Ann Peebles

Soul Family Tree (37): R&B Ladies Day + Savoy Ballroom Club

Der vierzehntägige Soul Family Tree heute wieder von Stefan Haase vom Hamburger Freiraum-Blog – here we go:

Weihnachten naht und als musikalisches Geschenk gibt es heute gleich zwei Black Friday Specials im Soul Family Tree. Zum einen lassen wir den legendären Savoy Ballroom Club in Harlem/New York City musikalisch wieder aufleben, und dazu heißt es Ladies Day in Rhythm and Blues.

Die stimmgewaltige Ruth Brown war eine der bekanntesten Rhythm and Blues- Sängerinnen der fünfziger und sechziger Jahre. Sie hatte diverse Nummer 1 Hits in den R&B Charts. Auch wenn ihr Stern in den 1960er Jahren langsam an Strahlkraft verlor, wurde sie bis in die Neunziger zu allen großen Blues- und Jazz Festivals eingeladen und 1993 in die Rock and Roll Hall Of Fame aufgenommen, wie später auch in die Blues Hall Of Fame. Übrigens, ihr Neffe ist auch gut im Geschäft. Es ist der Rapper Rakim. Aus dem Jahre 1952 habe ich ihren Song „(Mama) He Treats Your Daughter Mean“ ausgesucht.

Kommen wir zu einem weiteren raren Floorfiller aus dem Jahre 1961. Betty O’Brien hatte einige Singles in den 1960er Jahren, besonders bei Liberty Records. Ihre Single „She’ll Be Gone“ wird auch bei Plattenbörsen hoch gehandelt. Leider kann ich nichts Biografisches zu der Sängerin sagen. Außer dass sie eine bemerkenswerte Stimme hat, wie man hier deutlich hören kann.

Beim nächsten Lied denken vermutlich viele an Linda Ronstadt’s Version aus den 1970er Jahren. Dabei wurde „You’re No Good“ zuerst von Dee Dee Warwick eingesungen. Betty Everett nahm das Lied 1963 auf und hatte damit einen veritablen Hit. Insgesamt hatte sie in den 1960er und 1970er Jahren einige Hits, wie u.a. „The Shoop Shoop Song“ oder „Let It Be Me“, zusammen mit Jerry Butler. Hier kommt die wunderbare Version von „You’re No Good“ von der einzigartigen Betty Everett.

Auch die US-amerikanische Sängerin und Gitarristin Barbara Lynn aus Texas hatte ihre Glanzzeit in den 1960er Jahren. Am bekanntesten ist ihr Song „You’ll Loose A Good Thing“ aus 1962. Sie tourte seiner Zeit mit den ganz großen Stars wie u.a. Otis Redding, James Brown, Gladys Knight, Sam Cooke, Jackie Wilson, trat im legendären Apollo Theater auf, und ihr Song „Oh Baby (We´ve Got A Good Thing Goin‘)“ wurde von den Rolling Stones gecovert. Für den Soul Family Tree habe ich aus dem Jahre 1966 den Song „I’m A Good Woman“ ausgesucht.

Ann Peebles hatten wir bereits im Soul Family Tree. Leider wird sie vorschnell auf ihren großen Hit „I Can’t Stand The Rain“ reduziert. Dabei hat sie sehr viel mehr gemacht. Aus ihrem 1971er Album „Straight From The Heart“ habe ich einen ruhigen Titel ausgesucht: „Trouble, Heartaches & Sadness“ mit wunderbaren Bläsern, ganz im Stile von Al Green.

Zum Schluss möchte ich gern an Della Reese erinnern, die im November starb. Sie war Sängerin und wandelte gekonnt zwischen Jazz, Soul, Blues, war auch Schauspielerin, und hatte als erste afroamerikanische Moderatorin ihre eigene Talkshow. 1994 bekam sie ihren Walk Of Fame in Hollywood. Oliver Nelson arrangierte in den 1960er Jahren einen ihren großen Hits, den man ebenso auf vielen Compilations findet, nämlich „I Got The Blues“.

Der Savoy Ballroom gehörte, neben dem Cotton Club, zu den bekanntesten wie einflussreichsten Orten, wenn es um afroamerikanische Musik ging. Seine Heimat war Harlem in New York City. Er war auch einer ersten Clubs, die ein gemischtes Publikum, Schwarze wie Weiße, hatten. Am 20. März 1926 öffnete er seine Tore und hatte von Anfang an großen Zuspruch. Im Oktober 1958 war Schluss. Der Ballroom musste einem neuen Häuserkomplex weichen und wurde abgerissen. Hier entstanden Spiele, die bis heute in Casting-Shows weiter fortgeführt werden, wie „Battle Of The Band“, wo beispielsweise das Orchester Benny Goodman das Orchester von Chick Webb herausforderte. Hier wurden auch neue Tanzstile wie der Lindy Hop entwickelt. Die besten Orchester und Bands traten im Savoy Ballroom auf. Hier hatte Ella Fitzgerald große Auftritte wie auch Louis Armstrong, Fletcher Henderson u.v.m. Heute erinnert nur eine Gedenktafel an den legendären Club. Grund genug, die alten swingenden Zeiten wieder aufleben zu lassen. Dazu habe ich eine Playlist mit 22 Songs zusammen gestellt unter dem Motto „Stompin‘ At The Savoy“.

Mit diesem Beitrag verabschiede ich für dieses Jahr vom Soul Family Tree. Ich möchte gern die Gelegenheit nutzen, um mich bei allen Lesern bedanken. Ganz besonders natürlich bei Soulbrother Gerhard, der hier bei sich einen Platz für afroamerikanische Musik frei gemacht hat. Mir hat es Spaß gemacht. Danke Gerhard.

