Andy Warhol

Die Buben im Pelz @ Volkstheater-Foyer, München, 2016-02-24

„Unser Übungsraum is in der Nähe der Manner-Manufaktur, Manner-Waffeln, fresst’s es eh aa gern, oder? Hamma Eich ocht Kilo Bruchware mitbracht“, meinte Bube-im-Pelz David Pfister, und schon kam’s ins Publikum geflogen, das Sackl mit den Keksen…
Ansonsten? Selbstverständlich auch alles total leiwand mit den Buben im Pelz und angekündigten Freundinnen, am Mittwochabend, im Foyer des Münchner Volkstheaters, beim Zelebrieren der Wiener Version eines der wichtigsten, vielleicht sogar des wichtigsten Pop-Albums ever.
‚The Velvet Underground & Nico‘, der bis heute unerreichte, von Andy Warhol und Tom Wilson produzierte LoFi-Experimental-Pop-/Prä-Art-Punk-/Psychedelic-/Drone-Debüt-Wurf der New Yorker Kult-Band um Lou Reed und John Cale, dieser Tage formvollendet dargereicht im österreichischen Gewand, die morbide, Todes-schwangere Atmosphäre des Originals erhält durch die Bearbeitung der Wiener Buben, denen man auch gerne den Hang zur mortalen Verehrung nachsagt, den zusätzlichen, ortstypischen, nonchalanten Schmäh in diese Richtung, die berühmte Banane vom 1967er-Plattencover-Original wird durch eine Burenwurscht ausgetauscht, die Drogenhändler von Lexington one-two-five tummeln sich am Schwedenplatz im 1. Wiener Gemeindebezirk, die „Femme Fatale“ wird zur feschen Funsen und „All Tomorrows Parties“ sind in Wien (und wahrscheinlich auch in München) urfad, bei der Interpretation des VU-Klassikers und bei „Tiaf wia a Spiagl/I’ll Be Your Mirror“ erscheint mit der jungen Avantgarde-Pop-Diva Monsterheart wenigstens eine der angekündigten Freundinnen der Buben David Pfister, Christian Fuchs und Co. auf der Bühne.
Zur Überbrückung zwischen Hauptteil und Zugabe gab Geiger und Gitarrist Sir Tralala eine kurze Soloeinlage, in der er vollmundig die Interpretation des Gesamtwerks von Lou Reed ankündigte, es blieb bei „So a scheena Dog“, bei der Dreingabe zollten die beiden Sänger Pfister und Fuchs ihrer eigenen Vergangenheit bei der inzwischen in der Kapuzinergruft beerdigten Brachial-Schrammel-Kapelle ‚Neigungsgruppe Sex, Gewalt und gute Laune‘ Tribut, die sehr geschätze Dialekt-Version der Babyshambles-Nummer „Fuck Forever“ („G’fickt für immer“, eh kloar…) sorgte für den krönenden Abschluss der Aufführung, die auch audio-visuell mit Warhol-artiger Psychedelic-Lightshow an die berühmte New Yorker Factory erinnerte, hat eigentlich nur noch Gerard Malanga mit seinem depperten Peitschen-Tanz gefehlt.
Konzertdauer war etwas knapp bemessen, aber wuaschd, war eh super…
(*****)

Yes!Yes!Yes! Warholmania in Munich @ Museum Brandhorst

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When he wake up on the sea
He sure to think of me and you
He’ll think about paint and he’ll think about glue
What a jolly boring thing to do
(David Bowie, Andy Warhol)

I really miss you, I really miss your mind
I haven’t heard ideas like that in such a long, long time
I loved to watch you draw and watch you paint
But when I saw you last, I turned away
(Lou Reed, John Cale, Hello it’s me)

Das Münchner Museum Brandhorst zeigt bis Mitte Oktober erstmals seinen Gesamtbestand an Werken des amerikanischen Pop-Art-Pioniers Andy Warhol. Die über einhundert Werke zählen weltweit zu den bedeutendsten Sammlungen des Künstlers.

Die Ausstellung zeigt eine repräsentative Übersicht von frühen zeichnerischen Werken, eine Auswahl der berühmten Portrait-Siebdrucke wie die Marilyn-Monroe-Serie, eine Arbeit zum ‚Love You Live‘-Album der Rolling Stones, wichtige Bildserien wie die überdimensionalen Rorschach-Kleckse, „Shadow Paintings, „Piss Paintings“, „Camouflage Paintings“ sowie die Joseph-Beuys- und Hammer-und-Sichel-Serien.

