Biografie

Die virtuelle Reste-Schublade (7): Bowie, Blesvik, Burger

Stay at home, read a book – es muss ja nicht notgedrungen diese Schwarte sein:

Dylan Jones – David Bowie: Ein Leben (2018, Rowohlt)

Als eine der größten Ikonen der Rockmusik hätte der Thin White Duke im Nachgang wahrlich Substanzielleres als hunderte von Seiten an Klatsch und Tratsch verdient. Viel mehr hat der Schmöker „David Bowie: Ein Leben“ von Dylan Jones tatsächlich nicht zu bieten, das ist bei diesem Sujet mehr als bedauerlich und letztendlich eine vergebene Chance zum großen Biografie-Wurf.
Einer komplexen Persönlichkeit wie Bowie als Musiker, Songwriter, Schauspieler, Sammler wie Kunstmaler wird des Buch vom Herausgeber des englischen Lifestyle-Magazins GQ kaum gerecht. Vielleicht konnte man von einem Mode-Fritzen und Parteigänger der britischen Konservativen tatsächlich auch nicht mehr erwarten. Dabei ist das Werk flott zu lesen, angelehnt an den „Oral History“-Stil des Klassikers „Please Kill Me“ über den US-Punk von Legs McNeil und Gillian McCain reiht Jones die Interview- und Statement-Schlaglichter zahlreicher Freunde, musikalischer Weggefährten, Journalisten und Prominenter aus Pop-Kultur und Film-Welt aneinander, die sich mehr oder weniger in ihren Statements permanent wiederholen: dass Bowie für die einen entweder ein überaus angenehmer, gebildeter und vielseitig interessierter Mensch war – oder im anderen Extrem jede/n sofort aus dem Adressbuch strich, nachdem die wie auch immer geartete Beziehung der Karriere oder dem Amüsement nicht mehr förderlich war. Somit kaum Neues unter der Sonne für die altgediente Fan-Schar.

Er war immer höflich, es war ein Vergnügen, mit ihm zu arbeiten, im Gegensatz zu den Typen aus Liverpool oder den Stones aus South London.
(Terry O’Neill, Fotograf)

Zu den Inhalten, zu den Hintergründen seiner Song-Texte, zur Intention seiner Aufnahmen erfährt man wenig bis nichts, der gehaltlose Schein lichtert durch hunderte von Seiten. The cheapest bitch of Rock’n’Roll, der unsägliche Bono, darf natürlich auch nicht fehlen mit seinem saumseligen Anbiederungs-Geschmarre, und die Drogen, die Courtney Love eingepfiffen hat, als man ihr das Mikro zum Thema unter die Nase hielt, waren dem stringenten Argumentieren offensichtlich schwerst abträglich. Eine Menge Füll-Material und heiße Luft, wenig Substanz, da wird an der Oberfläche gekratzt und kaum etwas an Themen gründlich durchleuchtet. Wie das Finanz-Konstrukt der „Bowie Bonds“ funktioniert, kapiert mit dem Poser-Gelaber des Investment-Bankers David Pullman kein Mensch, dabei wäre mit drei Sätzen zum Thema „Asset Backed Securities“ alles gesagt gewesen, siehe Wiki oder alle möglichen Ausführungen zur Subprime-Krise ab 2007.

Die Gründe, warum er tat, was er tat, dahinter habe ich nie kommen können.
(Geoffrey Marsh, Kurator der Ausstellung „David Bowie is…“, Victoria and Albert Museum London)

Jens Balzer hat sich im vergangenen Herbst in seiner „Zeit“-Rezension zum Buch völlig zu Recht darüber echauffiert, warum Bowies Bewunderung für die Inszenierungen des deutschen Nationalsozialismus so gut wie gar nicht und seine sexuellen Ausschweifungen mit minderjährigen Groupies Anfang der Siebziger nur völlig unzureichend thematisiert werden, in Zeiten der Political Correctness, von #MeToo-Debatten und der versuchten und letztendlich gescheiterten Auseinandersetzung mit den Missbrauchs-Fällen innerhalb der katholischen Kirche müsste das analog zu den Vorwürfen um die pädophilen Neigungen eines Michael Jackson zu ähnlich fundamentalen Diskussionen führen. Zu den politischen Ausfällen des Thin White Duke kommt der britische Journalist Paul Gorman, der den kultisch verehrten Musiker dem Vernehmen nach stets kritisch sah, immerhin gegen Ende des Werks kurz zu Wort und bringt damit etliche Facetten zum Phänomen Bowie auf den Punkt: „Auf alle Fälle liebäugelte er mit rechter Politik und gab dumme Kommentare zu dem Thema ab – in anderen Worten: Er war ein normaler Mensch mit Fehlern. Diese absurde Überhöhung, insbesondere von Leuten, die vor seinem Tod ‚Lodger‘ nicht von ‚Tonight‘ hätten unterscheiden können, muss gebrochen werden.“
Die Zeit, die beim Ackern durch 800 Seiten dieses größtenteils überflüssigen Blablas verstreicht, kann man weitaus anregender verbringen, zum Beispiel mit dem Abhören der nach wie vor grandiosen Siebziger-Jahre-Platten des einzigartigen Pop-Chamäleons, im Speziellen dem großartigen Glamrock-Wurf „The Rise and Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars“, seiner experimentellen Berlin-Trilogie „Low“ / „Heroes“ / „Lodger“  oder dem 1976er-Meilenstein „Station To Station“.

