Amerikanische Bürgerrechts-Bewegung

Reingehört (545): Matana Roberts

Memphis Tennessee felt more homely because I had been there before, but I still remember when I turned a corner in Memphis and hit the Lorraine Motel, where Martin Luther King was shot — I will never forget that image. I don’t remember seeing that ever before, at least not with the understanding that I have.
(Matana Roberts, Tiny Mix Tapes, 2015)

Matana Roberts – COIN COIN Chapter Four: Memphis (2019, Constellation Records)

Winter 2012 war’s, Constellation Records schickte zur Feier des fünfzehnjährigen Firmenjubiläums einen Tross von Musikern als Fahrgemeinschaft durch die Lande, im Münchner Feierwerk präsentierte das kanadische Indie-Label aus Montreal neben der Postrock-Band HṚṢṬA von GY!BE-Gitarrist Mike Moya und der Formation Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra seines Band-Kollegen Efrim Menuck einen Auftritt der New Yorker Experimental-Jazz-Saxophonistin Matana Roberts, der bereits zu jener Zeit vor allem aufgrund ihres im Jahr zuvor veröffentlichten Albums „COIN COIN Chapter One: Gens de Couleur Libres“ ein exzellenter Ruf als innovative Musikerin und Konzept-Künstlerin weit über die Grenzen des freien Holzgebläses hinaus vorauseilte.
Matana Roberts, bereits optisch mit langen Dreadlocks, zahlreichen alten Tattoos und in schweren Stiefeln fundamentiert eine imposante Erscheinung, gestaltete ihren Münchner Auftritt seinerzeit solistisch vom eigenen Altsaxophon-Spiel begleitet, in freigeistiger, erratischer Avantgarde-Jazz-Improvisation, mit spontanen Ansagen, eindringlichen Spoken-Word-Passagen und einer ausgedehnten Speak-And-Response-Nummer im Dialog mit dem animierten Publikum, das sich zu der Gelegenheit schwer angetan von musikalischer Kraft und Bühnenpräsenz der afroamerikanischen Künstlerin zeigte.
Uneingeschränkte Begeisterung einmal mehr zum aktuellen, mittlerweile vierten Kapitel des „COIN COIN“-Zyklus, des in 12 Teilen geplanten und bei Kritikern wie Fans gleichsam hochgelobten Langzeit-Projekts der Musikerin zu Themen wie Abstammung, Klassenbewusstsein, Geschlechter-Rollen in der US-amerikanischen Gesellschaft. In den dreizehn ineinander greifenden „Memphis“-Kompositionen weht der Geist auf der Suche nach der Black-Community-Identität, wo er will, der musikalische Kosmos der Matana Roberts und ihre verbalen Ausdrucksformen kennen schlichtweg kein Limit. Inhaltlich immer wieder zu ihrem eigenen Lebenslauf zurückkehrend, entlädt die in der Chicagoer South Side aufgewachsene Ausnahmekünstlerin selbstbewusst eine überbordende Flut an ethnologischen, sozial-politischen und historischen Reflexionen und webt damit ein vielschichtiges Geflecht an individuellen Geschichten aus der Ahnenforschung im Geiste von „Black Lives Matter“, ohne hier explizit mit erhobenem Zeigefinger zu dozieren, rassistisch-radikale Positionen einzunehmen oder altbekannte Fakten herunterzubeten – weit mehr in einem steten Flow an Gedanken, „Strings of Consciousness“, Erzählungen und eigenen Erfahrungen im Kontext der afroamerikanischen Geschichte und Widerstands-Politik.
Matana Roberts entwirft ein gigantisches Patchwork-Panorama an Episoden und Statements im sich entladenden Cut-Up-Redeschwall, individuell in Zitaten und Anekdoten aus ihrer eigenen Vita, auf einer Meta-Ebene im Anstimmen uralter, anrührender Gospel-Chöre, mit wütendem Ausbruch wortloser Lautmalereien, im expressiven Spoken-Word-Rausch, dem Proto-Rap eines Gil Scott-Heron bisweilen nicht unähnlich. Wo sich die artikulierte Botschaft improvisiert und stilistisch unbegrenzt freie Bahn bricht, steht ihr tonales Vehikel dahingehend in nichts nach: Experimentelle und komplexe, Hörgewohnheiten bereichernde Klanginstallationen und Songs, von wild lichterndem, atonalem Jazz-Noise über Folk-Crossover inklusive irischer Fiddle-Tunes bis hin zu zeitlosen Ur-Blues- und Afrobeat-Anklängen, Brass-Band-Herrlichkeiten und avantgardistischen Kompositionen im neoklassischen Experiment.
Der bisher veröffentlichte Zyklus wie jeder einzelne Tonträger der Serie sind faszinierende Gesamtkunstwerke, die in der weiten Welt der populären und experimentellen Musik mit wenig bis nichts anderem vergleichbar sind. Die denkbar weit gefassten Grenzen des Free Jazz sind für die Musikerin, Feldforscherin und Aktivistin Roberts ein viel zu enges Korsett für den herausragenden Großwurf an musikalischer Inspiration, thematischer Komplexität und inhaltlicher Radikalität, der dieses Konglomerat zu einem multimedialen, sozial- und kulturhistorischen Zeitdokument, zum „living artifact of collective cultural memory“ gedeihen lässt.
„COIN COIN Chapter Four: Memphis“ erscheint am 18. Oktober bei Constellation Records in Montreal. Machen Sie bitte nicht den Fehler, nach den ersten, schwer verdaulich lärmenden Saxophon-Tönen befremdet die „Aus“-Taste zu drücken, es würde Ihnen wahrscheinlich eine der schönsten und reichhaltigsten Hörerfahrungen des Jahres – und damit Essentielles – entgehen.
(***** ½)

