Black Friday

Soul Family Tree (25): Tanzbar 2

REINGEHÖRT Juni 1

Heute heißt das Motto wieder: Tanzbar Spezial. Es gibt Soul, Swing und R’n’B fürs Herz, aber auch für die Arme und Beine. Floorfillers zum Vorglühen auf das Wochenende. Rare, teils abgefahrene, Grooves treffen auf fast vergessenen Perlen der Tanzmusik. Und wie stets heißt es: All Killer, No Fillers! – ein Beitrag von Stefan Haase vom Hamburger Freiraum-Blog zur Black-Friday-Reihe, die ab jetzt im gedehnteren 14-Tages-Rhythmus groovt:

Schwungvoller Pop aus Frankreich samt Einkaufstipps für die nächste Party, Swing und Jazz und groovend-rockige Orgelklänge mit einer schwarzen Katze und einen Dancehall Reggae-Klassiker. Let´s go.

Den Anfang macht der Franzose Nino Ferrer mit seinem Evergreen „Les Cornichons“. Ferrer wurde in den 1960er Jahren in der Schublade „Spaßvogel“ abgelegt. Er zog sich aus der Musik zurück und wurde für einige Jahre Pferdezüchter. In den siebziger Jahren kam er wieder als Komponist zurück. Wer also noch Einkaufstipps für die nächste Party braucht, wird hier bestens bedient.

Brian Auger ist ein Abenteurer. Soul, Rock, Pop, Jazz-Fusion… für ihn und seine Hammond-Orgel kein Problem. Sein erstes Bandprojekt war The Steampacket, zusammen mit Rod Stewart, John Baldry und Julie Driscoll. Nachdem Stewart und Baldry ihre Solokarrieren starteten, gründete er mit Julie Driscoll die Band Trinity und hatte u.a. mit „This Wheel´s On Fire“ mehrere Single-Hits. Ich habe für das Tanzbar-Special den Song „Black Cat“ ausgesucht, mit einem Kuckuck gleich zu Beginn. Selten hat man eine Orgel so rockig gehört wie hier.

Mit Sister Nancy geht es lässig weiter. Sie war die erste weibliche Stimme der Dancehall-Szene. Und mit Dancehall ist eine Spielart des Reggaes mit Hip-Hop-Einflüssen gemeint. Vor fast 20 Jahren zog sie sich bereits aus der Musik zurück und arbeitet heute als Bankkauffrau in den USA. Wir hören ihren größten und internationalen Hit „Bam Bam“, der wunderbar zur Tanzbar passt.

Der Rausschmeißer zum Wochenende kommt vom Sänger, Komponisten, Trompeter und Entertainer Louis Prima. 1935 komponierte er den Welthit „Sing, Sing, Sing (When You Swing)“, der seine Weltkarriere begründete. Es sollten noch viele weitere Hits folgen. Als sich Las Vegas in den 1950er Jahren als Unterhaltungsmetropole zu etablieren versuchte, war Louis Prima bereits dort. Gerade in dieser Zeit folgten weitere Hits wie u.a. „Just A Gigolo“. Ausgesucht habe ich ein Duett mit seiner späteren Ehefrau Keely Smith, den Song „Jump Jive An‘ Wail“.

Ich hoffe, es hat wieder Spaß gemacht. Bis zum nächsten Mal.

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum.

Soul Family Tree (24): Al Green, Junior Parker, Timmy Thomas, Stetsasonic, Donny Hathaway

Mit Groove und Soul ins Wochenende. Musik zum Vor- oder Nachglühen. Der wöchentliche Gruß aus der Soul Kitchen mit einer neuen Langen Rille, einem Hip-Hop-Klassiker, Timmy Thomas, Junior Parker, Al Green und der Geschichte hinter dem Hit „Take Me To The River“ – Der Black-Friday-Weekender von Stefan Haase, here we go:

I was trying to get more stability in my life. I wrote:
Take me to the river
Wash me down
Cleanse my soul.
(Al Green)