… Er deutete auf Bowie, der vor dem Cateringwagen saß und fragte: „Wissen Sie, wer das ist?“ Ohne zu zögern, antwortete der Mann: „Natürlich weiß ich das. Es ist irgendein Arschloch, das ein Clownskostüm trägt.“ Später erinnerte sich Bowie daran. „Das war für mich ein ganz wichtiger Moment. Ich wurde in meine Schranken verwiesen, und es zeigte mir: „Ja, ich bin nur irgendein Arschloch, das ein Clownskostüm trägt.
(Dylan Jones)

Reingehört – Kurz und bündig:

Runar Blesvik – Sedate (2019, Fluttery Records)

Der Mann legt ein flottes Veröffentlichungs-Tempo hin: Erst im vergangenen September debütierte der norwegische Tondichter Runar Blesvik mit dem Album „Blend“, einer feinen Arbeit im Grenzgang zwischen organischer Neoklassik und digitaler Ambient-Elektronik. Auf „Sedate“ entwickelt er dieses Konzept weiter, der gediegene Konzertsaal zur Präsentation der minimalistischen Klavier-Elegie mutiert zusehends zur Chill-Out-Lounge, die Schönheiten der zeitgenössischen Klassik driften im Grenzfluss hin zu filigranen Ambient-/Trance-Beats und analogem Synthie-Space. Alles, was es an Lobeshymnen zum Erstwerk des jungen skandinavischen Sound-Pioniers und Filmmusik-Komponisten zu singen gab, darf auch für sein zweiten Wurf in höchsten Tönen angestimmt werden. Erhebende Schönheit und pure Freude, in Tönen eingefangen.
„Sedate“ ist bereits am 19. April beim kalifornischen Indie/Experimental-Label Fluttery Records erschienen.
(*****)

Rob Burger – The Grid (2019, Western Vinyl)

Noch einer mit viel musikalischem Gehalt und brillanten eigenen Ideen im neo-klassisch/experimentellen Crossover-Austausch: Der Komponist und Multi-Instrumentalist Rob Burger aus Portland/Oregon ist in den vergangenen zwanzig Jahren solistisch, mit seinem Tin Hat Trio wie als renommierter Session-Musiker für Größen wie John Zorn, Beth Orton, Marianne Faithfull oder Laurie Anderson (amongst many others) in Erscheinung getreten, letztere revanchiert sich mit einem vokalen Beitrag auf Burgers neuem Werk „The Grid“ im Stück „Souls Of Winter“. Daneben beeindruckt der man of many talents auf seiner kommenden Veröffentlichung mit filigranen Instrumental-Arbeiten in einer komplexen Vielfalt, die sich im ersten Abhören des Tonträgers kaum vollumfänglich begreifen lässt. Erhebend schöne Piano-Klassik, Reminiszenzen an den kosmischen Kraut-Space von Pionieren wie Tangerine Dream oder Neu!, exzellente, verfremdete Ambient-Meditationen am Harmonium und exotische Electronica-Experimente finden sich in diesen feinen, zuweilen in melancholischer Schwermut verweilenden Kompositionen aus organischen und digitalen Klang-Schichten.
„The Grid“ erscheint am 21. Juni beim texanischen Indie-Label Western Vinyl.
(**** ½ – *****)

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Robert Forster @ Buchhandlung Dombrowsky, Regensburg, 2017-11-09