Allen eine fröhliche, friedliche und besinnliche Adventszeit und ein schönes Weihnachtsfest samt beschwingten Rutsch ins neue Jahr.

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum.

Soul Family Tree (1): Lightnin‘ Hopkins, Ann Peebles, Lee Fields

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Frischer Wind und neue Ideen im gerade angebrochenen Jahr 2017 – der Gedanke zu einer Black-Music-Reihe wurde gemeinsam mit dem Hamburger Blogger-Freund Stefan Haase schon vor einiger Zeit geboren, jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht und es wird funky: Der Blues, der Soul, Funk, Jazz (und irgendwie auch Ska und Reggae) finden hier selten die gebührende Würdigung, dabei ist die Black Music ein weites und spannendes Feld, das wie viele andere musikalische Sparten dringender Beachtung bedarf.

Stefan Haase wird hier künftig in loser Abfolge ausgewählte Perlen vorstellen, vielleicht geb ich ab und an auch was zum Besten, den Hut in dieser Rubrik hat aber Stefan auf, er ist in dem Metier bei weitem der Versiertere von uns beiden.
Und bevor es losgeht mit dem Groove: Ein Blick in Stefans wunderbaren Fotoblog Freiraum lohnt immer – Spitzen-Fotografie mit entsprechender Kommentierung von ihm plus oft ergänzender, stimmiger literarischer/musikalischer Anhang.

Teil eins des „Soul Family Tree“ gehört dem legendären Texas-Blueser Lightnin‘ Hopkins inklusive Referenz zum einzigartigen Townes Van Zandt, der am Neujahrstag vor 20 Jahren viel zu früh verstarb, der großartigen Sängerin Ann Peebles, die z.B. auch Little-Feat-Gitarrenmeister Lowell George auf seinem einzigen, hervorragenden Solo-Album „Thanks, I’ll Eat It Here“ (1979, Warner Brothers) zu würdigen wusste, und last but not least einem der letzten großen Souler, Lee Fields, auf den vor kurzem auch Tracks/arte aufmerksam wurde – here we go, Ladies and Gentlemen, einen dicken Applaus für den ersten „Soul Family Tree“-Beitrag von Stefan Haase:

„Whoo, New Year, that’s the time I wanna see…”

Mit Soul und Blues ins neue Jahr 2017. Gerhard und ich hatten eine spontane Idee die musikalische Bandbreite hier im Kulturforum zu erweitern mit Soul, Blues, Funk, Jazz bis zur Moderne mit dem Fokus auf „Black Music“. Denn die Historie in der „Black Music“ hat viele Geschichten und alles was das Leben charakterisiert. Es soll dabei kein „Best of“ bekannter Songs und Interpreten geben, sondern eine handverlesene Auslese an Songs und Künstlern, die manchmal wieder aus dem Archiv hoch ans Licht geholt werden.

Los geht es mit „Happy New Year“ von Lightnin‘ Hopkins (1911-1982) aus dem gleichnamigen Album, einem der einflussreichsten Musiker und Vertreter des Texas Blues. Seinen Spitznamen Lightnin‘ bekam er bei seinen ersten Plattenaufnahmen 1946 bei Aladdin Records zusammen mit Wilson Smith am Klavier. Die Produzenten meinten, die Namen der Musiker bräuchten mehr Dynamik, und so wurden daraus Lightnin‘ Hopkins und Thunder Smith.

Sein Gitarrenspiel beeinflusste viele andere Musiker wie u.a. Buddy Guy, aber auch Singer-Songwriter wie Townes Van Zandt. Passend zum noch jungen Jahr hier zu hören mit „Happy New Year“. Zur Bedeutung von Hopkins sei die New York Times zitiert: „One of the great country blues singers and perhaps the greatest single influence on rock guitar players.“

Ann Peebles ist die Sängerin und Komponistin mit einer großen Stimme, leider ziemlich unterbewertet. Ihren größten Wurf hatte sie mit „I Can´t Stand The Rain“, der ein weltweiter Hit wurde. Abgesehen davon lohnt es sich, tiefer in das Werk von Ann Peebles einzusteigen. 2014 wurde sie in die Memphis Hall Of Fame aufgenommen. Da ich gern abseits vom Mainstream kleine musikalische Schätze versuche hervor zu holen, kann man hier einen Song aus 1978 vom Album „Hi Singles A´s & B´s“ wiederhören: „A Good Day For Lovin“.

Das Trio beschließt einer der letzten Großen des Soul: Lee Fields. Am 19. Januar 2017 spielt er im Muffatwerk/Ampere in München. Lee Fields ist eine Legende und einer der wenigen verbliebenen alten Soul-Man, die seit den späten 60er Jahren aktiv sind. Sein Sound lebt zwischen dem Zusammenspiel von Fields‘ warmem Gesang und dem dynamischen Spiel seiner Begleitband The Expressions. Bei dem Aderlass an Künstlern im letzten Jahr muss man solche musikalischen Größen ehren und pflegen. Viele sind nämlich nicht mehr da. „Never Be Another You“ vom aktuellen 2016 Album „Special Night“.

Weitere ausgewählte Konzerttermine von Lee Fields & The Expressions:

16.01. Zürich – Stall 6
17.01.Wien – Chaya Fuera
23.01.Düsseldorf – Zakk
24.01.Berlin – Columbiatheater
25.01.Hamburg – Mojo

Soul and Peace.