Aus dem cineastischen Werk Warhols wird der Kurzfilm „Lupe“ über den Selbstmord der mexikanischen Schauspielerin Lupe Vélez (1908 – 1944) mit Warhol-Superstar-Mimin Edie Sedgwick in der Hauptrolle in Endlosschleife vorgeführt.

Diverse Videoclips dokumentieren den Einfluss der Pop-Art-Ikone Warhol auf Punk, New Wave und die New Yorker Subkultur der siebziger Jahre, den Grundstein hierfür legte er bereits ein Jahrzehnt zuvor durch seine Zusammenarbeit mit der richtungsweisenden New Yorker Band The Velvet Underground um die beiden Ausnahmemusiker John Cale und Lou Reed.
Neben dem Independent-Ansatz wird Warhols Einfluss auf den Massengeschmack und sein gesundes (oder eben auch ungesundes, wie man will) Verhältnis zum Kommerz kommentiert.

Präsentiert wird die Ausstellung von Katja Eichinger und Glenn O’Brien, letzterer war lange Zeit Mitarbeiter in Andy Warhols Factory und erster Herausgeber des von Warhol gegründeten Lifestyle-Magazins „Interview“, während der Punk-Zeit in den Endsiebzigern hatte er mit „Glenn O’Brien’s Beat“ eine feste Musik-Kolumne im Blatt.
Von 1978 bis 1982 moderierte er zusammen mit dem Blondie-Gitarristen Chris Stein die New Yorker Fernseh-Show „TV Party“, die neben improvisierten Diskussionen Fernsehauftritte von Künstlern wie David Byrne, Klaus Nomi und Jean-Michel Basquiat und Kurzgigs von Bands wie Blondie, The Clash und den Fleshtones präsentierte.
In einem separaten Raum wird im Rahmen der Ausstellung eine Auswahl von Aufzeichnungen der TV-Sendung gezeigt.

YES!YES!YES! WARHOLMANIA IN MUNICH
Museum Brandhorst, München, Theresienstraße 35a
Bis 18. Oktober 2015.
Öffnungszeiten:
ÖFFNUNGSZEITEN
Täglich außer Montag 10.00-18.00 Uhr
Donnerstag 10.00-20.00 Uhr

Museum Brandhorst / Homepage

Soundtrack des Tages (91)

Die Buben im Pelz

Wären sie 1964 nicht vom Warhol in Midtown Manhattan zusammengecastet worden, irgendwann wär’s eh passiert, in Ottakring, Margareten oder der Josefstadt, denn Lexington one-two-five liegt eigentlich am Wiener Schwedenplatz, wie Christian Fuchs und David Pfister aka ‚Die Buben im Pelz‚ (ex-‚Neigungsgruppe Sex, Gewalt & Gute Laune‘) eindrucksvoll beweisen… die besten Velvet-Underground-Coverversionen seit ungefähr hundert Jahren, mit unnachahmlichem ‚Weana Schmäh‘ dahergebracht ;-))) Wie würde der Wiener zu der urfaden VU-Nummer beim Patti-Smith-Konzert vom vergangenen Montag so schön-charmant-g’scheert sagen: „Lenny Kaye, geh scheißn!“ – Unbedingt reinhören, waast eh…

Jane Holzer, John Cale, John Giorno & Glenn O’Brien @ ‚Superstars Then And Now‘, Pinakothek der Moderne, München, 2015-06-28

RICHARD AVEDON Andy Warhol 1969 (2)

„I’ll put the Empire State Building on your wall
For 24 hours glowing on your wall
Watch the sun rise above it in your room
Wallpaper art, a great few“
(John Cale, Style it takes)

„‚Pop goes pop artist‘, the headline said
‚Is shooting a put-on, is Warhol really dead?‘
You get less time for stealing a car
I remember thinking as I heard my own record in a bar.“
(Lou Reed, Hello It’s me)