Der Heyne-Verlag hat in der Stadt seinen Firmensitz, trotzdem ist München bei der Lesereise zu Robert Forsters kürzlich erschienener, lesenswerter Autobiografie „Grant & Ich. The Go-Betweens und die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft“ leer ausgegangen, für die renommierte Regensburger Buchhandlung Dombrowsky hingegen war es ein leichtes, die australische Indie-Legende für eine ausgedehnte Abendveranstaltung zu engagieren, langjährige persönliche Beziehungen des Songwriters zum Buchladen und nicht zuletzt die Herkunft von Forsters Ehefrau Karin Bäumler aus dem Regensburger Umland spielen dahingehend eine gewichtige Rolle.
Nach einer kurzen wie charmanten, von persönlichen Erinnerungen geprägten Einführung durch Ladeninhaber Ulrich Dombrowsky übernahm Rolling-Stone-Schreiber Maik Brüggemeyer die Moderation des Abends. Der Rock-Journalist, der auch für die Übertragung der Forster-Erinnerungen ins Deutsche verantwortlich zeichnet, merkte an, den Original-Titel „Grant & I“ habe er kongenial in „Grant & Ich“ übersetzt, und beim Rest hätte er sich auch nicht wesentlich mehr Mühe gegeben, wer das Buch bereits gelesen hatte, mochte an der Stelle zwar den verdienten Lacher anbringen, aufgrund einiger holpriger Passagen im Text aber nicht widersprechen.
Brüggemeyer trug einen kurzen Abschnitt aus dem Werk vor, damit war der Vorlese-Teil der Veranstaltung bereits abgehandelt, anschließend gesellte sich der Star des Abends auf die Bühne und beantwortete ausführlichst, humorig wie einnehmend die Fragen des Rolling-Stone-Redakteurs, die sich neben der nahe liegenden Bandbiografie der Go-Betweens und der jahrzehntelangen Freundschaft und Arbeits-Beziehung Robert Forsters zum 2006 verstorbenen Go-Betweens-Co-Songwriter Grant McLennan um Themen wie literarische Vorlieben, Images in der Rockmusik, die Ratlosigkeit eines 18-jährigen hinsichtlich beruflicher Zukunft inklusive eines im Keim erstickten Ansinnens einer Friseur-Ausbildung, das Fehlen jeglicher Kreativität im Hochschul-Fach „Creative Writing“, die Herkunft von Robert Forsters zweitem Vornamen „Derwent“, grauenvolle Autorenfotos, die Humboldt-Universität in (Ost-)Berlin und gutes Songwriting als beste Musik-Kritik drehte.
Auf die Frage Brüggemeyers, ob Robert Forster bei der literarischen Aufarbeitung seiner Beziehung zum Freund McLennan von Patti Smiths Buch „Just Kids“ beeinflusst wurde, in dem die New Yorker Punk-Ikone ihr Verhältnis zum 1989 verstorbenen Fotografen Robert Mapplethorpe in den Mittelpunkt stellt, meinte der australische Indie-Musiker, das Buch hätte sicher bei der Arbeit an seinem Werk eine Rolle gespielt, grundsätzlich wäre er aber seit jeher von künstlerischen Beziehungen wie der von Lennon/McCartney, Picasso/Braque oder der Zusammenarbeit der jamaikanischen Reggae-Stars Bob Marley und Peter Tosh fasziniert gewesen, insofern war es auch ein Glücksfall, dass er und McLennan sich über gemeinsame Interessen zu einer gedeihlichen wie freundschaftlichen Kooperation fanden.
Und einmal mehr bestätigte sich eine der Binsenweisheiten der Rock-Historie, diejenige zum ersten Velvet-Underground-Album, die besagt, dass der Meilenstein zwar seinerzeit kaum gekauft wurde, aber jeder, der ihn erwarb, im Nachgang eine Band gründete. Forster betonte, dass er noch vor dem Hören der Platte vom VU-Bandfoto völlig angetan war hinsichtlich der Präsenz der Teutonen-Schönheit Nico und der androgynen Drummerin Maureen Tucker neben den drei Kerlen, ihm und Grant wäre von Beginn an klar gewesen, dass mit Lindy Morrison eine Frau an den Go-Betweens-Drums sitzen musste, mit dem Einstieg von Amanda Brown als fünftes Bandmitglied war für ihn 1986 das Besetzungs-Ideal erreicht.
Robert Forster garnierte und bereicherte den launigen Literatur-Abend zur großen Freude der zahlreich anwesenden Musik-Freunde mit einer Auswahl seiner Songs, neben einer brandneuen Nummer kamen Stücke wie das längst zum Klassiker gereifte „Clouds“ vom „16 Lovers Lane“-Album der Go-Betweens, „Darlinghurst Nights“, das in Regensburg entstandene „Surfing Magazines“ und das autobiografische „Born To A Family“ zum Vortrag, zu letzterem merkte Forster schmunzelnd an, der Song würde in ein paar Minuten seine ganze Biografie enthalten, die er im Buch auf über 350 Seiten ausbreitet.
Einer der großen Indie-Pop-Songwriter hat sich zu der Gelegenheit unaufgeregt wie liebenswert präsentiert, ganz bei sich und augenscheinlich mit seinem Leben im Reinen, entsprechend angenehm strahlte diese Zufriedenheit auf die Zuhörerschaft aus.
Die ausverkaufte Veranstaltung fand ihren Ausklang nach langanhaltendem und dankbarem Applaus mit individueller Buchsignatur und persönlichem Plausch mit dem Künstler.
Wie eingangs erwähnt, mit einer Lesung in München hat es nicht geklappt, dafür gibt es in ein paar Wochen mehr als würdigen Ersatz in Form eines Konzerts von Robert Forster mit Band, am Freitag, den 15. Dezember, im Feierwerk/Hansa39. Vorweihnachtsfreude pur, hingehen, toppt jedes noch so beseelte Adventssingen.

Very special thanx an Christian Strätz.

