighadad , Mdou Moctar, Imarhan

African Black Friday, Volume 1 – Der schwarze Kontinent: Wo der Blues, der Soul, die Rock- und Pop-Musik ihre Wiege haben, Orte und Landstriche, von denen die verschleppten Sklaven vor Jahrhunderten ihre Klage-Gesänge mitnahmen auf die große Fahrt über den großen Teich und als Gospel und Blues auf die Baumwollfelder der amerikanischen Südstaaten brachten, vielfältige regionale Szenen, die durch eigene, uralte Volksmusiken wie durch reimportierte westliche Einflüsse aus dem Rock ’n‘ Roll, dem Blues und dem Jazz geprägt wurden – die Popularmusik der Länder Afrikas, davon soll (und muss letztendlich zwingend) künftig dann und wann die Rede sein im Soul Family Tree, die Premiere geben heute drei jüngere Vertreter des Tuareg-Blues, einer Spielart des afrikanischen Desert-Blues, der aus den Rebellen-Bewegungen der Berber-Nomadenvölker der Sahara-Staaten Mali und Niger entstand und maßgeblich geprägt wurde von der Einführung der Gitarre in die Tishoumaren-Musik der Kel Tamasheq durch Ibrahim Ag Alhabib, dem Mitbegründer der aus Mali stammenden Band Tinariwen, den seit 1979 aktiven Pionieren des Tuareg-Blues, einer Weiterentwicklung der Berber-Musik, die neben traditionellen nordafrikanischen Wurzeln die gepflegte, elektrisch verstärkte Saiten-Kunst in der Lesart von anglo-amerikanischen Könnern wie John Lee Hooker, Jimi Hendrix oder Mark Knopfler als deutliche Einflüsse erkennen lässt.
Die drei großen T des Tamasheq-Blues, die Tuareg-Bands Tinariwen, Terakaft und Tamikrest werden hier beizeiten auch ihre verdiente Würdigung erfahren, aus relativ aktuellen Anlässen widmet sich der heutige Beitrag drei jüngeren Vertretern des Genres.

Ladies First: Die aus dem westafrikanischen Niger stammenden Musikerinnen Fatou Seidi Ghali und Alamnou Akrouni benannten die vom Grillen-Zirpen begleiteten Aufnahmen der live eingespielten Field Recordings ihres ersten Longplayers nach ihrem Heimatdorf, mit ihrem jüngst erschienenen Studio-Debüt wurde die Frauen-Formation durch Madassane Ahmoudou zum Power-Trio erweitert und der Titel des ersten Albums als Bandname übernommen.
Les Filles de Illighadad verbinden auf dem Ende 2017 erschienenen „Eghass Malan“ den ländlichen, vor allem von jungen Frauen gepflegten „Tende“-Folk ihrer Heimat –  eine einfache, karge, im Wesentlichen durch Gesang, Handklatschen und Perkussion vorgetragene Volksmusik zum Preisen der Vorfahren und der Wonnen der Liebe – mit dem elektrischen Wüsten-Blues der Tuareg und transportieren damit die uralte Folklore der ehemaligen französischen Kolonie aus der Sahel-Zone in einem freien, treibenden, für Experimentelles offenen Fluss in das 21. Jahrhundert. Mit den elektrischen Gitarren bekommt der weibliche „Tende“-Sound den Counterpart aus der männlich dominierten nordafrikanischen Desert-Blues-Szene an die Seite gestellt. Fatou Seidi Ghali ist bis heute eine der wenigen Gitarristinnen des Genres, in jungen Jahren hat sie sich das Spiel heimlich selbst auf dem Instrument ihres älteren Bruders beigebracht. „Eghass Malan“ beweißt einmal mehr, dass spannungsgeladene Musik selbst oder gerade in den entlegensten Gegenden der Welt wie einer schwer zugänglichen, autarken Ortschaft ohne Strom und fließendes Wasser am Rande der Sahara entstehen kann.