1971 erschien der Song „River´s Invitation“ von Junior Parker, den später Al Green zum Anlass nahm, seinen großen Hit „Take Me To The River“ zu schreiben. Anfangs erwähnt Green Junior Parker und widmete ihm den Song. Interessanterweise entschied Greens Plattenfirma sich dagegen, den Song als Single zu veröffentlichen und so erschien er nur auf dem Al-Green-Album von 1974, „Explores Your Mind“. In der Zwischenzeit wurde der Song recht erfolgreich von Syl Johnson gecovert und ein Jahr später auch als Single von Al Green veröffentlicht. Es gibt unzählige Coverversionen. Die meisten werden sicher das Cover der Talking Heads kennen. Im April feierte Green seinen 71. Geburtstag und ist weiter aktiv als Sänger und Prediger unterwegs.

No more wars, no more wars, no more war
Mmm, just a little peace in this world
No more wars, no more war
All we want is some peace in this world

Timmy Thomas war Begleitmusiker u.a. für Donald Byrd. 1972 debütierte er gleich mit seinem größten Hit, der viele Male gecovert wurde. Am bekanntesten ist die Version der Sängerin Sade von 1984. Thomas hatte danach einige weitere Hits. Doch „Why Can´t We Live Together“ war sein Debut als Solokünstler und wurde eine zeitlose Nummer. Allein das lange instrumentale Intro führt wunderbar in das Lied ein. Diese Aufnahme ist ursprünglich eine Demo-Version gewesen und sollte aufgemotzt werden mit einer Band. Doch der Produzent entschied sich glücklicherweise, die Version mit Keyboard und Drum-Machine in ihrer Ursprungsform zu belassen. Der Rest ist Geschichte.

Stop, check it out my man
This is the music of a hip-hop band
Jazz, well you can call it that
But this jazz retains a new format

Gehen wir in die 1980er Jahre und kommen zu einem Klassiker des Hip Hops. Stetsasonic wurden mit ihrem Jazz beeinflussten Rap weltweit bekannt. „Talkin’ All That Jazz“ basiert auf zwei Songs von Donald Byrd und Lonnie Liston Smith. Anfang der 1990er Jahre lösten sie sich wieder auf. Jetzt kommt aus ihrem 1988er Album „In Full Gear“ ihr größter Hit.

Die Lange Rille kommt heute von einem der essentiellsten Live-Alben. Geschrieben wurde der größtenteils instrumentale Song „The Ghetto“ von Donny Hathaway und Leroy Hutson und erschien 1970 auf dem Debütalbum von Hathaway in einer Länge von 6:50 Minuten. 1972 nahm Hathaway den Song, der im Jazz/Latin-Stil aufgenommen wurde, für sein Live-Album „Donny Hathaway Live“ auf. Dieses Mal mit einer Länge von 12:08 Minuten. Auf dem Album sind zwei Live-Auftritte von Hathaway zu hören, die er 1971 in New York gab, sowie Klassiker wie „What´s Going On“ von Marvin Gaye oder Carole Kings „You´ve Got A Friend“ und John Lennons „Jealous Guy“. Donny Hathaway, den vermutlich die meisten aus der Zusammenarbeit mit Roberta Flack kennen, konnte eigentlich alle Stilrichtungen singen. Ob R&B, Soul oder Pop. In den 1970er Jahren hatte er viele Hits. Leider endete sein kurzes Leben bereits 1979, als er leblos aufgefunden wurde. Er wurde nur 34 Jahre alt. Geblieben sind Klassiker der Soul-Geschichte.

Das war es für heute. Bis zum nächsten Mal.

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum

Soul Family Tree (23): Trombone Shorty, Tanika Charles, DJ Shadow & Nas, China Moses, Isaac Hayes

Another Black Friday mit einem Gastbeitrag vom Hamburger Freiraum-Blogger Stefan Haase zum beschwingten Grooven in das Wochenende, here we go:

Heute im Soul Family Tree gibt es neue Musik von Trombone Shorty, Tanika CharlesDJ Shadow & Nas, China Moses und die „Lange Rille“ mit einer Extraportion „Hot Buttered Soul“ mit Isaac Hayes.

