Amerikanische Bürgerrechts-Bewegung

Soul Family Tree (42): Black & Proud – The Soul Of The Black Panther Era

„The theme song will not be written by Jim Webb or Francis Scott Key
Nor sung by Glen Campbell, Tom Jones, Johnny Cash or Engelbert Humperdinck.“
(Gil Scott-Heron, The Revolution Will Not Be Televised)

Fünfzig Jahre Achtundsechziger. Vor einem halben Jahrhundert: Weltweite Studenten-Proteste gegen den Vietnamkrieg und für ein freieres Leben; der vom Frost des Moskauer Winters im Keim erstickte „Prager Frühling“; das 1966 in China unter dem Euphemismus der „Kulturrevolution“ von Mao losgetretene, anarchistische Morden der Roten Garden kommt zum Stillstand, der große Vorsitzende lässt die in Ungnade gefallene jugendliche Avantgarde zum Tod-Schuften und Verhungern in Landkommunen und Fabriken verschwinden – Das Jahr 1968: dieser Tage in Sonderbeiträgen, im Feuilleton und ausgedehnten Abhandlungen ausgiebigst dokumentiert und hinsichtlich seiner heutigen gesellschaftlichen und kulturellen Relevanz mehr oder weniger bis zum Erbrechen kontrovers durchdiskutiert (Rainald Grebe kam da in seinem vernichtenden Urteil über dieses Jahr mit einem Viereinhalb-Minuten-Song weitaus schneller zum Punkt, das nur am Rande).
1968 ist auch das Jahr der politischen Morde in den USA. Am 4. April wird der schwarze Civil-Rights-Aktivist und Prediger Martin Luther King in Memphis/Tennessee erschossen, wenige Wochen später fällt Robert F. Kennedy einem Attentat in Los Angeles zum Opfer, der demokratische Bewerber um das Präsidentenamt galt aufgrund seiner liberalen Ansichten und seinem Engagement für Bürgerrechte auch bei der afroamerikansichen Bevölkerung als Hoffnungsträger.
Ausgelöst durch den King-Mord werden amerikanische Metropolen wie Chicago, Baltimore, Detroit, New York und Washington D.C. in den folgenden Monaten von Bürgerkriegs-ähnlichen Unruhen erschüttert, eine Welle der Verwüstung und Gewalt ersteckt sich über mehr als 125 US-Städte, zahlreiche Menschen verlieren ihr Leben.

„Grundlage war der zweite Zusatz zur Verfassung der Vereinigten Staaten, verabschiedet 1791: ‚Das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, darf nicht beeinträchtigt werden.‘ Das sprach Bobby Seale am 2. März 1967 in die TV-Kameras, als er mit dreißig uniformierten und bewaffneten Mitgliedern der Black Panther Party die Stufen des Capitols in Sacramento, Kalifornien, hinaufging, während sich unten auf dem Rasen Gouverneur Ronald Reagan erschreckte, als er gerade eine Rede vor Jugendlichen hielt.“
(Christof Meueler mit Franz Dobler, Die Trikont-Story, Walk Tall!)

Maßgeblich involviert in die Protestaktionen, Demonstrationen und Aufmärsche war die 1966 im Nachgang zur Ermordung an Malcolm X gegründete sozialistische Black Panther Party, die sich den Kampf gegen Rassismus und Imperialismus, für die Rechte der Schwarzen auf die Fahnen geschrieben hatte. „Black Power“ lautete die Devise, die Taktik der Gewaltlosigkeit aus der King-Ära im Kampf für Bürgerrechte und Chancengleichheit war Geschichte, die afroamerikanische Jugend radikalisierte sich und die Panther holten sich ihre Inspiration für den bewaffneten Widerstand durch Studium der revolutionären Schriften aus der Feder von Ernesto „Che“ Guevara, Mao Zedong oder eben Malcolm X.