Der Gitarrist und Songwriter Mdou Moctar stammt wie die Frauen von Les Filles de Illighadad aus dem Niger. Beeinflusst von Gitarristen wie seinem Landsmann Abdallah ag Oumbadougou oder den vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Ry Cooder auf dem gemeinsamen „Talking Timbuktu“-Album bekannten Ali Farka Touré aus Mali, entwickelte der Musiker mit seiner nur auf Gitarren und Schlagzeug basierenden, klassischen Trio-Besetzung eine ureigene psychedelische, schnellere Spielart des Tuareg-Blues, die geprägt ist von treibender Polyrhythmik und einem hypnotischen Gitarren-Riff-Fluss, der mitunter an die losgelöste Intensität und den Trance des indischen Raga erinnert.
Mdou Moctar war in seiner Jugend einige Jahre als Arbeitsmigrant in Libyen unterwegs und verdiente sich dort seinen Lebensunterhalt unter anderem als Söldner in der Armee Muammar al-Gaddafis. Mitte der 2000er kehrte er in seine Heimat zurück und setzte sich ab der Zeit ernsthaft mit Musik auseinander, 2008 veröffentlichte er sein erstes Album, auf dem er das sogenannte Auto-Tune einsetzte, ein in der House-Musik beliebtes Verfahren zur Tonhöhenänderung im Gesang. „Anar“ ist damit eines der ersten Alben, die den Tuareg-Blues um moderne elektronische Elemente erweiterte. 2015 trat Moctar als Hauptdarsteller im Low-Budget-Kinofilm „Akounak Tedalat Taha Tazoughai“ auf, einer Adaption des Prince-Films „Purple Rain“, für den er auch den Soundtrack einspielte. Der Streifen ist der erste in der Tuareg-Sprache Tamascheq gedrehte Spielfilm, der Titel bedeutet wörtlich übersetzt „Regen-Farbe Blau mit etwas Rot darin“, in dieser Sprache gibt es keinen Begriff für Purpur.
Im vergangenen Jahr ist das exzellente Album „Sousoume Tamachek“ des Linkshänder-Gitarristen beim auf westafrikanische Volks- und Pop-Musik spezialisierten US-Indie-Label Sahel Sounds von „Field Explorer“, DJ, Archivist und Kurator Christopher Kirkley erschienen.
Ein Termin zum Dick-Anstreichen im Konzert-Kalender speziell für die Münchner Konzertgänger_Innen ist der 13. Juli: Mdou Moctar spielt mit seiner Band live auf Einladung der Veranstalter vom Clubzwei im Münchner Unter Deck, wer beim Konzert im November 2014 dabei war, reibt sich schon mal in Vorfreude die Hände, allen anderen sei die Veranstaltung wärmstens ans Herz gelegt.

Die Band Imarhan („The Ones I Care About“) aus dem Süden Algeriens – nicht zu verwechseln mit der von Mohamed Issa Ag Oumar geleiteten Formation Imarhan Timbuktu aus Mali – hat Ende Februar ihr zweites Album „Temet“ beim Berliner Indie-Label City Slang veröffentlicht, der Sound der Band ist an den Wüsten-Blues der Pioniere von Tinariwen angelehnt, die Verbindung zu den Urvätern aus Mali besteht, seit Imarhan-Frontman Iyad Moussa Ben Abderahmane für den launischen Bandgründer Ibrahim Ag Alhabib als Tour-Gitarrist einsprang und Tinariwen-Basser Eyadou Ag Leche 2016 maßgeblich an der Produktion des selbstbetitelten Imarhan-Debüts beteiligt war. Die Formation versteht es auf ihrem aktuellen Album exzellent, den traditionellen Tuareg-Blues mit Zitaten aus dem schwarzen 70er-Jahre-US-Funk-Rock, der arabisch-nordafrikanischen Pop-Musik und psychedelischen Flows anzureichern.
Auf dem jüngsten Album bringt die inzwischen in Paris ansässige Band mit ihrem Afro-Blues-Groove die Sehnsucht und ihr Heimweh nach der Wüste zum Ausdruck, wie auch politische Statements zum Tuareg-Aufstand im Jahr 2012, der nach der Abspaltung der Region Azawad als eigenständigem Staat in einem Debakel durch Unterwanderung und Übernahme durch islamistische Gruppierungen endete.
Aus dem aktuellen Album von Imarhan die beiden Stücke „Tamudre“ und „Azzaman“: