Ampfing

Austin Miller + The Moonband @ Klienicum Hauskonzerte, Ampfing, 2016-04-09

Tag für Tag versorgt der Blogger Eike Klien die geneigte, für Neues offene Leser- und Hörerschaft dieser Welt auf seiner hervorragenden Seite „Das Klienicum“ mit Aktuellem, oft erst zu Entdeckendem, immer aber höchst Hörenswertem aus dem weiten Feld der Genres Folk / Indie / Alternative Country / Experiment.
Und sporadisch packt ihn der Rappel, dann lädt er sich einen Schwung talentierte Musikanten ins Haus, zaubert zusammen mit seiner Familie ein tolle kulinarische Versorgung für Gäste und Artisten, lässt den sympathischen Konzert-Techniker Flo Paul das Licht und die Rauchmaschine installieren und gibt vor allem jedem Besucher zusammen mit seiner ebenso enorm herzlichen wie bezaubernd-sympathischen Frau Katrin das Gefühl, als Gast in ihren Gemäuern hochwillkommen zu sein.
Der weite Weg von München über die B12 nach Ampfing (not Anzing) war wie im Jahr zuvor ein äußerst lohnender, mit dem Barden Austin Miller aus den Staaten und unseren Münchner Vorzeige-Folkern von der Moonband stand ein mehr als respektables Doppelpack für die Freunde von Wandergitarre und Songwriter-Kunst auf dem Programm.

Solistisch eröffnete der Mann aus Orlando/Florida mit dem beeindruckenden Rauschebart den stimmigen Abend im zum heimeligen Folk-Club umfunktionierten Klien-Wohnzimmer, bei lecker Getränke- und Schnittchen-Versorgung ließ es sich gut lauschen zu den wohligen, angenehmst zu Gemüte gehenden Americana-Songs von Austin Miller, die mit viel Herzblut, engagiertem Gesang und gepflegtem Akustikgitarren-Anschlag vorgetragenen Nummern wussten einzunehmen und zu überzeugen. Perlen wie das beseelte „Bags At The Door“ vom im vergangenen März erschienenen Album ‚Engine‘ (2016, Eigenvertrieb), „Sittin‘ On Top Of The World“ als Reminiszenz an Bluegrass-Legende Doc Watson oder neue Nummern, die bisher ohne Titel auskommen müssen und bei denen Miller das Publikum um Vorschläge für die Benamung bat, der Künstler konnte mit der gesamten Bandbreite seines Materials in seiner ruhigen, aber nie unhumorigen Art vollends überzeugen.
(*****)

Im Rahmen seiner Europatournee ist Austin Miller heute und in den nächsten Tagen zu folgenden Terminen zu genießen:
12.04. Prag, Basement Bar
13.04. Dresden, Karambolage
14.04. Leipzig, Dr. Seltsam
15.04. Weimar, Kasseturm
16.04. Freiberg, Notendiele
17.04. Berlin, Vavien
18.04. Berlin, Mädchensalon
19.04. Berlin, Madame Claude
21.04. Halle, Peißnitzhaus
22.04. Halle, Cafe Ludwig
23.04. Kiel, Prinz Willy
24.04. Kiel, Konzertgarage

Den zweiten Teil des Konzertabends bespielten Münchens mithin ambitionierteste FolkerInnen von der Moonband: Oft sind sie an dieser Stelle schon gelobt worden, man darf sich da gerne wiederholen, die qualitative Entwicklung des Quintetts kennt auch mit dem neuen Bassisten nur eine Richtung, nachdem der Harmonie-Gesang, die leisen Töne, der Folk und der beschwingte Alternative Country der Band auf internationalem Niveau gefestigt eingependelt sind, lies sich an der ein oder anderen Stelle in Nuancen ein bereicherndes Element in Form von veritablem Folkrock im Klangbild der begnadeten MusikerInnen vernehmen, vereinzelt neues Material wusste ebenso zu begeistern wie die Glanzstücke vergangener Tage, das energiegeladene „Joe Stack“ in Formvollendung sei hier explizit erwähnt. Ausgewählte Fremd-Interpretationen von der letztjährigen Coverversionen-Sammlung ‚Back In Time‘ (Millaphon Records) wie „Shadow Of An Absent Friend“ oder der wunderbare „Fisherman’s Blues“ der Waterboys rundeten den beherzt-gelungenen Vortrag ab, über dem die Wohnzimmerlampe des Klienicum-Haushalts schwebte, sozusagen als künstlicher Mond, wie passend zum Namen der Band, die – Vollblut-Musiker eben – in trauter Runde genau so zu überzeugen weiß wie auf den mittlerweile weitaus größeren Bühnen.
(*****)

Die Moonband ist in nächster Zeit zu folgenden Gelegenheiten live zu sehen:
28.04. Dresden, GrooveStation
10.05. München, Feierwerk-Kranhalle

Wir sagen erneut herzlichst Dankeschön an Katrin und Eike für die Einladung, die tolle Organisation und Präsentation der beiden Konzerte, die köstliche Bewirtung und die herzliche Aufnahme in ihren heiligen Hallen.

Ryan Lee Crosby + Thisell @ Klienicum Hauskonzerte, Ampfing, 2015-03-16

Der Blogger Eike Klien verrichtet mit seinem Musik-Blog „Das Klienicum“ seit Jahren ein außergewöhnliches, erstklassiges Ehrenamt, reinschauen und vor allem auch -hören lohnt sich täglich, ich kenne ansonsten keine Seite, die in derart hoher Frequenz oft noch Unbekanntes, aber immer Hochinteressantes, meist gar Herausragendes aus der weiten Welt der Indie-, Experimental- und Folk-Musik vorstellt und zu Gehör bringt. Und der Musikliebhaber Eike Klien lädt sich ab und an begnadete Musiker ins traute Heim und organisiert zusammen mit seiner Frau Katrin und seinen Kindern tolle Hauskonzerte, so zum wiederholten Male geschehen am vergangenen Montag, und dankenswerter Weise hat er mich zu dieser wunderbaren Veranstaltung eingeladen. Wir kommunizieren bereits seit Jahren über die Blog-Kommentarfunktion und sind uns wohl auch beim ein oder anderen Münchner Konzert über den Weg gelaufen, aber Montag war dann endlich die längst überfällige Gelegenheit für ein persönliches Kennenlernen.

Das musikalische Programm im Wohnzimmer des Hauses Klien eröffnete der junge amerikanische Folk-Blueser Ryan Lee Crosby. Der Mann aus Boston fühlt sich nach eigenen Worten dem folk-infizierten Delta Blues seiner großen Vorbilder Son House, Skip James und Robert Johnson verpflichtet, und mit dieser Ankündigung hat er den Mund weiß Gott nicht zu voll genommen. Das dankbare Publikum war sofort elektrisiert von Crosbys grandiosem Vortrag auf akustischer, Bottleneck- und zwölfsaitiger Gitarre sowie seinem gefühlvollen und einfühlsamen Gesang. Neben Neuinterpretationen von Stücken seiner Helden gab er Eigenkompositionen zum Besten, die qualitativ den alten Originalen des Delta Blues in nichts nach standen. Mit einer hervorragenden Version des Nico-Klassikers „Frozen Warnings“ im Zugabenteil entließ er das beeindruckte Publikum in die kurze Umbaupause und mir bleibt nur festzustellen, dass ich im konzertanten Bereich schon viel erlebt habe, mitnichten aber den Umstand, dass mit einem einzigen Auftritt der Mississippi-John-Hurt- und Velvet-Underground-Fan in Personalunion in mir in Verzückung geriet. Ein riesengroßes Lob an Ryan Lee Crosby, verbunden mit der Hoffnung, den schwer sympathischen Amerikaner bald wieder in unseren Breitengraden begrüßen zu dürfen.
(*****)

Ryan Lee Crosby / Homepage

Mit Peter Thisell und seinen beiden Mitstreitern betraten drei nicht minder sympathische junge Musiker aus Schweden die Bühne im Klien’schen Wohnzimmer und zeigten einmal mehr, dass im hohen Norden erstklassiger Folkrock zu verorten ist, Easy October haben unter anderem ebenfalls vor Kurzem Zeugnis davon in der Glockenbachwerkstatt abgelegt. Mit empathischem, wunderbar melancholischem Gesang begeisterte Thisell die Gäste und wurde dabei von seinen beiden Mitmusikern auf das Versierteste begleitet, der Mix aus Akustik Folk, LoFi-Beigaben und erstklassigem Songwriting begeisterte ebenso wie zuvor der Blues von Ryan Lee Crosby. Nach einer Pop-orientierten Folkrock-Nummer, einem Solo-Vortrag von Peter Thisell und einer herzergreifenden Coverversion eines Songs des großen Townes Van Zandt im Zugabenteil endete ein außergewöhnlicher und rundum gelungener Konzertabend.
Im Anschluss boten sich am Merch Gelegenheiten zum Eindecken mit musikalischen Preziosen und netten Gesprächen mit den vortragenden Künstlern.
(**** ½)

Thisell / Homepage

Von meiner Seite ein herzliches Dankeschön an Katrin und Eike für die Einladung, die tolle Organisation und Präsentation der beiden Konzerte, die köstliche Bewirtung und die herzliche Aufnahme in ihren Gemäuern! Ganz ganz großer Sport – ich komme sehr gerne wieder ;-)))
Vielen Dank auch an Mirca und Bernd für’s Begleiten, somit musste ich den weiten Ritt nach Ampfing (not Anzing, for those who know, hahaha ;-))) nicht alleine antreten…