Soul Family Tree (56): Hits And Misses – Muhammad Ali And The Ultimate Sound Of Fistfighting

„Ali war ein schöner Krieger und er reflektierte eine neue Haltung für einen Schwarzen. Ich mag Boxen nicht, aber er war etwas ganz Besonderes. Seine Grazie war beinahe erschreckend.“
(Toni Morrison)

Kein Geringerer als der Pop-Star schlechthin unter den Spitzensportlern des 20. Jahrhunderts soll Thema und besungener Held sein im heutigen Beitrag zur Black-Friday-Reihe: Die afroamerikanische Profi-Box-Legende Cassius Marcellus Clay aus Louisville/Kentucky, „The Louisville Lip“, seit 1964 nach Ablegen seines „Sklaven-Namens“ und Konvertierung zum Islam dem Universum als Muhammad Ali bekannt, dreimaliger „Undisputed Champion“ in der Schwergewichts-Klasse, laut IOC „Sportler des Jahrhunderts“, nach seiner eigenen, unbescheidenen Selbsteinschätzung schlichtweg „The Greatest“ – und um auf die Musik-Historie zurückzukommen: den Rap wie den Hip Hop hat er auch mit auf den Weg gebracht, wie nicht zuletzt der deutsche Kabarett-Minimalist Rolf Miller in seiner unnachahmlichen Art bezeugt: „Am End hat sich alles g’reimt. Des was der Eniman heut singt, des hat der Ali früher im Interview verzählt.“

„The less cynical, less media-saturated nature of the times allowed Ali to achieve a mythic grandeur he probably couldn’t today, and the overall tone here is one of unalloyed eulogy.“
(The Telegraph, CD of the week, 8.11.2003)

2003 veröffentlichte das Münchner Indie-Label Trikont zu Ehren des großen Boxsport-Entertainers den Sampler „Hits And Misses – Muhammad Ali And The Ultimate Sound Of Fistfighting“. Kompiliert, mit informativen Liner-Notes in dem für Trikont-Verhältnisse obligatorischen, exzellent aufgemachten Beiheft versehen und herausgegeben wurde die feine Sammlung vom Münchner Hobby-Boxer, DJ, Journalisten und Maler Jonathan Fischer, der bei der unabhängigen Giesinger Plattenfirma bereits mit der Veröffentlichung diverser anderer gewichtiger Themen-Sammlungen rund um die schwarze Musik glänzte. Unterstützt wurde er beim Ali-Sampler von Co-Herausgeber Claas Gottesleben, über den ansonsten neben seiner Beteiligung an diesem Projekt nichts in Erfahrung zu bringen war.

„Ich habe keinen Streit mit den Vietcong. Sie haben mich niemals Nigger genannt.“

Die Liner Notes zur CD-Ausgabe setzen sich mit dem Phänomen auseinander, dass die Auftritte von Muhammad Ali weit mehr waren als nur großer Kampfsport. Der Ausnahme-Athlet entwickelte im und neben dem Box-Ring einen ureigenen Stil, seine Pressekonferenzen und Interviews boten erstklassiges Show-Entertainment, seine kritischen wie großspurigen Ansagen und speziell seine Kriegsdienst-Verweigerung zum Einsatz in Vietnam hatten politisches Gewicht in den USA und darüber hinaus, seine Hinwendung zur „Nation Of Islam“ und seine zwischenzeitliche Freundschaft mit Malcolm X bargen gesellschaftlichen Zündstoff im Geiste der amerikanischen Bürgerrechts– und Black-Power-Bewegung.
Die großen, berühmten Kämpfe in den Siebzigern wie der „Thrilla in Manila“ gegen seinen Dauer-Rivalen Joe Frazier oder der „Rumble in the Jungle“ in Kinshasa/Zaire gegen George Foreman, die weltweit Millionen von Fernsehzuschauern zu nachtschlafender Zeit vor die TV-Geräte lockten, waren weit mehr als nur medial inszenierte Sport-Events, sie reihten sich darüber hinaus wie etwa das legendäre Woodstock-Festival in den Kanon großer Pop-historischer Ereignisse ein.
Wie jedes große Helden-Epos war das Leben von Muhammad Ali vom großen Drama gezeichnet, und so ließ seine schwere Parkinson-Erkrankung als Folge seines viel zu späten Abschieds vom Boxring, sein Umgang mit dem Nerven-zersetzenden Defekt in seinen späteren Jahren und sein finales Hinscheiden im Jahr 2016 niemanden kalt.