Zwei Tage nach dem King-Mord wird der Panther-Aktivist Bobby Hutton bei einer Auseinandersetzung mit der Polizei in Oakland getötet. Hutton wurde als Märtyrer stilisiert, seine Ermordung galt als Beispiel für die Polizei-Brutalität gegen die schwarze Bevölkerung, dabei verschwiegen die Panther, dass ein Duzend ihrer Aktivisten der Polizei in einem Gebäude in West Oakland in einem Hinterhalt auflauerte und an der Schießerei maßgeblich beteiligt war.
Die Gruppierung wurde vom notorisch paranoiden FBI-Direktor J. Edgar Hoover als „the greatest threat to the internal security of the country“ bezeichnet und dementsprechend von US-Bundes-Ermittlungsbehörden bekämpft, verfolgt und unterwandert.
Die Black Panther Party war von 1966 bis 1982 in den Vereinigten Staaten aktiv und hatte zwischenzeitlich Ableger in Algerien und Großbritannien. Während ihrer aktiven Zeit wurden an die 40 Mitglieder in Konflikten mit der Staatsgewalt oder in Partei-internen Auseinandersetzungen getötet. Einige Aktivisten verbüßen bis heute lebenslange Haftstrafen in amerikanischen Gefängnissen. Zu ihren prominentesten Partei-Mitgliedern zählte der Bürgerrechtler Stokely Carmichael, der nach der King-Ermordung zum Guerilla-Kampf in den USA aufrief, die kurzzeitige Panther-Aktivistin, Wissenschaftlerin und KPUSA-Politikerin Angela Davis und die Partei-Gründer/-Führer Huey P. Newton, Eldridge Cleaver und Bobby Seale.

„Das hat mich an Amerika und speziell der schwarzen Kultur immer fasziniert. Bei uns ist alles so eng und festgelegt, in Amerika kannst du dich ständig neu erfinden. Du kannst Sklave und Superboss sein, du kannst wie Sun Ra ins Weltall fliegen oder aus dem Weltall kommen (…) Oder Bobby Seale, der Mitbegründer der Black Panther, einer weltweit anerkannten politischen Bewegung. Der findet nichts dabei, wenn er eine Barbecue-Sauce verkauft und im Fernsehen eine Kochshow hat. Ich möchte mal die RAF-Leute sehen, die im Fernsehen irgendwelche Salate machen und den Leuten erklären, was sie für geile Saucen dazu kaufen können.“
(Jonathan Fischer)

Die Forderungen und Slogans der Black Panther inspirieren seit den späten Sechzigern bis heute unzählige Soul-, Reggae-, Jazz- und Hip-Hop-/Rap-Musiker in den Aussagen ihrer Songs und fanden ihren Widerhall im Selbstbewusstsein Muhammad Alis, der Politik Jesse Jacksons oder aktuell in der „Black Lives Matter“-Bewegung. Den Soundtrack der Bewegung hat – wie sollte es anders sein – Compilation-Spezialist und Soul-Kenner Jonathan Fischer 2002 in den zwei hörenswerten Ausgaben der „Black & Proud – The Soul Of The Black Panther Era“-Sampler für das Münchner Indie-Label Trikont inklusive ausführlichen Booklets mit der Geschichte der radikalen Black-Power-Partei und Würdigung der vorgestellten Musiker zusammengestellt, initiiert durch Interviews, die Fischer in New York mit einigen ehemaligen Aktivisten der Black-Panther-Bewegung führte.
Eine Sammlung von harten Soul-Songs und Funk, Reggae und Jazz mit einer eindeutigen Message, mit politischer Stellungnahme und Unterstützung für die Belange der militanten Bürgerrechtsbewegung, in dem Zusammenhang drängte sich einer wie Gil Scott-Heron förmlich auf, dementsprechend finden sich Beiträge des Spoken-Word-Performers, Soul/Jazz-Lyrikers und politisch wie sozial engagierten Proto-Rappers aus Chicago gleich mehrfach auf den „Black & Proud“-Samplern, der Song „The Revolution Will Not Be Televised“, quasi das inoffizielle Motto der Panther, wurde hier bereits von Stefan im Soul Family Tree 10 vorgestellt. Die „Full Band“-Version des Songs ist auf dem ersten Studio-Album „Pieces Of A Man“ von Scott-Heron aus dem Jahr 1971 enthalten, hier findet sich auch seine Hommage an die Jazz-Größen Billie Holiday und John Coltrane, der Text beleuchtet den Vorzug der Musik, die Menschen von ihren persönlichen Problemen und täglichen Sorgen abzulenken, oder, wie Jonathan Fischer in seinem Begleittext treffend anmerkt: „Geistige Freiheit als Gegengift zur spezifisch amerikanischen Form der Paranoia“.