Robert Forster und Maik Brüggemeyer präsentieren „Grant & Ich“ mit Lesung, Interview und Konzert noch zu folgenden Gelegenheiten:

28.11.Sulzbach-Rosenberg – Capitol
29.11.Wien – Akzent Theater

Reingelesen (69): Robert Forster – Grant & Ich

„Würden wir nicht alle gern dort leben, in Lovers Lane? Würden wir? Würden wir nicht alle davon träumen, Pop-Stars zu sein, indem wir einfach dort leben, ein- und ausgehen und uns die Köpfe weglachen, während wir uns durch Leben, Dasein und Geschichte querverweisen? Die Go-Betweens tun es. Ihre heutige Musik kommt aus gigantischen Boxen in Himmel, aber diese sind nicht aus Holz, Press-Span oder anderem handfesten Material, und der Schalldruck ist so sanft, die Klänge und Muster so ätherisch, dass nichts davon das Luftschloss gefährden könnte, das unter dieser Adresse zu finden ist.“
(Michael Ruff, Das Leben ist zwei Bäume, Spex 10/1988)

Robert Forster – Grant & Ich. The Go-Betweens und die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft (2017, Heyne Encore)

The Go-Betweens aus Brisbane/Queensland/Commonwealth Of Australia: Sie waren in den Achtzigern neben Bands und Musikern wie diversen Flying-Nun-Neuseeländern, The Fall, Hüsker Dü, Nick Cave und seinen Bad Seeds, Jeffrey Lee Pierce und dem legendären Gun Club, den Swans oder den ebenfalls von Down Under stammenden Brachial-Bluesern Beasts Of Bourbon plus einer überschaubaren Schar von Altstars wie John Cale, Lou Reed und Van Morrison der verlässliche Anker in Sachen Musik, Haltung und intellektueller Background, in einer Dekade, die gemeinhin als Pop-historisches Katastrophen-Jahrzehnt gilt – der synthetische Plastik-Pop-Müll von Bands wie Wham!, Duran Duran oder Spandau Ballet, der Chart-stürmende Auswurf von Mainstream-bevölkernden Entertainern wie der „Queen Of Pop“-Trulla Madonna, ihrem chemisch-chirurgisch nachbehandelten männlichen Pendant und das „Born In The USA“-Stadionrock-Gegröle vom bis dahin noch hinlänglich brauchbaren Americana-/Heartland-El-Jefe untermauern dieses Verdikt nachdrücklich, und doch war bei Weitem nicht alles schlecht, was in jenen Jahren im Plattenladen über den Tresen ging und sich auf den Bühnenbrettern dieser Welt tummelte, die Rettung von und Alternative zum Nerven-zerrüttenden Radioprogramm kam – wie dieser Tage längst etabliert – von unabhängigen, kleinen Platten-Labels und idealistischen Musikern, die leider oft vergebens versuchten, die Pop-Welt mit einer gesunden Mischung aus Do-it-yourself-Ansatz, unerschütterlichem Enthusiasmus und dem festen Glauben an die eigenen Fähigkeiten aus den Angeln zu heben.

„Ich dachte mir, wenn Jagger, McCartney, Springsteen, Fogerty, Bowie und all die anderen alten Säcke nicht mutig genug waren, mit Konzepten wie Alter und der Zeit zu spielen – noch dazu in einer Kunstform, die eigentlich befreiend sein sollte -, würde ich es halt tun. Ich würde mit neunundzwanzig der alte Mann des Rock sein.“
(Robert Forster, Grant & Ich, Das Blake-Carrington-Zwischenspiel)