„Clay swings with a left, Clay swings with a right, look at young Cassius, carry the fight.“

Der Trikont-Longplayer selbst bildet eine breite stilistische Palette an musikalischen Ali-Lobpreisungen vorwiegend aus den Siebziger Jahren ab, die von afroamerikanischem Soul, Funk und Blues über jamaikanischen Dancehall-Reggae, brasilianischen Pop und kongolesischen Big-Band-Sound bis hin zur Country-Schunkel-Nummer „Muhammad Ali“ vom weißen Americana-Musiker Tom Russell reicht, wohltönend dosierte Wirkungstreffer und größtenteils unbekannte Perlen aus der weiten Welt der populären Musik, die sehr gut ohne den Johnny-Wakelin-Hit „In Zaire“ auskommen, ergänzt um Spoken-Word-Beiträge vom Box-Champ Ali selbst und einer Straßenpredigt seines einstigen Gegners George Foreman, der nach seiner aktiven Zeit als Sportler Karriere als Autor, Fernsehkoch und berühmter Kirchenmann machte. Und auch Joe Frazier darf ran ans Mikro, der „Undisputed Heavyweight Champion“ von 1970 bis 1973 nahm in den Siebzigern mehrere Singles und EPs für unter anderem Capitol und Motown auf, in den späten 70ern rief er die Soul/Funk-Combo Joe Frazier And The Knockouts ins Leben, mit der er durch Amerika und Europa tingelte. Auf der Trikont-Musikdokumentation über den „Ultimate Sound Of Fistfighting“ ist er mit seiner Version des Bobby-Byrd-Songs „Try It Again“ zu hören.
Hier im Anschluss eine kleine Auswahl an Song-Highlights aus „Hits And Misses“:

„Float like a butterfly, sting like a bee, my name is Muhammad Ali.“

Sensationell geht die Nummer „The Ballad Of Cassius Clay“ ab, eine ultra-flotte Soul-Single der Band The Alcoves aus dem Jahr 1964, über die Jonathan Fischer im Beiheft treffend wie eine Knockout-Gerade anmerkt: „Ein typischer Song aus den 60ern, schnell, laut und stark, über einen großmäuligen, schnellen, starken und verdammt gutaussehenden Boxer, dessen politische Wirkung auf die Welt zu der Zeit noch nicht für jeden abzusehen war…“ – über die Formation The Alcoves ist wenig bekannt, selbst allwissende Portale wie Discogs oder Allmusic kennen keine biografischen Daten und nennen als Output der Combo nur die Single, ihre Berücksichtigung auf der Tracklist der Trikont-Sammlung und die Single-B-Seite „Heaven“ als Beitrag zu einem Sampler des New Yorker Labels Carlton Records.

„Marcellus Cassius Clay“ stammt von Jorge Ben. In seiner Heimat gilt der Musiker als einer der bekanntesten Vertreter der Música Popular Brasileira, in der sich Einflüsse aus Rock, Samba, Bossa Nova und Reggae wiederfinden. Das Loblied auf den Boxer ist 1971 auf Bens Album „Negro é Lindo“ erschienen. Der Künstler tritt seit den Achtzigern unter dem Namen Jorge Ben Jor auf, seine einflussreichste Phase auf die brasilianische Popular-Musik hatte er zwischen 1963 und 1976. US-Präsident Obama erwähnte den Musiker 2011 in einer Rede in Rio de Janeiro.

Eine weitere herausragende Nummer des Samplers ist „Foremann Ali Welcome To Kinshasa“ vom Orchestre G.O. Malebo, das die Formation aus Zaire 1974 als musikalischen Willkommensgruß für die beiden Kämpfer des „Rumble In The Jungle“ einspielte. Eine feine Afro-Pop-Nummer mit treibendem Beat, grandiosen Chören, flotten Bläsersätzen und den für die Band typisch flirrenden „Soukous“-Gitarren, hier der westafrikanischen Juju-Musik nicht unähnlich. Das Orchester hat in den Siebziger Jahren zahlreiche Singles eingespielt, seither scheint sich die Spur der Band in der Musikwelt zu verlieren…

Der jamaikanische Reggae und seine spezielle Verehrung afro-stämmiger Helden ist auf der Sammlung nicht zu knapp vertreten, der als Dennis Smith geborene DJ, Produzent und Seventies-Dancehall-Star Dennis Alcapone ist mit seinen Riddims und originellem Toasting in „Muhammad Ali“ und „Cassius Clay“ gleich zweimal zu hören, sein Landsmann Manley Augustus Buchanan aka Big Youth würdigt in „Foreman vs. Frazier“ mit seinem Chant den 1973 in seiner Heimatstadt Kingston ausgetragenen Titelkampf der beiden Schwergewichtler, der als „Sunshine Showdown“ in die Box-Geschichte einging und mit einem K.o.-Sieg Foremans in der zweiten Runde im Nationalstadion endete.

Der Box-Champ selbst hat sich 1963 noch unter seinem Geburtsnamen Cassius Clay als Sänger versucht, mit einer Interpretation des berühmten Soul-Klassikers „Stand By Me“ von Ben E. King, die Singles-Auskopplung, die sich im Übrigen nicht auf dem Trikont-Sampler findet, ist der einzige Song seines Columbia-Albums „I Am the Greatest“, auf der sich Ali ansonsten mit seinen Spoken-Word-Reimen als unterhaltsamer Comedian gibt. Die Aufnahmen gelten als frühe Vorläufer des Rap und Hip Hop. Auf „Hits And Misses“ findet sich der Titel-Track der Monolog- und Gedichte-Sammlung.