Sozusagen die Vereinshymne steuert die Formation The Last Poets mit der Nummer „Panther“ vom Album „Time Has Come“ bei. Die Last Poets sind eine bis heute aktive Gruppierung von Dichtern und Musikern, die 1968 im Zuge der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung als radikale Gruppe New Yorker Black Muslims in Harlem zusammenfand. Der Bandname ist einem Gedicht des südafrikanischen Dichters Keorapetse Kgositsile entlehnt. Maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Hip Hop hatte der Vietnam-Kriegsdienstverweigerer und Poets-Mitbegründer Jalaluddin Mansur Nuriddin mit seiner frühen Form des Sprechgesangs, er wird in der Fachpresse des Öfteren als „The Grandfather Of Rap“ betitelt – „With their politically charged raps, taut rhythms, and dedication to raising African-American consciousness, the Last Poets almost single-handedly laid the groundwork for the emergence of hip-hop“, merkt der Kritiker Jason Ankeny im Allmusic-Portal an. In ihrem Song „Rain Of Terror“ riefen die Last Poets zum Support der Black Panther Party auf, ihre politischen Texte Anfang der Siebziger führten zur zwischenzeitlichen geheimdienstlichen Überwachung des Künstler-Kollektivs durch das FBI. Die Geschichte der Last Poets wäre sicher einen ausführlicheren eigenen Beitrag in der Soul-Family-Tree-Reihe wert.

Eine der herausragendsten Nummern der ersten Ausgabe stammt vom Chor einer Schule aus Rochester/New York, mit dem Song über den Godfather Of Soul „James Brown“ vom Album „Ghetto Reality“, der sich nicht recht zwischen Hommage und angedeuteter Persiflage des Gesangs-Stils der großen Soul-Legende entscheiden kann. Das Stück schaffte es Jahrzehnte später mit Hilfe des Trikont-Samplers auf Platz 1 der Blatt-internen Playlist des renommierten britischen Mojo-Magazins.
Die Formation war ein von der afroamerikanischen Lehrerin Nancy Dupree initiierter Schüler-Chor, die Pädagogin artikulierte mit ihren Kompositionen, welchen Stellenwert die schwarzen Musik-Ikonen für die Gesellschaft hatten und welche charakterlichen Stärken jedes Kind grundsätzlich mit sich bringt („What do I have? Guts…heart…and soul“), mit ihren Texten forderte sie die Bürgerrechte für Schwarze in den USA ein. Das Album „Ghetto Reality“ wurde 1970 von Asch/Folkways veröffentlicht, es blieb Nancy Duprees einziger Musik-Tonträger, daneben erschienen von ihr zwei weitere Alben in den Siebzigern mit Spoken-Word-Aufnahmen ihrer Gedichte.

Mit Sylvester „Syl“ Johnson ist ein altgedienter R&B- und Blues-Musiker aus dem Mississippi-Delta auf dem zweiten Teil der Sammlungen vertreten, „Black & Proud“-Herausgeber Jonathan Fischer wählte die schwer in Richtung Soul driftende Nummer „I’m Talking ‚bout Freedom“ vom 1970er-Album „Is It Because I’m Black?“ des Blues-Gitarristen und Produzenten, der bereits in den fünfziger Jahren in Chicago mit Legenden wie Howlin‘ Wolf, Junior Wells und Jimmy Reed zusammenspielte.
Ab Mitte der Achtziger verabschiedete sich Johnson weitgehend von der Musik und betrieb für etliche Jahre ein Fisch-Restaurant. 1992 wurde sein Song „Different Strikes“ von Public Enemy, Wu-Tang Clan und anderen Rap-Größen gesampelt, was sein eigenes Interesse an einem Comeback befeuerte und ihn wieder Platten aufnehmen und auftreten ließ. Etliche weitere seiner Songs wurden von Hip-Hop-Acts verwendet, Johnson beklagte sich im Nachgang vehement über Copyright-Verletzungen und geistigen Diebstahl.

Neben prominenteren Soul-, Funk- und Reggae-Musikern und -Bands wie Curtis Mayfield, Marvin Gaye, Gil Scott-Heron oder den Staple Singers finden sich auf den beiden Alben auch unbekanntere (Wieder-)Entdeckungen wie der unter dem Namen Darondo auftretende kalifornische Soul-/Funk-Sänger William Daron Pulliam, der mit dem Rare-Grove-Titel „Let My People Go“ an das biblische Gleichnis von Moses erinnert, der sein Volk aus der Gefangenschaft führt.
Der von Soul-Fans hochgeschätzte Musiker soll sich im Nebenerwerb als Zuhälter verdingt haben, was von ihm selbst zu Lebzeiten stets bestritten wurde. In den frühen Siebzigern trat er im Vorprogramm von James Brown und Sly Stone auf, insgesamt waren seine Erfolge im Musik-Business überschaubar. Ende der Achtziger ließ er sich zum Physiotherapeuten ausbilden. Sein Song „Didn’t I“ war in der ersten Staffel der amerikanischen Erfolgs-TV-Serie „Breaking Bad“ zu hören. 2013 ist William Daron Pulliam/Darondo im Alter von 66 Jahren einem Herzinfarkt erlegen.

