Atomic Café

The Rural Alberta Advantage @ Atomic Café, München, 2014-12-04

Hat es mich doch glatt dank CURT-Gästeliste (Thank you, Mel!!) nochmal unverhofft in’s Atomic Café verschlagen, bevor der altehrwürdige Indie-Club in ein paar Wochen für immer seine Pforten schließt.
Ich muss zu meiner Schande gestehen, ich kannte die Band vorher nicht und da drängt sich erst mal der Spruch „Dem geschenkten Gaul schaut man nicht in’s Maul“ auf, aber der wäre in dem Fall so unpassend wie die Curry-Wurst für den Vegetarier oder das Kondom für den Papst.
Nachdem ihre kanadischen Sportsfreunde von „PS I Love You“ als Opener bereits auf viel Gegenliebe beim Publikum stießen, setzten Amy Cole, Nils Edenloff und Paul Banwatt aus Toronto mit ihrem faszinierenden, größtenteils extrem treibenden Uptempo-Mix aus Indie- und Folkrock vor ausverkauftem Haus noch einen drauf. Ich habe lange keine Band mehr wie „The Rural Alberta Advantage“ erlebt, die ihr Publikum von der ersten Minute an auf ihrer Seite hatte, nahezu jeder Song wurde frenetisch gefeiert und textsicher mitgeträllert. Dem großen Helmut Qualtinger wäre an der Stelle wohl ein Kommentar wie „Die Gsööschaft is sehr animiert!“ entfahren.
Eine hochsympathische Combo, die den Kontakt zum Publikum suchte und sofort fand. Die besten Amis sind eben doch Kanadier ;-)))
Und ich habe doch tatsächlich dank der feinen Darbietungen der beiden kanadischen Bands auf meine alten Tage kurz vor dem großen Finale noch meinen Frieden geschlossen mit dem Atomic, das ich offen gestanden aufgrund seiner beengten Raumsituation nie für einen herausragenden Konzert-Veranstaltungsort hielt.

The Rural Alberta Advantage / Homepage
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PS I Love You @ Atomic Café, München, 2014-12-04

Das Duo „PS I Love You“ aus Kingston, Ontario, durfte am Donnerstag das Eröffnungsprogramm für ihre kanadischen Landsleute von „The Rural Alberta Advantage“ im Atomic Café bestreiten und das haben sie mit virtuosem, teilweise gar hymnischem Indie-Gitarrenrock inklusive mächtig nach vorne preschendem Schlagzeug-Geklopfe des Drummers Benjamin Nelson mehr als ordentlich hingekriegt. Gitarrist und Frontmann Paul Saulnier, nicht nur bezüglich Leibesfülle, auch an den Saiten ein Schwergewicht, ist stimmlich irgendwo zwischen dem frühen Black Francis der Pixies und dem ehemaligen Tuxedomoon-Sänger Winston Tong zu verorten.
Meistens handle ich derartige Opener verbal mit dem gut gemeinten Kommentar „Da hab ich weiß Gott schon schlechtere Vorbands gesehen“ ab, aber in dem Fall wäre das eindeutig zu tief gegriffen.
Also nochmal von vorne: „Da hab ich weiß Gott schon schlechtere Hauptacts…“ …… genau.

PS I Love You / wikipedia
PS I Love You @ Mercury Lounge, NYC, 2011-03-30 / nyctaper
(**** 1/2)