„Hits And Misses – Muhammad Ali And The Ultimate Sound Of Fistfighting“ ist im September 2003 beim Münchner Independent-Label Trikont erschienen und nach wie vor als CD im gut sortierten Fachhandel sowie als Download über die Label-Homepage erhältlich.

Soul Family Tree (49): Don’t Believe The Hype

Nach längerer Pause heute wieder Black Friday mit einem Gastbeitrag von Stefan Haase vom Hamburger Freiraum-Blog, here we go:

Der amerikanische Sänger Clarence Fountain, Mitbegründer des legendären Ensembles Five Blind Boys Of Alabama, ist vor einigen Wochen im Alter von 88 Jahren gestorben. Er war einer der Großen des Gospels. Bereits als Schüler schloss er sich Ende der 1930er Jahre mit Freunden zusammen und gründete eine Vokalgruppe namens Happy Land Jubilee Singers. Der erste große Hit folgte 1948 mit „I Can See Everybody´s Mother But Mine“. Später benannte sich die Formation in Five Blind Boys Of Alabama um. Statt wie andere Vokalgruppen auf den Soul- oder Blues-Zug zu springen, blieben sie dem Gospel ein musikalisches Leben lang treu.
Sie engagierten sich in den 1960er Jahren in der Bürgerrechtsbewegung, spielten auf Veranstaltungen für Martin Luther King und feierten mit dem Musical „The Gospel of Colonus“ wie auch mit ihren eigenen Alben Erfolge. In den 2000er Jahren folgten mehrere Grammy-Preise und schließlich 2009 der Preis für ihr Lebenswerk.
Neben eigenen Werken arbeiteten die Blind Boys mit anderen Künstlern wie Lou Reed, Tom Waits, Bonnie Raitt oder K.D. Lang zusammen. Clarence Fountain stand noch bis 2007 auf der Bühne und im vergangenen Jahr erschien sein letztes Album „Almost Home“.

Five Blind Boys Of Alabama with Lou Reed in der Letterman-Show → youtube-Link

Bonnie Raitt and Five Blind Boys Of Alabama – When The Spell is Broken → youtube-Link

Five Blind Boys Of Alabama – Wade In The Water  → youtube-Link  

Jalal Mansur Nuriddin von den Last Poets wurde vom amerikanischen Geheimdienst überwacht und von Public Enemy und anderen Rap-Stars bewundert. Er hat mit den Lost Poets Anfang der Siebziger das vermutlich erste Rap-Album aufgenommen. Vor einigen Wochen ist er im Alter von 73 Jahren gestorben.
Jalal Mansur Buriddim haute seine Texte unter dem Pseudonym Lightnin‘ Rod mit Schärfe heraus, in einer Form, die man zuvor so noch nicht gehört hatte. 1973 erschien das Album „Hustler’s Convention“. Die LP wurde ein Flop und gehört dennoch neben Marvin Gayes „Inner City Blues“ und Gil Scott-Herons „The Revolution Will Not Be Televised“ zu den wichtigsten Alben der 1970er Jahre, es definierte bereits den Gangsta-Rap, obwohl es diesen Namen für den Stil noch gar nicht gab. Die Lost Poets waren Vorreiter. Sie suchten keine Melodien mehr, sondern legten über harten Jazz-Funk Schusswaffengeräusche. Das Album wurde später einer der großen Einflüsse für den Hip-Hop. Grandmaster Flash spielte als DJ Tracks davon und Chuck D. von Public Emeny feierte das Album als immer gültige „Landkarte des Gettos“. Später sampelten die Beastie Boys, der Wu-Tang Clan und andere einzelne Passagen aus diesem Album.
Die Botschaft war klar: „The real hustlers were rippin‘ off billions / From the unsuspecting millions“. Die Verbrecher hängen nicht auf der Straße ab, sie sitzen in den Konzernen. Die Last Poets forderten schon Anfang der 1970er Jahre „Wake Up Niggers“. Der Erfolg blieb dennoch aus. Durch den Hip Hop in den 1980er Jahren erinnerten sich viele Künstler wieder an die Lost Poets.

The Last Poets – Hustler’s Convention (Album 1973) → youtube-Link

Am 28. Juni 1988 erschien das Album „It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back“ von Public Enemy. Es sollte das Hip-Hop-Album werden, das den Hip Hop auf ein neues Level brachte, unzählige andere Künstler inspirierte und damals der meistverkaufte Mega-Seller der Sparte war. 30 Jahre sind eine lange Zeit. Dennoch sind die Zeilen von Chuck D beispielsweise in „Don’t Believe The Hype“ ein zeitloses Dokument. Dieses Album war wie ein Erdbeben, ein ganz großer Wurf.
Das lag zum einen am Sound und der hier erstmals eingesetzten revolutionären Sample-Technik. Public Enemy orientierten sich musikalisch an Bands wie Run D.M.C., was die Musik betraf. Darüber hinaus wollten sie sozialkritische und politische Texte vortragen, und sie legten bereits bei ihrem Debüt den Finger in die Wunde der Probleme der afroamerikanischen Gesellschaft.
Hank Shocklee/The Bomb Squad war seiner Zeit der Phil Spector des Hip Hops. Seine Sample-Technik: einmalig. Hier wurden neben musikalischen Samples auch Audio-Aufnahmen von beispielsweise Martin Luther King eingefügt, durch das Sampling gewinnt man den Eindruck, dass sich die Songs alle paar Sekunden verändern. Der Old School Rap wurde mit diesem Album begraben und eine neue Ära begann. Es ist ein wütendes Album, das dem Zorn der Farbigen eine Stimme gab und laut nach Veränderungen rief. Anfang der 1990er Jahre wurde „Bring The Noise“ zusammen mit der Thrash Metal Band Anthrax neu eingespielt. Und mit dem Def-Jam-Label von Rick Rubin hatte man zudem einen weiteren genialen Partner an der Seite. Insgesamt und als guter Einstieg in die Welt von Public Enemy sind ihre ersten drei Alben zu empfehlen: neben „It Takes A Nation Of Millions…“ das Debut „Yo! Bum Rush The Show“ (1987) und der Nachfolger „Fear Of A Black Planet“ (1990).