Robert Forster erzählt in seinem 2016 bei Penguin Books Australia im Original erschienenen Werk „Grant & I: Inside and outside the Go-Betweens“ anhand seines eigenen Lebenslaufs, den verschlungenen Pfaden seines Songwriter-Freundes Grant McLennan und der Irrungen und Wirrungen der gemeinsamen Band eine dieser spannenden Geschichten aus den Anfangstagen des Indie-Rock, die in dem Fall geprägt war von der frühen und Jahrzehnte anhaltenden Freundschaft zweier hochtalentierter Geschichtenerzähler und Komponisten. Forster, „born to a family of honest workers“, wie er später in einem autobiographischen Song texten und singen sollte, wächst im australischen Brisbane auf und wird in seiner musikalischen Sozialisation vom Glamour eines David Bowie, dem Dandy-haften Auftreten Bryan Ferrys mit seiner Prog-/Art-Rock-Truppe Roxy Music und vor allem Bob Dylans herausragendem Songwriter-Talent geprägt, im Uni-Betrieb von Bribane lernt er 1976 mit dem Film-Enthusiasten und Literatur-Interessierten Grant McLennan, der sich in jener Zeit mit amerikanischen Siebziger-Größen wie Ry Cooder und Jackson Browne auseinandersetzt, einen Geistesverwandten und lebenslangen Weggefährten kennen.
Geprägt von den großen Namen und beeindruckt vom Erfolg der frühen Punk-Single „(I´m) Stranded“ der ortsansässigen Saints um die befreundeten Songwriter Chris Bailey und Ed Kuepper ist der Schritt für Forster und McLennan nicht mehr weit zur eigenen Band, zu Demo-Aufnahmen und den ersten Gehversuchen im Musik-Business. Mit der um einige Jahre älteren, linken Siebziger-Jahre-Aktivistin, Sozialarbeiterin und ehemaligen Punk-Musikerin Lindy Morrison an den Drums beginnt eine Reise, die die Combo zu zeitweiligen Standorten nach Glasgow und London, diversen Heimat-Heimkehr-Aktionen ins australische Brisbane und Sidney, in temporäre Wohngemeinschaften mit Bandmitgliedern der Bad Seeds, zu zahlreichen, der Erfolglosigkeit geschuldeten Plattenlabel-Wechseln, amourösen Beziehungen innerhalb der Band, einer langen Auszeit nach erster Bandauflösung und einem vielversprechenden Neuanfang mit jähem Ende führen wird.
Es ist die Geschichte von der Suche nach dem großen, permanente Finanz-Probleme lösenden Hit, der sich trotz großartiger, von der Kritik hochgelobter Alben partout nicht einstellen mag, Alben, die in den Texten neben persönlichen Eindrücken und Stimmungen geprägt sind von einem tief empfundenen Verständnis für Literatur und Filmkunst, die in der musikalischen Umsetzung hinsichtlich dunkler, betörender Balladen auf der einen und einem einzigartigen Gespür für Sonnen-durchflutete, herausragende Melodik auf der anderen Seite ihresgleichen suchen.
Und es ist die Geschichte einer außergewöhnlichen Männerfreundschaft, die über viele Jahre durch Höhen und Tiefen ging, die die Brüche innerhalb der gemeinsamen Band reflektierte, das Ringen um Arbeitsmethodik, musikalisches Verständnis, Form, Präsentation, und nicht zuletzt das paritätische Feilschen um die jeweilige Songauswahl auf den einzelnen Tonträgern.
Darin eingewoben findet sich die eigene Gedankenwelt Forsters, seine Empfindungen und Erlebnisse wie das humorige „Blake-Carrington-Zwischenspiel“, wie er es einmal zustande brachte, den Dauer-besoffenen Shane MacGowan hinsichtlich Zudröhnung auszustechen, und Erhellendes zu seinem Suchtverhalten, das man in der Form bei einem Intellektuellen des Rock’n’Roll-Zirkus wie ihm nicht erwartet hätte, man sah ihn vor dem inneren Auge stets vor sich, wie er innerhalb des hektischen Tour-Betriebs stoisch über einem Dostojewski-Werk oder „Ulysses“ brütet. Und es ist selbstredend, wie es sich für eine gute Go-Betweens-Story ziemt, auch eine Geschichte der Romantik, die ihr Happy End im tiefsten Bayern finden wird, in der oberpfälzischen Heimat der ehemaligen Musikerin Karin Bäumler der hier hinlänglich bekannten Indie-Band Baby You Know.

„Es war immer ein Teil des Bildes, das wir von der Band hatten, dass das dritte Mitglied eine Frau sein musste. Wenn Grant hätte Schlagzeug spielen wollen, hätten wir eine Bassistin finden müssen. Wir wollten nicht ausschließlich Männer sein – das war zu starr und vorhersehbar, und die Bücher und Filme, die wir mochten, hatten alle weibliche Figuren.“
(Robert Forster, Garnt & Ich, Der Sound gestreiften Sonnenlichts)

Forster gelingt es in unaufgeregter Manier in entspannt-zusammenhängend erzählten Episoden, den Geist jener Jahre einzufangen, als Indie noch neu, unverbraucht, aufregend und unvorhersehbar war, Schlaglichter aus einer Zeit, in der heute bei den Nachgeborenen als einflussreich und groß geltende Bands in kleinem Rahmen auftreten mussten, weil sich schlicht und ergreifend damals nur die Wenigsten für den grandiosen Sound und die mit Herzblut vorgetragenen Gigs dieser Combos interessierten – man sieht sich bei der Lektüre förmlich selber noch vor der heimischen Stereoanlage sitzen, im Frühsommer 1987, um das Wiener U4-Konzert im Tags darauf gesendeten Ö3-Musicbox-Mitschnitt auf Tape zu verhaften, noch völlig verzückt vom selbst besuchten, vorangegangenen Auftritt der Go-Betweens in der Münchner Manege, so wie auch Jahre später schwer beeindruckt und begeistert bei ähnlichen gelungenen Auftritten, ob 1988 zur Präsentation vom Pop-Wunderwerk „16 Lovers Lane“, 1989, als die Band für viele Jahre ihr – zu der Zeit noch nicht absehbar – vorläufig letztes Konzert im Vorprogramm der an dem Tag bestens aufgelegten R.E.M. unter der Kuppel des wunderschönen Münchner Circus-Krone-Baus gaben, bei spontan anberaumten Robert-Forster-Solo-Gigs zum Feierwerk-Sommerfest oder den sehnsüchtig erwarteten Reunion-Konzerten in den frühen Nuller-Jahren.