Los geht es mit Musik aus New Orleans. Trombone Shorty ist ein besonderer Musiker. Nicht nur das er Posaune spielt, er ist auch Bandleader und Sänger seiner Band. Stilistisch verbindet er den traditionellen Bläser-Sound New Orleans mit Soul, Jazz und Hip-Hop-Elementen. Im letzten Jahr spielte er u.a. auch im Weißen Haus vor dem damaligen Präsidenten Obama und verzückte nicht nur ihn. Jetzt gibt es ein neues Album und es macht einfach gute Laune, Trombone Shorty zu hören. Zum Einstieg gibt es ein früheres Lied von ihm, wo er auch nicht vor der E-Gitarre halt macht. Und danach gibt es eine Kostprobe vom neuen Album „Parking Lot Symphony“.

Tanika Charles kommt aus Toronto/Kanada und legt nun ihr Debut vor. Man sollte sie nicht vorschnell in der Retro-Soul- oder Neo-Soul-Schiene ablegen. Ihre Stimme ist grandios und das Album voll mit launigen Songs, die an Amy Winehouse oder an Sharon Jones erinnern. Obwohl musikalisch noch Luft nach oben ist, gehört dieses Debüt bereits zu den erfreulichsten Neuveröffentlichungen in diesem Jahr. Mehr zu hören gibt es hier: Tanika Charles mit „Endless Chain“.

Nas legte bereits in den 1990er Jahren mit „Illmatic“ einen Meilenstein des Rap vor. Nas steht u.a. für „Nigga Against Society“ wie auch als Kurzname zu seinem bürgerlichen Namen Nasir. Nach einigen Jahren, als um Nas ruhiger war, meldet er sich nun wieder mit einem Album, das er zusammen mit DJ Shadow aufgenommen hat. Ende Juni wird es erscheinen und vorab gibt es die erste Single „Systematic“, die als Appetizer die Neugierde auf das Angekündigte hoch hält. DJ Shadow ist derzeit einer der angesagtesten DJs, Produzenten und Musiker im Hip Hop.

China Moses wurde das Talent und die Liebe zur Musik bereits in die Wiege gelegt. Sie ist die Tochter der großen Jazz-Lady Dee Dee Bridgewater. Für ihr neues Album ging sie nach London und nahm es unter Live-Bedingungen mit akustischen Instrumenten auf. Auch wenn ich hier nur ein Lied spiele, so empfehle ich, nach ihr im Netz zu suchen. Sie schafft es mit ihrer Stimme selbst Disco-Stampfer wie „Hot Stuff“ mittels Soul/Jazz neues Leben einzuhauchen und wenn sie Janis Joplin’s „Move It Over“ singt, dann interpretiert sie das Lied mit Respekt und vermittelt durch ihre Neueinspielung, wie stark das Lied bis heute geblieben ist. Und sie hat Stil und Ausdruck in ihrer Stimme.

Nachdem letztens in den Kommentaren das Stichwort „Hot Buttered Soul“ fiel, nehme ich den Ball musikalisch auf, als Rausschmeißer gibt es einen Meilensteine des Soul: die LP-Version von „Walk Ob By“. Kommen wir kurz zu den Zahlen: dieses Album enthielt „nur“ 4 Stücke mit einer Durchschnittslänge von 11 Minuten. 1969 erschien das zweite Album vom „Black Moses“ bei Stax Records. Und es hat auch einen der längsten Einworttitel mit „Hyperbolicsyllabicsesquedalymistic“. Das Album wurde auch kommerziell ein großer Erfolg. Isaac Hayes war einer der ersten Künstler, der klassische Elemente wie Streicher mit Soul und monologisierende Texten zu einem eigenen Klangkosmos verschmolz. Ohne dieses Album würde vermutlich der Hip Hop und viele andere Künstler anders klingen. Und jetzt wird es episch mit der heutigen „Langen Rille“ und 12 Minuten vom Feinsten. Allein das gedehnte Intro mit E-Gitarren und Streichern lohnt, und dann setzt die Bariton-Stimme von Isaac Hayes ein. Großes Kino für die Ohren.

Bis zum nächsten Mal.

Peace and Soul.

Stefan aka Freiraum