Public Enemy – It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back (Album) → youtube-Link

Public Enemy – Don´t Believe The Hype → youtube-Link

Zum Schluss noch zwei Radiosendungen zum nachhören. Gilles Peterson hatte in seiner Radio-Show in jüngster Zeit zweimal sehr interessante Gäste begrüßt. Zum einen den Multi-Instrumentalisten, Produzenten, Arrangeur und Komponisten Adrian Young, der untere anderem durch seine Zusammenarbeit mit Kendrick Lamar und A Tribe Called Quest bekannt wurde. In der Sendung stellt er sein neues Album vor.
Als zweiten Gast empfing Gilles Peterson Kamasi Wahsington. Viel ist zu seinem neuen Album geschrieben worden. Hier kommt er selbst zu Wort, und Musik vom neuen Album gibt es auch.

BBC Radio 6 – Gilles Peterson meets Adrian Young → BBC iPlayer-Link

BBC Radio 6 – Gilles Peterson meets Kamasi Washington → BBC iPlayer-Link

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum.

Soul Family Tree (42): Black & Proud – The Soul Of The Black Panther Era

„The theme song will not be written by Jim Webb or Francis Scott Key
Nor sung by Glen Campbell, Tom Jones, Johnny Cash or Engelbert Humperdinck.“
(Gil Scott-Heron, The Revolution Will Not Be Televised)

Fünfzig Jahre Achtundsechziger. Vor einem halben Jahrhundert: Weltweite Studenten-Proteste gegen den Vietnamkrieg und für ein freieres Leben; der vom Frost des Moskauer Winters im Keim erstickte „Prager Frühling“; das 1966 in China unter dem Euphemismus der „Kulturrevolution“ von Mao losgetretene, anarchistische Morden der Roten Garden kommt zum Stillstand, der große Vorsitzende lässt die in Ungnade gefallene jugendliche Avantgarde zum Tod-Schuften und Verhungern in Landkommunen und Fabriken verschwinden – Das Jahr 1968: dieser Tage in Sonderbeiträgen, im Feuilleton und ausgedehnten Abhandlungen ausgiebigst dokumentiert und hinsichtlich seiner heutigen gesellschaftlichen und kulturellen Relevanz mehr oder weniger bis zum Erbrechen kontrovers durchdiskutiert (Rainald Grebe kam da in seinem vernichtenden Urteil über dieses Jahr mit einem Viereinhalb-Minuten-Song weitaus schneller zum Punkt, das nur am Rande).
1968 ist auch das Jahr der politischen Morde in den USA. Am 4. April wird der schwarze Civil-Rights-Aktivist und Prediger Martin Luther King in Memphis/Tennessee erschossen, wenige Wochen später fällt Robert F. Kennedy einem Attentat in Los Angeles zum Opfer, der demokratische Bewerber um das Präsidentenamt galt aufgrund seiner liberalen Ansichten und seinem Engagement für Bürgerrechte auch bei der afroamerikansichen Bevölkerung als Hoffnungsträger.
Ausgelöst durch den King-Mord werden amerikanische Metropolen wie Chicago, Baltimore, Detroit, New York und Washington D.C. in den folgenden Monaten von Bürgerkriegs-ähnlichen Unruhen erschüttert, eine Welle der Verwüstung und Gewalt ersteckt sich über mehr als 125 US-Städte, zahlreiche Menschen verlieren ihr Leben.

„Grundlage war der zweite Zusatz zur Verfassung der Vereinigten Staaten, verabschiedet 1791: ‚Das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, darf nicht beeinträchtigt werden.‘ Das sprach Bobby Seale am 2. März 1967 in die TV-Kameras, als er mit dreißig uniformierten und bewaffneten Mitgliedern der Black Panther Party die Stufen des Capitols in Sacramento, Kalifornien, hinaufging, während sich unten auf dem Rasen Gouverneur Ronald Reagan erschreckte, als er gerade eine Rede vor Jugendlichen hielt.“
(Christof Meueler mit Franz Dobler, Die Trikont-Story, Walk Tall!)

Maßgeblich involviert in die Protestaktionen, Demonstrationen und Aufmärsche war die 1966 im Nachgang zur Ermordung an Malcolm X gegründete sozialistische Black Panther Party, die sich den Kampf gegen Rassismus und Imperialismus, für die Rechte der Schwarzen auf die Fahnen geschrieben hatte. „Black Power“ lautete die Devise, die Taktik der Gewaltlosigkeit aus der King-Ära im Kampf für Bürgerrechte und Chancengleichheit war Geschichte, die afroamerikanische Jugend radikalisierte sich und die Panther holten sich ihre Inspiration für den bewaffneten Widerstand durch Studium der revolutionären Schriften aus der Feder von Ernesto „Che“ Guevara, Mao Zedong oder eben Malcolm X.