„Für unsere unbefleckte Plattensammlung kommt fast jede der sechs Go-Betweens-Platten in Betracht, aber „16 Lovers Lane“ bringt soviel Glück, Beschwingtheit und Leichtigkeit ins Leben, dass nur sie mit auf jene berühmte einsame Insel darf. Für alle Fälle. Für das erste Rendezvous. Für lange, einsame Autofahrten. Für das Frühstück an einem Sonntagmorgen. Für dunkle Stunden, wenn ein wenig Glück aus der Konserve nicht schaden kann.“
(Karl Bruckmaier, Soundcheck)

12 Jahre nach „16 Lovers Lane“ und dem Split der Band glückt den Go-Betweens mit ihrem Album „The Friends Of Rachel Worth“ in neu formierter Besetzung das gelungenste Werk neben ihrem 1986er-Meilenstein „Liberty Belle And The Black Diamond Express“ und ein gefeiertes Comeback bei Publikum und Fachpresse, McLennan trat an Forster nach einem der wenigen, sporadisch gemeinsam gespielten Akustik-Duo-Konzerte zur Bewerbung eines neuen Go-Betweens-Best-Of-Albums mit der dringenden Bitte zu einer Reunion der Band heran, in jener von gebrochenem Herzen und depressiven Anwandlungen, unstetem Leben und permanentem, übermäßigem Alkoholkonsum geprägten Lebensphase McLennans sein vorläufig rettendes Ufer.

Am 6. Mai 2006 lösen sich die Zukunftsplanungen für ein viertes Album nach der Wiedervereinigung urplötzlich wie höchst tragisch in Luft auf, Robert Forster, selbst zu der Zeit schwer an Hepatitis erkrankt, erscheint abends auf einer Privatparty seines langjährigen Weggefährten, um auf völlig geschockte Freunde und Verwandte Grant McLennans zu treffen, der Musiker war nach kurzer Übelkeit an einer schweren Herzattacke verstorben – das jähe Ende einer jahrzehntelangen Freundschaft und der Indie-Pop-Legende The Go-Betweens.

Robert Forster hat mit „Grant & Ich“ eine flott zu lesende (Auto-)Biografie über sein eigenes Leben, über die Geschichte einer außergewöhnlichen und bis heute einflussreichen wie faszinierenden Band und die mal mehr, mal weniger greifbaren Details aus der Vita seines besten Freundes Grant McLennan geschrieben, dominierend mit Ausnahme der ernsthafteren Passagen im gefälligen Plauderton, genau so weit ins Detail gehend, dass es auch die bisher vom musikalischen Schaffen Forsters unbeleckte Leserschaft nie überfordert oder gar langweilt. Bereichert wird die Dokumentation mit einem feinem Gespür für Humor, was zumindest KonzertgängerInnen des australischen Songwriters aufgrund seiner oft linkisch wirkenden, geistreichen Stücke-Anmoderationen kaum überraschen dürfte.
Pflichtlektüre für alle Fans der australischen Kult-Band sowieso, wie für alle, die es etwas genauer wissen wollen, wie es damals lief – oder vor allem schief lief – im Musikbusiness der verpönten Achtziger.

Übersetzt wurde das Werk von Maik Brüggemeyer, seines Zeichens Romancier und Lohnschreiber bei der Ewig-Gestrigen-Mainstream-Postille Rolling Stone (das Pop-Tagebuch vom grandiosen Eric Pfeil dort taugt schon schwer, keine Frage, nur ganz am Rande bemerkt), ob die Translation höchsten Ansprüchen genügt, darf aufgrund von sprachlichen Unebenheiten wie etwa exemplarisch dem Pleonasmus in „Es war das letzte Ende der No-Wave-Szene“, ab und an auftretender, latent störender Wortwiederholungen und einigen holprigen, sperrig zu lesenden Formulierungen zumindest dezent in Frage gestellt werden, abschließende Klärung oder Richtigstellung würde wohl nur der Vergleich mit dem Original bringen, aber irgendwo macht der Spaß hinsichtlich Recherche dann auch mal eine Kurve.

„Grant & Ich. The Go-Betweens und die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft“ erscheint heute beim Münchner Wilhelm Heyne Verlag als Hardcover-Ausgabe im Encore-Programm.

Der Musiker und Autor Robert Forster wurde 1957 im australischen Brisbane geboren. Er gilt aufgrund seiner Alben mit den Go-Betweens und seiner Solo-Werke inzwischen als einer der profiliertesten Songwriter des Indie-Rock. 2009 hat er sein Buch „The 10 rules of rock and roll: collected music writings 2005–09“ veröffentlicht. Robert Forster lebt mit seiner deutschen Frau Karin Bäumler und seinen Kindern in Australien. Zuletzt ist 2015 sein Solo-Album „Songs To Play“ bei Tapete Records erscheinen.

Herzlichen Dank an Gabi Beusker / Presseabteilung Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar.

