Andrew Bird

Reingehört (141)

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Andrew Bird – Are You Serious (2016, Concord Records)
Elf neue, elegante Indie-Folk-/-Pop-Stücke des klassisch ausgebildeten Songwriters Andrew Bird aus Lake Forrest/Illinois, der sich nach seinem Ambient-Ausflug vom Vorjahr nun wieder seinem angestammten Metier zuwendet und in beschwingt-leichtfüßiger, opulent instrumentierter Manier, immer aber mit dem gebührenden Tiefgang an seine hörenswerten Frühwerke wie ‚Andrew Bird & The Mysterious Production Of Eggs‘ (2005, Righteous Babe) oder ‚Armchair Apocrypha‘ (2007, Fat Possum) anknüpft.
Es erklingen die von ihm erwartet-gewohnten Indie-Folk-Kleinode, unterfüttert mit dezenten Ethno-/Orient-Andeutungen und der Bird-typischen Violine, Fiona Apple begleitet im Duett bei „Left Handed Kisses“, „playing a romantic in a duet with Bird the skeptic“, und mit „Bellevue“ offenbart sich am Ende der schönste Song des Albums, der mit nur knapp über zwei Minuten viel zu kurz ausfällt, hier hat Bird vermutlich die große Chance auf einen respektablen Indie-Hit vertan, ein ähnlich großer Wurf wie das Euphorie auslösende „Fake Palindromes“ vom ‚Egg‘-Album wäre da bei entsprechender Ausarbeitung und Laufzeit locker drin gewesen…
(**** – **** ½)

Andrew Bird zuhauf live + legal @ archive.org

Jeremy Gara – Limn (2016, NRCSS Industry)
Vermutlich wollte der hier zur Abwechslung mal was Vernünftiges machen: Seit dem ‚Neon Bible‘-Album aus dem Jahr 2007 ist Jeremy Gara der etatmäßige Trommler der notorisch überschätzten Indie-Kapelle Arcade Fire, der Kanadier veröffentlicht mit ‚Limn‘ sein erstes Solo-Werk, maximalst vom Bombast-Getöse seiner Stamm-Combo entfernt bewegt sich Gara in kargen, experimentellen Instrumental-Ambient-Klangräumen, die im Grundton kaum variierenden Ton-Impressionen entwickeln einen unwiderstehlichen kontemplativen Sog, beeindrucken durch klaren, dezenten Minimalismus und stimmige, behutsam eingestreute, Drone-artige Störgeräusche, vor allem die beiden mit passenden Titeln bedachten, längsten Stücke des Albums „The Gate“ und „The Desert“ bestechen durch gespenstische, elektronische Loops, die beim Hörer Bilder entvölkerter Landschaften in absoluter Klarheit vor dem geistigen Auge entstehen lassen.
(****)

Reingehört (38)

Pascal-Comelade

Pascal Comelade + Les Limiñanas – Traité de guitarres triolectiques (2015, Because Music)
Der französische Multiinstrumentalist Pascal Comelade hat in seiner langen Karriere nahezu 30 Tonträger veröffentlicht, erstmals fiel er mir mit seinen minimalistischen Kompositionen für Kinderklavier vor einigen Jahrzehnten auf, zwischenzeitlich habe ich ihn leider immer wieder aus den Augen verloren, was wohl einem unverzeihlichen Fehler ob der Güte seiner Werke gleichkommt. Comelade, der bereits mit Größen wie Robert Wyatt, PJ Harvey und Faust zusammenarbeitete, veröffentlichte dieser Tage ein Album, dass er mit dem Psychedelic-/Trash-/French-Pop-Duo Les Limiñanas aus dem französischen Perpignan einspielte und überrascht mit treibendem, originellem Indie-Garagengeschrammel, psychedelischem Georgel und Ennio-Morricone-Soundtracks für den Casio, das gesamte Werk ist größtenteils rein instrumental gestaltet. Erfrischend!
(**** ½)

Andrew Bird – Echolocations: Canyon (2015, Wegawam Music Co.)
Der aus Lake Forest, Illinois, stammende Songwriter Andrew Bird hat vor allem Mitte bis Ende der Nuller-Jahre mit seinen drei hervorragenden Alben „Andrew Bird & the Mysterious Production of Eggs“, „Armchair Apocrypha“ und „Noble Beast“ das Indie-Folk-Publikum beglückt, jetzt legt er eine von gängigen Songstrukturen völlig losgelöste Ambient-/Folk-/Neue-Klassik-Kompositions-Sammlung vor, das Werk ist eine Auftragsarbeit für eine dreimonatige Ausstellung im Institute of Contemporary Art in Boston und wird dort im Rahmen einer Installation von 36 Lautsprechern aufgeführt. Beruhigend + Entspannend.
(****)

Duke Garwood – Heavy Love (2015, Heavenly / Rough Trade)
Der Mark-Lanegan-Spezi Duke Garwood aus London, der zusammen mit Lanegan die 2013er-Scheibe „Black Pudding“ veröffentlichte und auch an seinem aktuellen „Blues Funeral“-Album beteiligt war, hat die beste Mark-Lanegan-Platte produziert, die Lanegan selbst seit Jahren in der Form und Qualität nicht mehr hinkriegt. Hat er ihm bei besagten Kollaborationen die Ideen geklaut? Stimmlich sowieso sehr nahe am Amerikaner angesiedelt, zelebriert Garwood die Alternative-/Düster-Blues-Variante, spartanisch und sparsam arrangiert, oft in rohen Akustikgitarren-Versionen mit dem zum Sound passenden Nick-Cave-Pathos dargereicht. Der Soundtrack für Deine finsteren und morbiden Gedanken.
Gérard vom Pop-Polit-Blog beschreibt Euch die einzelnen Stücke der Platte, guckt Ihr hier.
(**** ½ – *****)

Mecca Normal – Empathy For The Evil (2014, M’lady’s Records)
Das Duo Jean Smith und David Lester aus dem kanadischen Vancouver lässt nach über acht Jahren auch mal wieder was hören. Mecca Normal, neben Beat Happening und Bikini Kill die wichtigsten Vertreter des DIY/Indie-Rock/Riot-Grrrl-Movements, taten sich mit Produzenten-Legende Kramer (Shockabilly, Bongwater, Half Japanese, Butthole Surfers, Galaxie 500, Low etc.) zusammen und fabrizierten ein herrliches Gebräu aus Schepper-Indie, mit Punk-Attitüde vorgetragenem Gesang und düsteren, nachdenklichen Alternative-Moritaten in Moll. Ein schönes Comeback!
(**** – **** ½)