Zwei Tage nach dem King-Mord wird der Panther-Aktivist Bobby Hutton bei einer Auseinandersetzung mit der Polizei in Oakland getötet. Hutton wurde als Märtyrer stilisiert, seine Ermordung galt als Beispiel für die Polizei-Brutalität gegen die schwarze Bevölkerung, dabei verschwiegen die Panther, dass ein Duzend ihrer Aktivisten der Polizei in einem Gebäude in West Oakland in einem Hinterhalt auflauerte und an der Schießerei maßgeblich beteiligt war.
Die Gruppierung wurde vom notorisch paranoiden FBI-Direktor J. Edgar Hoover als „the greatest threat to the internal security of the country“ bezeichnet und dementsprechend von US-Bundes-Ermittlungsbehörden bekämpft, verfolgt und unterwandert.
Die Black Panther Party war von 1966 bis 1982 in den Vereinigten Staaten aktiv und hatte zwischenzeitlich Ableger in Algerien und Großbritannien. Während ihrer aktiven Zeit wurden an die 40 Mitglieder in Konflikten mit der Staatsgewalt oder in Partei-internen Auseinandersetzungen getötet. Einige Aktivisten verbüßen bis heute lebenslange Haftstrafen in amerikanischen Gefängnissen. Zu ihren prominentesten Partei-Mitgliedern zählte der Bürgerrechtler Stokely Carmichael, der nach der King-Ermordung zum Guerilla-Kampf in den USA aufrief, die kurzzeitige Panther-Aktivistin, Wissenschaftlerin und KPUSA-Politikerin Angela Davis und die Partei-Gründer/-Führer Huey P. Newton, Eldridge Cleaver und Bobby Seale.

„Das hat mich an Amerika und speziell der schwarzen Kultur immer fasziniert. Bei uns ist alles so eng und festgelegt, in Amerika kannst du dich ständig neu erfinden. Du kannst Sklave und Superboss sein, du kannst wie Sun Ra ins Weltall fliegen oder aus dem Weltall kommen (…) Oder Bobby Seale, der Mitbegründer der Black Panther, einer weltweit anerkannten politischen Bewegung. Der findet nichts dabei, wenn er eine Barbecue-Sauce verkauft und im Fernsehen eine Kochshow hat. Ich möchte mal die RAF-Leute sehen, die im Fernsehen irgendwelche Salate machen und den Leuten erklären, was sie für geile Saucen dazu kaufen können.“
(Jonathan Fischer)

Die Forderungen und Slogans der Black Panther inspirieren seit den späten Sechzigern bis heute unzählige Soul-, Reggae-, Jazz- und Hip-Hop-/Rap-Musiker in den Aussagen ihrer Songs und fanden ihren Widerhall im Selbstbewusstsein Muhammad Alis, der Politik Jesse Jacksons oder aktuell in der „Black Lives Matter“-Bewegung. Den Soundtrack der Bewegung hat – wie sollte es anders sein – Compilation-Spezialist und Soul-Kenner Jonathan Fischer 2002 in den zwei hörenswerten Ausgaben der „Black & Proud – The Soul Of The Black Panther Era“-Sampler für das Münchner Indie-Label Trikont inklusive ausführlichen Booklets mit der Geschichte der radikalen Black-Power-Partei und Würdigung der vorgestellten Musiker zusammengestellt, initiiert durch Interviews, die Fischer in New York mit einigen ehemaligen Aktivisten der Black-Panther-Bewegung führte.
Eine Sammlung von harten Soul-Songs und Funk, Reggae und Jazz mit einer eindeutigen Message, mit politischer Stellungnahme und Unterstützung für die Belange der militanten Bürgerrechtsbewegung, in dem Zusammenhang drängte sich einer wie Gil Scott-Heron förmlich auf, dementsprechend finden sich Beiträge des Spoken-Word-Performers, Soul/Jazz-Lyrikers und politisch wie sozial engagierten Proto-Rappers aus Chicago gleich mehrfach auf den „Black & Proud“-Samplern, der Song „The Revolution Will Not Be Televised“, quasi das inoffizielle Motto der Panther, wurde hier bereits von Stefan im Soul Family Tree 10 vorgestellt. Die „Full Band“-Version des Songs ist auf dem ersten Studio-Album „Pieces Of A Man“ von Scott-Heron aus dem Jahr 1971 enthalten, hier findet sich auch seine Hommage an die Jazz-Größen Billie Holiday und John Coltrane, der Text beleuchtet den Vorzug der Musik, die Menschen von ihren persönlichen Problemen und täglichen Sorgen abzulenken, oder, wie Jonathan Fischer in seinem Begleittext treffend anmerkt: „Geistige Freiheit als Gegengift zur spezifisch amerikanischen Form der Paranoia“.