Robert Forster geht im November mit „Grant & Ich“ auf Lesereise, zu folgenden Terminen wird er aus seinem biografischen Werk vorlesen und eine Auswahl seiner wunderbaren Songs zur akustischen Gitarre vortragen (die Münchner Veranstalter dürfen sich ein Loch ins Knie schämen, by the way):

05.11.Hamburg – Nachtasyl / Thalia-Theater
06.11.Berlin – Kulturbrauerei Maschinenhaus
07.11.Frankfurt – Brotfabrik
09.11.Regensburg – Buchhandlung Dombrowsky
10.11.Köln – King Georg
11.11.Reutlingen – Vitamin
28.11.Sulzbach-Rosenberg – Capitol
29.11.Wien – Akzent Theater

Appendix: Was muss von den Go-Betweens / Forster / McLennan im Plattenschrank stehen?

Den Fans und Verehrern der Go-Betweens muss man die Tonträger der Band oder ihrer einzelnen Protagonisten nicht weiter ans Herz legen, sie dürften ihre Plattenregale längst zu Teilen oder im besten Fall mit dem Gesamtwerk der Musiker bestückt haben, Novizen sei hiermit eine Auswahl ihrer wichtigsten Arbeiten ans Herz gelegt:

The Go-Betweens – 1978 – 1990 (1990, Beggars Banquet)
Der ideale Einstieg: Exzellente Doppel-LP-Compilation über die ersten sechs Alben der Band, enthält neben „Greatest-Hits“-Klassikern schwer erhältliches B-Seiten-Singles-Material und bis dahin Unveröffentlichtes wie exemplarisch das grandiose Frühwerk „Karen“ oder die später bei Konzerten oft gespielten, ergreifenden Indie-Pop-Balladen „This Girl, Black Girl“ und „When People Are Dead“. Mit jeweils kurzen Anmerkungen zu den einzelnen Stücken von Robert Fortster bzw. Grant McLennan im Plattenhüllen-Text.

„Es war ein Lobgesang auf die Bibliothekarinnen an der Universität – hilfsbereite, distanzierte Frauen, die ich vergötterte – , der sich über drei Strophen und Refrains aufbaute und anschwoll und seinen Höhepunkt in lauten Rufen des Songtitels fand: Karen.“
(Robert Forster, Grant & Ich, Den Vampiren entkommen)

The Go-Betweens – Liberty Belle And The Black Diamond Express (1986, Beggars Banquet)
Das vom Talking-Heads-/Ramones-Label Sire aufgelegte Vorgänger-Album „Spring Hill Fair“ litt vor allem unter Band-untypischer Überproduktion, wenn auch das Songmaterial etliche grandiose Indie-Klassiker („Man O´Sand To Girl O´Sea“, „Bachelor Kisses“ u.a.) aufbot, die beiden ersten Alben waren – nichtsdestotrotz hörenswert – vor allem durch erratisches Songwriting und Verhaften in der Velvet-Underground-Reminiszenz geprägt, wenn auch auf „Before Hollywood“ in Richtung intensives Melodienreichtum getrieben, auf „Liberty Belle And The Black Diamond Express“ hat dann endlich alles gepasst: hervorragendes, stimmiges Song-Material, mit der Creedence-Clearwater-Revival-Verneigung „Spring Rain“ und dem schmissigen „Head Full Of Steams“ zwei potentielle, wahrhaftige Indie-Hits, die – wen wundert es – in den dämlichen Achtzigern nicht die Beachtung fanden, die sie verdient hätten.
Danach kamen mit „Tallulah“ und „16 Lovers Lane“ zwei von der Oboe und Violine Amanda Browns bereicherte, Ohren-schmeichelnde und Melodie-verliebte Gitarren-Indie-Pop-Kleinode, letzteres von Presse und Musiker-Kollegen hochgelobt und in der Liste „100 Best Australien Albums“ auf Platz 12 sowie in der „1001 Albums You Must Hear Before You Die“-Auswahl aufgeführt.

The Go-Betweens – The Friends Of Rachel Worth (2000, Clearspot)
Exzellentes Comeback-Album der Band, das Forster/McLennan mit der langjährigen australischen Begleiterin Adele Pickvance am Bass, den drei Riot-Grrrl-Ladies von Sleater-Kinney und Sam Coomes, dem Keyboarder der Portland-Indierock-Combo Quasi, einspielten. Enthält neben wunderschönen, autobiographischen Balladen mit der Mc-Lennan-Komposition „The Clock“ die schmissigste Indie-Rock-Nummer der Go-Betweens. Danach kam das weniger brauchbare „Bright Yellow Bright Orange“ und das final nochmal sehr genehme Studio-Album „Oceans Apart“ sowie ein nur bei Konzerten erhältliches Doppelalbum, „Live In London“, und dann war zum großen Bedauern der zahlreichen Fans endgültig Schluss mit der Combo.