Die beiden Ausgaben von „Black & Proud – The Soul Of The Black Panther Era“ sind 2002 beim Münchner Indie-Label Trikont erschienen und nach wie vor bei der Plattenfirma selbst oder im gut sortierten Versand-/Fachhandel erhältlich.

Link: „Ich werde immer noch vom FBI überwacht“ – Interview von Jonathan Fischer mit Bobby Seale auf SPIEGEL ONLINE, 2. Mai 2007

Soul Family Tree (11): Etta James, Muddy Waters, King Curtis, David Ruffin, Nina Simone, Aretha Franklin, Curtis Mayfield

Black Friday: In das wohlverdiente Wochenende gegroovt mit einem weiteren Gastbeitrag von Soulbrother Stefan Haase vom Hamburger Freiraum-Blog, here we go:

Heute gibt es eine Extra-Portion Blues und R&B mit Muddy Waters und Etta James, ein heißes Soul Stew mit King Curtis, Entschleunigendes von David Ruffin (ex- Leadsänger der Temptations) und den ersten Teil der angekündigten Hymnen der Bürgerrechtsbewegung von Nina SimoneAretha Franklin und Curtis Mayfield & The Impressions.

Blättert man in den Alben mit Blues-Musik, so liest man oft den Namen Willie Dixon. Neben Muddy Waters war er ein Gründer und großer Beeinflusser des Chicago Blues. Willie Dixon war eine Songfabrik. Er hat so viele und bleibende wie auch zeitlose Klassiker geschrieben. „I Just Want To Make Love To You“, aus der Feder von Dixon, wurde erstmals 1954 von Muddy Waters als „Just Make Love To Me“ aufgenommen. Später nahm Muddy Waters den Song mit der E-Gitarre und mehr Wums für sein 1968er-Album „Electric Mud“ auf.

Und weil es so viele gute Versionen von diesem Song gibt, hier die Zugabe. Die legendäre Etta James, die vielleicht beste R&B Sängerin überhaupt, mit ihrer Version. Aufgenommen Live in Montreux 1993.

Weiter geht es mit einem heißen Memphis Soul Stew von King Curtis und einem der besten Live-Alben aller Zeiten: „Live At The Filmore West“. Curtis Ousley (1934-1971), besser bekannt als King Curtis, war bekannt für seine virtuose Art, Rhythm und Blues, Rock ’n‘ Roll, Soul, Blues, Funk und Jazz zusammenzufügen zu einem eigenen Stil. Mit seiner Band Kingpins war er zudem die Backing Band von Aretha Franklin.

„Live At The Fillmore West“ ist ein Live-Album aus dem Jahre 1971. Zu hören ist ein Konzert von King Curtis zusammen mit den Kingpins, aufgenommen im März 1971, wo er zuvor Aretha Franklin als Begleitband unterstützte. Nur eine Woche nach der Veröffentlichung starb King Curtis. Das Album beginnt mit seiner eigenen Komposition „Memphis Soul Stew“. Der Rest vom Album sind Coverversionen bekannter Rock- und Soul-Aufnahmen. Es ist bis heute eines der besten Live-Alben aller Zeiten.

Etwas ruhiger wird es mit dem Sänger David Ruffin und der vielleicht besten Version vom bekannten Song „Rainy Night In Georgia“. Tony Joe White schrieb den Song in den 1960er Jahren und Brook Benton machte ihn kommerziell erfolgreich. David Ruffin gehörte zu den Sängern, die alles singen konnten. Er war einige Jahre der Leadsänger der Temptations. In den 1970er/1980er- Jahren nahm er zahlreiche Alben auf und hatte einige Hits. Mit nur 50 Jahren starb er bereits 1991.

Wie schon angekündigt, startet heute eine neue kleine Serie mit Liedern und Hymnen der Bürgerrechtsbewegung. Zum einen jähren sich in diesem Jahrzehnt viele Ereignisse zum 50. Mal und zum anderen, mit Blick auf das heutige Amerika, kommt einem vieles bekannt vor. Manche Probleme von damals sind heute noch aktuell.

