Andre Couto

Reingehört (430): Dreamweapon

Dreamweapon – SOL (2018, Fuzz Club Records)

Das portugiesische Trio Dreamweapon hat sich nach der gleichnamigen 1995er-Live-LP der Drogen-verseuchten englischen Indie-Psychedeliker von Spacemen 3 benannt, die sich wiederum hinsichtlich Tonträger-Titel bei einem Drone-Projekt des ersten Velvet-Underground-Drummers Angus MacLise bedienten, und damit schließt sich dann hier auch irgendwo der Kreis hinsichtlich experimentellem Ansatz in der Musiziererei.
Die Band aus Porto entwirft in vier ausladenden, nahezu von symphonischem Ausmaß strotzenden Klang-Flows zwischen 8 und 14 Minuten einen Space-Out-Kosmos mittels stetem Postrock/Postpunk-Drive, schwerst einnehmendem, hypnotischem Trance-Beat und allerlei Electronica-Kraut-Gezirpe aus den digitalen Maschinen.
In minutenlanger Wiederholung der rhythmischen Grundmuster nehmen sich João Campos Costa, Edgar Moreira und Andre Couto auf „SOL“ reichlich Zeit zur Entfaltung der ureigenen psychedelischen Pracht, die angespannt zwischen luftiger Ambient-Herrlichkeit und dunklem, diffus-bedrohlichem Down-To-Earth-Industrial-Pochen lichtert, schwere Bässe und stoische Trommel-Motorik gleichsam in Stellung bringt wie abstraktes Noise-/Drone-Schaudern und verzerrte Feedback-Orgien.
Bei der Namensgebung liegt es auf der Hand, dass diese Spielart der Psychedelic weit mehr Verwandtschaft bei Kopeiken wie etwa Spiritualized, Stereolab oder eben den bereits genannten Spacemen 3 findet als in irgendwelchen Sixties-Ansätzen aus dem Umfeld der Dead, Jefferson Airplane oder anderen kalifornischen Langhaarigen-Kapellen, obwohl es alles andere als verwunderlich wäre, wenn einer wie Jim Morrison unvermittelt zum dunklen, fernöstlich anmutenden Drone-Funkeln von „Blauekirshe“ urplötzlich seinen berühmten „This Is The End, Beautiful Friend…“-Monolog schwadronieren würde.
Das hat Spannkraft, das hat Schmiss, da kommt Freude auf, da steppt selbst der vom Winterschlaf lahmgelegte, dicke Tanzbär. Into the Groove im rauschhaften Repetitiv-Minimalismus-Trip. Improvisiert, diszipliniert, das Unterbewusste heimsuchend und mit der Traumwaffe im Anschlag erobernd. Mal sehen, ob heuer in die Richtung noch annähernd Einnehmendes nachkommt. „SOL“ ist seit einigen Tagen via Londoner Experimental-/Indie-Label Fuzz Club Records beim Träumehändler Ihres Vertrauens zu haben.
(***** – ***** ½)