Sozusagen die Vereinshymne steuert die Formation The Last Poets mit der Nummer „Panther“ vom Album „Time Has Come“ bei. Die Last Poets sind eine bis heute aktive Gruppierung von Dichtern und Musikern, die 1968 im Zuge der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung als radikale Gruppe New Yorker Black Muslims in Harlem zusammenfand. Der Bandname ist einem Gedicht des südafrikanischen Dichters Keorapetse Kgositsile entlehnt. Maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Hip Hop hatte der Vietnam-Kriegsdienstverweigerer und Poets-Mitbegründer Jalaluddin Mansur Nuriddin mit seiner frühen Form des Sprechgesangs, er wird in der Fachpresse des Öfteren als „The Grandfather Of Rap“ betitelt – „With their politically charged raps, taut rhythms, and dedication to raising African-American consciousness, the Last Poets almost single-handedly laid the groundwork for the emergence of hip-hop“, merkt der Kritiker Jason Ankeny im Allmusic-Portal an. In ihrem Song „Rain Of Terror“ riefen die Last Poets zum Support der Black Panther Party auf, ihre politischen Texte Anfang der Siebziger führten zur zwischenzeitlichen geheimdienstlichen Überwachung des Künstler-Kollektivs durch das FBI. Die Geschichte der Last Poets wäre sicher einen ausführlicheren eigenen Beitrag in der Soul-Family-Tree-Reihe wert.

Eine der herausragendsten Nummern der ersten Ausgabe stammt vom Chor einer Schule aus Rochester/New York, mit dem Song über den Godfather Of Soul „James Brown“ vom Album „Ghetto Reality“, der sich nicht recht zwischen Hommage und angedeuteter Persiflage des Gesangs-Stils der großen Soul-Legende entscheiden kann. Das Stück schaffte es Jahrzehnte später mit Hilfe des Trikont-Samplers auf Platz 1 der Blatt-internen Playlist des renommierten britischen Mojo-Magazins.
Die Formation war ein von der afroamerikanischen Lehrerin Nancy Dupree initiierter Schüler-Chor, die Pädagogin artikulierte mit ihren Kompositionen, welchen Stellenwert die schwarzen Musik-Ikonen für die Gesellschaft hatten und welche charakterlichen Stärken jedes Kind grundsätzlich mit sich bringt („What do I have? Guts…heart…and soul“), mit ihren Texten forderte sie die Bürgerrechte für Schwarze in den USA ein. Das Album „Ghetto Reality“ wurde 1970 von Asch/Folkways veröffentlicht, es blieb Nancy Duprees einziger Musik-Tonträger, daneben erschienen von ihr zwei weitere Alben in den Siebzigern mit Spoken-Word-Aufnahmen ihrer Gedichte.

Mit Sylvester „Syl“ Johnson ist ein altgedienter R&B- und Blues-Musiker aus dem Mississippi-Delta auf dem zweiten Teil der Sammlungen vertreten, „Black & Proud“-Herausgeber Jonathan Fischer wählte die schwer in Richtung Soul driftende Nummer „I’m Talking ‚bout Freedom“ vom 1970er-Album „Is It Because I’m Black?“ des Blues-Gitarristen und Produzenten, der bereits in den fünfziger Jahren in Chicago mit Legenden wie Howlin‘ Wolf, Junior Wells und Jimmy Reed zusammenspielte.
Ab Mitte der Achtziger verabschiedete sich Johnson weitgehend von der Musik und betrieb für etliche Jahre ein Fisch-Restaurant. 1992 wurde sein Song „Different Strikes“ von Public Enemy, Wu-Tang Clan und anderen Rap-Größen gesampelt, was sein eigenes Interesse an einem Comeback befeuerte und ihn wieder Platten aufnehmen und auftreten ließ. Etliche weitere seiner Songs wurden von Hip-Hop-Acts verwendet, Johnson beklagte sich im Nachgang vehement über Copyright-Verletzungen und geistigen Diebstahl.

Neben prominenteren Soul-, Funk- und Reggae-Musikern und -Bands wie Curtis Mayfield, Marvin Gaye, Gil Scott-Heron oder den Staple Singers finden sich auf den beiden Alben auch unbekanntere (Wieder-)Entdeckungen wie der unter dem Namen Darondo auftretende kalifornische Soul-/Funk-Sänger William Daron Pulliam, der mit dem Rare-Grove-Titel „Let My People Go“ an das biblische Gleichnis von Moses erinnert, der sein Volk aus der Gefangenschaft führt.
Der von Soul-Fans hochgeschätzte Musiker soll sich im Nebenerwerb als Zuhälter verdingt haben, was von ihm selbst zu Lebzeiten stets bestritten wurde. In den frühen Siebzigern trat er im Vorprogramm von James Brown und Sly Stone auf, insgesamt waren seine Erfolge im Musik-Business überschaubar. Ende der Achtziger ließ er sich zum Physiotherapeuten ausbilden. Sein Song „Didn’t I“ war in der ersten Staffel der amerikanischen Erfolgs-TV-Serie „Breaking Bad“ zu hören. 2013 ist William Daron Pulliam/Darondo im Alter von 66 Jahren einem Herzinfarkt erlegen.

Die beiden Ausgaben von „Black & Proud – The Soul Of The Black Panther Era“ sind 2002 beim Münchner Indie-Label Trikont erschienen und nach wie vor bei der Plattenfirma selbst oder im gut sortierten Versand-/Fachhandel erhältlich.