Warhol-/Factory-/Pop-Art-/Velvet-Underground-Geschichtsstunde: Im Rahmen der Ausstellung „Yes! Yes! Yes! Warholmania In Munich“ im Museum Brandhorst und der beim 33. Münchner Filmfest gezeigten cineastischen Arbeiten der Pop-Art-Ikone Andy Warhol interviewte der amerikanische Schriftsteller und Journalist Glenn O’Brien die ehemaligen Warhol-Superstars Jane Holzer aka ‚Baby Jane‘ und John Giorno sowie zu meiner großen Freude den nicht im Programm angekündigten, legendären Velvet-Underground-Mitbegründer und von mir seit mehr als 30 Jahren hochverehrten und konzertant oft genossenen walisischen Ausnahme-Musiker, Komponisten und Produzenten John Cale.
O’Brien, in den Anfangsjahren der Factory selbst Mitarbeiter Warhols, führte sachkundig und charmant durch die Veranstaltung, Baby Jane Holzer erzählte, wie sie von Warhol auf der New Yorker Lexington Avenue angesprochen wurde und so zu ihren Rollen in Werken wie „Kiss“, „Couch“, „Camp“ oder „Batman Dracula“ kam und fester Bestandteil des Personals der Factory wurde.
Der Beat-Dichter John Giorno, Weggefährte von Patti Smith, Laurie Anderson, William S. Burroughs, Robert Mapplethorpe und Keith Haring und einziger Darsteller des sechsstündigen Warhol-Films „Sleep“, in dem ein nackter Mann beim Schlafen gezeigt wird, antwortete auf die Frage, wie er zu der Hauptrolle gekommen sei, er hätte ganz einfach die meiste Zeit in der Factory auf einer Couch geschlafen und wäre somit für die Rolle prädestiniert gewesen.
Über die Zeit mit Warhol nach dem Valerie-Solanas-Attentat meinte er, Andy wäre nach seinem Krankenhausaufenthalt nicht mehr der Alte gewesen, aufgrund seiner Verletzungen durfte er keine stimulierenden Substanzen mehr zu sich nehmen, „and we all know what a good drug Speed is to keep you working“.
John Cale lobte die geschützte Arbeitsatmosphäre der Factory, in der sich The Velvet Underground optimal entfalten konnten, „work is more fun than fun“, erzählte vom Schock, als Warhol die teutonische Schönheit Nico anschleppte, „she came down from Woodstock and was Part of the Dylan/Grossman-Scene, but Lou and I felt immediately in Love with her“, die New-Yorker-Dylan-Mischpoke war offensichtlich nicht wohlgelitten in der Factory, Cale zeigte sich zudem noch heute völlig angewidert von der kalifornischen Hippie-/Bill-Graham-Szene, die in den sechziger Jahren in direkter Konkurrenz zur East Coast und zum New Yorker Kunst- und Musik-Umfeld stand.
Cale gab zum Besten, wie die Velvets zusehends von einer Kunst- zu einer völlig normalen Tour-Band inklusive gelangweiltem Rumhängen und der üblichen Suff- und Drogeneskapaden mutierten und dies im Zerwürfnis mit Lou Reed gipfelte, seine Verärgerung über sein Ausscheiden aus der Band im Jahr 1968 war auch 47 Jahre später nicht zu überhören.
Gegen Ende dieser unterhaltsamen und vor allem hochinformativen Nachmittags-Talkshow gab es Gelegenheit für Fragen aus dem Publikum und so habe ich mir auch ein Herz gefasst und John Cale gefragt, wie er zu der Aussage Patti Smith‘ stehe, sein Einfluss auf das ‚Horses‘-Album als Produzent wäre gering gewesen, worauf Cale meinte, er wäre in der Tat nur der Produzent gewesen und niemand hätte damals auf seine Anweisungen gehört, Glenn O’Brien ergänzte grinsend, John Cale hätte viele Klassiker wie beispielsweise das erste Stooges-Album produziert und dummerweise habe nie irgendwer auf seine Anregungen reagiert.
Zum Abschluss der Veranstaltung erzählte Jane Holzer, die den Kontakt zu Andy Warhol im Gegensatz zu einigen anderen „Warhol Superstars“ über die siebziger Jahre hinaus permanent gehalten hatte, von den letzten Tagen und Stunden des Meisters, nach Komplikationen in Folge einer Gallenblasen-Operation verstarb Andy Warhol am 22. Februar 1987 im Alter von 58 Jahren in New York, wohl verursacht durch falsche medizinische Behandlung, seinen Tod bezeichnete Jane Holzer als absolut vermeidbar und völlig sinnlos.

Die Ausstellung „Yes! Yes! Yes! Warholmania In Munich“, mit der das Museum Brandhorst erstmals seinen Gesamtbestand von über 100 Warhol-Werken zeigt, ist noch bis einschließlich 18. Oktober 2015 in München zu sehen.

Remember Christa Päffgen, Andy Warhol, Sterling Morrison & Lou Reed.

Museum Brandhorst / Homepage