„I wish I could say
All the things that I should say
Say ‚em loud say ‚em clear
For the whole round world to hear…“

Los geht es mit Nina Simone und ihrem Song „(I Wish I Knew How) It Would Feel to Be Free“ von ihrem Album „From Heart and Soul“ von 1972. Viele aus der damaligen Zeit beschrieben Nina als die Stimme der Civil Rights Movement. Während ihr Song „Mississippi Goddamn“ die Wut beschrieb, auch ihre eigene, so ist „(I Wish I Knew How) It Would Feel to Be Free“ der emotionale Höhepunkt aus dieser Zeit.

„Hey, Hey
We’re movin‘ on up (movin‘ on up)
Lawd have mercy
We’re movin‘ on up (movin‘ on up)…“

Mit klassischen Songs wie „People Get Ready“, „Amen“, „Keep on Pushin“ hatte Curtis Mayfield mit den Impressions bereits einige Mainstream-Hits. Viele waren deswegen vom Song „We Are The Winner“ irritiert. Manche Radiostationen weigerten sich, den Song zu spielen. Damit begann auch ein weiterer Karriereschritt von Curtis Mayfield.

„When you feelin‘ real low
Here’s a great truth you should remember and know
That you’re young, gifted, and black
You got your soul intact, oh, and that’s a fact…“

Die Stimme von Aretha Franklin wurde von der Bürgerrechtsbewegung in den 1960er Jahren oft genutzt. Doch ihren politischsten Song veröffentlichte sie erst 1972. Das Stück „Young, gifted, And Black“ von Nina Simone wurde in ihrer Interpretation zu einer Hymne.

Beim nächsten Mal gibt es weitere Hymnen. Bis bald und Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum

Joshua Rashaad McFadden: After Selma @ Amerikahaus

Fotos © by Joshua Rashaad McFadden / Mit freundlicher Genehmigung des Amerikahauses

We have marched from Selma, but fifty years later, where are we now?

Die Selma-nach-Montgomery-Märsche in Alabama im Jahr 1965 waren der Höhepunkt der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, die sich für die Gleichberechtigung der Afroamerikaner einsetzte. Einen Erfolg konnte die Protestbewegung verbuchen, als Präsident Johnson im Beisein von Martin Luther King und zahlreichen anderen Aktivisten am 6. August 1965 den Voting Rights Act im Washingtoner Kapitol unterzeichnete, wenige Monate nach Verabschiedung des Civil Rights Act zur Aufhebung der Rassentrennung in den USA im Jahr 1964.

Die preisgekrönte Ausstellung „After Selma“ zeigt im Amerikahaus München eindringliche Portrait-Fotos und Straßen-Aufnahmen von Joshua Rashaad McFadden mit aktuellen Szenen der Black-Lives-Matter-Bewegung, die denen von 1965 ähneln: Proteste gegen Rassismus und Gewalt gegen Schwarze – knapp 50 Jahre nach Selma, in jüngster Zeit ausgelöst durch Tötungen von schwarzen jungen Männern im Rahmen von Polizeikontrollen in Großstädten der USA und rassistisch motivierten Überfällen auf afroamerikanische Kirchengemeinden.
McFadden ist Fotograf und Aktivist. Er stellt mit seinen Bildern Fragen: When will African Americans truly be free in „The Land of the Free“? Er glaubt daran, dass Fotografien nicht nur soziales Unrecht dokumentieren, sondern auch die Art und Weise, wie Menschen über dieses denken, beeinflussen können. Darum hat er sich bei „After Selma“ bewusst für Schwarz-Weiß-Fotografien entschieden, um die gegenwärtige Black-Lives-Matter-Bewegung mit der Bürgerrechtsbewegung der Sechziger Jahre visuell zu verknüpfen. Tatsächlich ist oft nur an der Kleidung der fotografierten Personen zu erkennen, dass es sich nicht um eine historische Aufnahme handelt.

Joshua Rashaad McFadden wurde 2015 als eines der vielversprechendsten Fotografietalente von LensCulture ausgezeichnet. Im selben Jahr hat „After Selma“ den 1. Platz der International Photography Awards (IPA) in der Kategorie „Event – Social Cause“ belegt.

Passend zur Thematik der aktuellen Amerikahaus-Ausstellung wird Blogger-Freund Stefan Haase vom Hamburger Freiraum-Blog im Rahmen der gemeinsamen Black-Music-Serie „Soul Family Tree“ zukünftig in loser Folge Songs der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung vorstellen.

After Selma – Photography by Joshua Rashaad McFadden

Amerikahaus München, Barer Straße 19a
Bis 12. Mai 2017
Öffnungszeiten:
Montag – Freitag 10 – 17 Uhr
Mittwoch 10 – 20 Uhr
Eintritt Frei