The Go-Betweens – That Striped Sunlight Sound DVD + CD (2006, Tuition Records)
Sahnestück für alle GB-Fans: Die auf DVD und CD enthaltene, exzellente Live-Werkschau, mitgeschnitten und gefilmt bei einem Brisbane-Heimspiel der Band im August 2005. Als zusätzlicher Bonus sind „The Acoustic Stories“ auf der DVD enthalten, bei denen die beiden Songwriter Forster & McLennan aus dem Nähkästchen plaudern und ausgewählte Unplugged-Versionen ihrer Songs zum Besten geben. Unverzichtbar.

Grant McLennan – Horsebreaker Star (1994, Beggars Banquet)
Solistisch konnte Grant McLennan als versierter und over the top talentierter Songwriter, der er zweifelsohne war, mit seiner Melodie-verliebten Variante des Indie-Rock seltsamerweise nie vollends überzeugen, dem Idealbild seiner Tondichtung am nächsten kommt die als „16 Lovers Lane“-Nachfolgerin denkbare Doppel-CD „Horsebreaker Star“, die der Musiker mit dem R.E.M.-Produzenten John Keane in Athens/Georgia einspielte, exzessive Ausflüge in den Alternative Country inklusive.

Robert Forster – Danger In The Past (1990, Beggars Banquet)
Großartiges Solo-Debüt Forsters, aufgenommen unter der Regie und mit Unterstützung von Bad-Seeds-/CCS-/Birthday-Party-Legende Mick Harvey in den berühmten Berliner Hansa Studios, mit Nick-Cave-/Die-Haut-Trommler Thomas Wydler und dem australischen Landsmann und Düster-Drone-Blueser Hugo Race finden sich weitere Indie-Größen auf der Besetzungsliste. Entstanden kurz nach dem Umzug des Musikers ins oberpfälzische Alteglofsheim, enthält das Werk ursprünglich für ein nächstes Go-Betweens-Album geschriebene Perlen wie „The River People“, „Dear Black Dream“ oder die schmissige Pop-Nummer „Baby Stones“.

Robert Forster – The Evangelist (2008, YepRoc / Tuition Records)
Bestes und von allen persönlich geprägten Forster-Alben hinsichtlich thematischen Inhalten sein intensivstes. Enthält neben sieben Eigenkompositionen die ausgearbeiteten, für ein zehntes und nicht mehr realisiertes Go-Betweens-Album komponierte McLennan-Entwürfe „It Ain´t Easy“, „Demon Days“ und „Let Your Light In, Babe“. Das in Ton gegossene Farewell für den alten Freund. Schlicht und ergreifend, hat in den vergangenen zehn Jahren nichts von seiner bezwingenden Schön- und Reinheit verloren.

Darüber hinaus gibt es etliches Anregendes zu entdecken auf den beiden Alben der Duo-Kollaboration Jack Frost, die Grant McLennan in den Neunzigern sporadisch mit Steve Kilby, dem Bandleader der australischen Indie-Psychedelic-Pop-Combo The Church, betrieb. Mindestens partiell hörenswert ist auch die Solo-Arbeit „Incognita“, ein von getragenen Balladen durchwehtes Album von Amanda Brown, zwischen 1986 und 1989 an Oboe, Violine, Keyboard und Gesang bei den Go-Betweens zugange, wie auch ihre leichtfüßig-beschwingte, Bangles-infizierte Indie-Pop-Zusammenarbeit mit der ex-Go-Betweens-Drummerin Lindy Morrison unter dem Bandnamen Cleopatra Wong.

Wie es einer großen Band gebührt, gibt es würdige Verneigungen beeinflusster MusikerInnen vor der Indie-Legende from Down Under, auf dem 1996 erschienenen Album „Right Here – A Go-Betweens Tribute“ tummeln sich weitgehend in unseren Breitengraden unbekannte australische Bands und demonstrieren eindrucksvoll, dass das exzellente Forster/McLennan-Songmaterial in jedweder stilistischen Ausprägung funktioniert, „The House Jack Kerouac Built“ etwas als unterkühlter Postpunk der Earthmen, „Hammer The Hammer“ und „In The Core Of A Flame“ als wuchtige Hardrock-Stampfer, daneben schmissige Power-Pop-, Alternative-Country-, C86-Uptempo-Gitarrenschrammel- und Speed-Bluegrass-Interpretationen, oder das als atmosphärischer Prärie-Punk daherkommende „Spring Rain“ von Holocene, der Tonträger ist eine gelungene Querbeet-Reminiszenz an die ersten 6 Alben der Go-Betweens.
2007 ist „Write Your Adventures Down – A Tribute To The Go-Betweens“ beim australischen Red Label erschienen, das Album deckt beide Schaffensperioden der Band ab und orientiert sich im Geiste der Songwriter in den einzelnen Interpretationen weitestgehend an den Originalen, was bei Beteilung der ab 2000 bei den GBs aktiven Musikerin Adele Pickvance und von Glen Thompson, dem späteren Drummer der Band, naheliegend nicht weiter verwundert.