Link: „Ich werde immer noch vom FBI überwacht“ – Interview von Jonathan Fischer mit Bobby Seale auf SPIEGEL ONLINE, 2. Mai 2007

Soul Family Tree (11): Etta James, Muddy Waters, King Curtis, David Ruffin, Nina Simone, Aretha Franklin, Curtis Mayfield

Black Friday: In das wohlverdiente Wochenende gegroovt mit einem weiteren Gastbeitrag von Soulbrother Stefan Haase vom Hamburger Freiraum-Blog, here we go:

Heute gibt es eine Extra-Portion Blues und R&B mit Muddy Waters und Etta James, ein heißes Soul Stew mit King Curtis, Entschleunigendes von David Ruffin (ex- Leadsänger der Temptations) und den ersten Teil der angekündigten Hymnen der Bürgerrechtsbewegung von Nina SimoneAretha Franklin und Curtis Mayfield & The Impressions.

Blättert man in den Alben mit Blues-Musik, so liest man oft den Namen Willie Dixon. Neben Muddy Waters war er ein Gründer und großer Beeinflusser des Chicago Blues. Willie Dixon war eine Songfabrik. Er hat so viele und bleibende wie auch zeitlose Klassiker geschrieben. „I Just Want To Make Love To You“, aus der Feder von Dixon, wurde erstmals 1954 von Muddy Waters als „Just Make Love To Me“ aufgenommen. Später nahm Muddy Waters den Song mit der E-Gitarre und mehr Wums für sein 1968er-Album „Electric Mud“ auf.

Und weil es so viele gute Versionen von diesem Song gibt, hier die Zugabe. Die legendäre Etta James, die vielleicht beste R&B Sängerin überhaupt, mit ihrer Version. Aufgenommen Live in Montreux 1993.

Weiter geht es mit einem heißen Memphis Soul Stew von King Curtis und einem der besten Live-Alben aller Zeiten: „Live At The Filmore West“. Curtis Ousley (1934-1971), besser bekannt als King Curtis, war bekannt für seine virtuose Art, Rhythm und Blues, Rock ’n‘ Roll, Soul, Blues, Funk und Jazz zusammenzufügen zu einem eigenen Stil. Mit seiner Band Kingpins war er zudem die Backing Band von Aretha Franklin.

„Live At The Fillmore West“ ist ein Live-Album aus dem Jahre 1971. Zu hören ist ein Konzert von King Curtis zusammen mit den Kingpins, aufgenommen im März 1971, wo er zuvor Aretha Franklin als Begleitband unterstützte. Nur eine Woche nach der Veröffentlichung starb King Curtis. Das Album beginnt mit seiner eigenen Komposition „Memphis Soul Stew“. Der Rest vom Album sind Coverversionen bekannter Rock- und Soul-Aufnahmen. Es ist bis heute eines der besten Live-Alben aller Zeiten.

Etwas ruhiger wird es mit dem Sänger David Ruffin und der vielleicht besten Version vom bekannten Song „Rainy Night In Georgia“. Tony Joe White schrieb den Song in den 1960er Jahren und Brook Benton machte ihn kommerziell erfolgreich. David Ruffin gehörte zu den Sängern, die alles singen konnten. Er war einige Jahre der Leadsänger der Temptations. In den 1970er/1980er- Jahren nahm er zahlreiche Alben auf und hatte einige Hits. Mit nur 50 Jahren starb er bereits 1991.

Wie schon angekündigt, startet heute eine neue kleine Serie mit Liedern und Hymnen der Bürgerrechtsbewegung. Zum einen jähren sich in diesem Jahrzehnt viele Ereignisse zum 50. Mal und zum anderen, mit Blick auf das heutige Amerika, kommt einem vieles bekannt vor. Manche Probleme von damals sind heute noch aktuell.

„I wish I could say
All the things that I should say
Say ‚em loud say ‚em clear
For the whole round world to hear…“

Los geht es mit Nina Simone und ihrem Song „(I Wish I Knew How) It Would Feel to Be Free“ von ihrem Album „From Heart and Soul“ von 1972. Viele aus der damaligen Zeit beschrieben Nina als die Stimme der Civil Rights Movement. Während ihr Song „Mississippi Goddamn“ die Wut beschrieb, auch ihre eigene, so ist „(I Wish I Knew How) It Would Feel to Be Free“ der emotionale Höhepunkt aus dieser Zeit.

„Hey, Hey
We’re movin‘ on up (movin‘ on up)
Lawd have mercy
We’re movin‘ on up (movin‘ on up)…“

Mit klassischen Songs wie „People Get Ready“, „Amen“, „Keep on Pushin“ hatte Curtis Mayfield mit den Impressions bereits einige Mainstream-Hits. Viele waren deswegen vom Song „We Are The Winner“ irritiert. Manche Radiostationen weigerten sich, den Song zu spielen. Damit begann auch ein weiterer Karriereschritt von Curtis Mayfield.

„When you feelin‘ real low
Here’s a great truth you should remember and know
That you’re young, gifted, and black
You got your soul intact, oh, and that’s a fact…“

Die Stimme von Aretha Franklin wurde von der Bürgerrechtsbewegung in den 1960er Jahren oft genutzt. Doch ihren politischsten Song veröffentlichte sie erst 1972. Das Stück „Young, gifted, And Black“ von Nina Simone wurde in ihrer Interpretation zu einer Hymne.

Beim nächsten Mal gibt es weitere Hymnen. Bis bald und Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum