Blasmusik

G.Rag und die Landlergschwister @ Braunauer Eisenbahnbrücke, München, 2019-07-15

„Down By The River“ hat der alte Neil Young einst seine Liebste erschossen, wie er das mal vor Unzeiten in eben jenem Song beichtete, am Montag beim Auftritt von Chefdirigent G.Rag und seinen Landlergschwistern am Ufer der Isar an der Braunauer Eisenbahnbrücke hingegen null Stress, kein zwischenmenschlicher und auch kein anderer, alles Friede, Freude und – falls im Picknickkorb eingepackt – vielleicht sogar der ein oder andere Eierkuchen. Dabei hätte die Freiluftveranstaltung aus dem Hause Gutfeeling im schlimmsten Fall selbst den ein oder anderen Mord verkraftet, Kapellmeister Staebler und seine Musikanten wären neben vielen anderen Inkarnationen auch als Funeral Band für „a scheene Leich“ sofort parat gestanden, See-Bestattung am nahen Gewässer inklusive. Die am lauschigen Sommerabend personell von Mathias Götz und Micha Acher (Hochzeitskapelle, Notwist, unzählige andere Formationen) ergänzte und instrumental bereicherte Zusammenkunft kann sowas spontan aus der Hüfte geschossen liefern, und noch so vieles mehr: Das Verbraten des Honkytonk eines Hank Williams mit der Volksmusik des „Kraudn Sepp“ Josef Bauer, die Transformation von Landler, Polka und Cajun in zeitlosen Bavarian No Wave – wo bei anderen Combos gecoverte Elektro- und Punk-Hits als Rumpel-Swing und windschief scheppernde Bajuwaren-Volksmusik peinlich berührtes Befremden auslösen würden, klingt das bei den Landlergschwistern so, als wären diese Nummern genau für dieses Format komponiert worden. Der Spirit der Songs will eben erkannt und angemessen interpretiert werden, deppertes und stumpfes Nachspielen ist woanders.
Die Welt ist ein Dorf, München sowieso, und damit darf es niemanden verwundern, wenn der schräge Big-Band-Sound aus New Orleans und der schrammelnde Country aus Texas nach oberbayerischer Dorffest-Anarchie im Geiste von Achternbusch, Graf und Polt klingen und die Isar ihr uraltes Lied dazu singt. G.Rag und die Seinen sind aus gutem Grund die Band, die dem alljährlichen, weltberühmten Massen-Besäufnis auf der Münchner Theresienwiese mit ihrem wunderbaren, seltsamen und verhauten Volksmusik-Kosmos im Herzkasperl-Zelt noch irgendeine Art von Sinn stiften. Zum Oktoberfest dann noch weitaus hitziger, Tanzwut befeuernder und bierselig aufgeladener, am Montagabend hingegen tiefenentspannt, mit improvisiertem Groove und Flow an den Muddy Banks of the River, ohne stilistische Berührungsängste und vor allem mit viel Spielfreude der zahlreich erschienenen Gefolgschaft den lauen Sommerabend orchestriert. Unkompliziert, spontan und beschwingt im Grünen wie immer, und musikalisch einnehmend wie eh und je. Und damit fängt die Woch‘ schon gut an, wie ein anderer bayerischer Volksheld vor über hundert Jahren kurz vor seiner Hinrichtung verlauten ließ…

Und weil’s so schön war und die sommerlichen Auftritte aus der Gutfeeling-Welt im Freiraum der Isar-Auen mittlerweile sowieso schon gute Tradition haben wie das Stimm-verzerrende Megaphon zum polternden Sound, gibt es am 6. September an gleicher Stelle ab 18.00 Uhr eine weitere Runde G.Rag-Herrlichkeiten, dann im reduzierten Format als „NoWave Sundown Show“ mit der Zelig Implosion Deluxxe. Nach den großen Ferien, vor dem kollektiven Münchner Volksrausch.

Hochzeitskapelle @ Katrin’s Geburtstagsfeier, München, 2019-01-19

Gibt so Nummern, denen kommst Du nicht aus, wenn Du Dein Dasein in der Isarmetropole fristest. Schlimmste Horror-Ausprägung: Von jeder gefühlt zweiten Werbefläche und aus jedem Zeitungskasten grinst Dich irgendein Söldner vom rot-weißen Zuchthäusler-Verein an, vorzugsweise das feixende Watschengesicht vom grenzdebilen Dorfdeppen aus der Pähler Schlucht, unausweichlich wie einst die Hundstrümmerln auf dem Gehsteig vor Einführung dieser Einsammeltüten. Omnipräsenz Hilfsausdruck, Wolf Haas und so, Ihr wisst schon. Dass der Begriff der Allgegenwart auch positiv besetzt sein kann, untermauert seit einiger Zeit ein anderes Phänomen: Egal, ob Du ins Kino gehst – Wackersdorf-Film, sehenswert, nebenbei bemerkt – in die Kammerspiele zum neuesten Live-Hörspiel von Andreas Ammer, ob zu den Experimental-Experten der frameless/frameworks-Veranstaltungen, zum Wochenmarkt an den Käse-Stand Deines Vertrauens, aufs Oktoberfest, auf einen Ausflug an die Isar oder auf eine private Feierlichkeit, an der Hochzeitskapelle kommst Du derzeit nicht vorbei, „Ja, was glaubst Du denn?“ hätte der Haas jetzt hinterhergeschoben.
Jüngstes Beispiel am vergangenen Samstag, da hat die Katrin zwar nicht geheiratet, dafür einen „Runden“ gefeiert, irgendwas mit einer Drei oder Vier davor, egal, jedenfalls hat sie sich zu der Gelegenheit nicht lumpen lassen und nebst Vorsetzen ausgesucht exzellenter Verköstigung die Hochzeitskapelle „über’s Mahl pfeifen lassen“, wie das die Alten von den zahl- und namenlosen Hochzeitskapellen vergangener Jahrhunderte auf traditionellen Vermählungs-Festivitäten einst beschrieben.
In dem Fall zwar „nur“ mit 3/5 vom angestammten Personal der großartigen Sound-Kosmopoliten vom Weilheim/München-Kollektiv, die Reduzierung der Besetzung tat der Begeisterung über die Beschallung des Festakts jedoch keinen Abbruch. Statt handelsüblichem Konserven-Sound zu solchen Veranstaltungen, auf den sich im Zweifel sowieso nicht alle einigen können, also großes Live-Entertainment im Crossover von Cafehaus-Swing über gängige Polka- und Walzer-Taktung bis hin zum angeschrägten Country und polterndem New-Orleans-Blues nebst seiner Jazz-Verwandtschaft. Für den Die-Hard-Fan der Combo mochte der unnachahmlich beseelte, gedehnte, geschmeidige Groove von Posaunist Götz wie der für den Hochzeitskapellen-Sound typische, scheppernde Rhythmus von Schlagwerker Markus Acher an der ein oder anderen Stelle fehlen, alternativ dazu glänzte das Trio mit anderer Akzentuierung in ihrer Auswahl aus Werken vom 2016er-Debüt „The World Is Full Of Songs“, aus der letztjährigen Kollaboration „Wayfaring Suite“ mit dem japanischen Komponisten und Musiker Kama Aina und einer weiteren umfangreichen Selektion an beschwingten Nummern aus dem reichhaltigen Kapellen-Fundus.
Das Banjo von Haas-Namensvetter Alex durfte sich im Sinne des „Rumpeljazz“ mit stoischem, dezent antreibendem Saiten-Gerappel der Drummer-Konkurrenz entledigt in den Vordergrund spielen, Evi Kegelmaier ließ die Bratsche kammermusikalisch meisterlich im Stile alter Kaffeehaus-Orchester swingen, und Micha Acher gab mit ihr im Wechsel an der Sousaphon-Tuba die brummende Bass-Begleitung nebst etlichen entspannten, beglückenden Trompeten-Einlagen. Hochzeitskapelle quasi stripped to the bone, mal was anderes und gewiss kaum weniger erhebend als im vollen Ornat. Und „When It Rains In Texas (It Snows On The Rhine)“ in der minimalistischen Hochzeitskapellen-Fassung ist sowieso eine der herzergreifendsten Coverversionen ever, egal ob zu dritt oder fünft bespielt.
Dass bei einer großen Anzahl an kommunikativen Gästen nicht permanent über mehrere Stunden nur aufmerksam dem wunderbaren Sound gelauscht wird, selbst bei Ausnahmekönnern wie den Hochzeitskapellen-Musikanten nicht, liegt auf der Hand, insofern war das Gewerk der Drei mitunter als Begleitmusik zum feierlichen Beisammensein fast unter Wert verkauft oder eben verschenkt, aber andererseits war’s ja auch als außergewöhnliches Präsent gedacht, was sich die Katrin damit selber und ihren Gästen bescherte – dafür gilt es herzlichen Dank zu sagen, einmal, dass man dabei sein durfte, und nicht zuletzt selbstredend an die Hochzeitskapelle selbst für dieses wunderbare musikalische Geschenk.
Liebe Katrin, nochmal alles Gute zum Geburtstag, gesund bleiben, auf Sendung bleiben, und beim nächsten Anlass für größere Feierlichkeiten wieder die Hochzeitskapelle zur musikalischen Umrahmung einladen, als wohlklingendes Statement gegen schlechte Party-Beschallung :-)

Reingehört (478): G.Rag Y Los Hermanos Patchekos

G.Rag Y Los Hermanos Patchekos – How Sweet The Sound (2018, Gutfeeling Records)

Mit dem Interpretieren von Fremdkompositionen aus dem Fundus musikalischer Extremisten ist das so eine Sache, sowas kann durch fehlendes Gespür für das Werk und mangelnde eigene musikalische Fertigkeiten schnell ins Auge gehen, die Regale der Pop-Historie sind voll von schwerst misslungenen Zappa- oder Beefheart-Covern. Einer, an dessen Œuvre sich gewiss auch nicht jeder Hamperer rantrauen sollte, ist der geniale Experimental-Space-Jazzer Sun Ra. Das galaktische Feeling für die Kunst des außerirdischen Organisten und seines Arkestras ist nur den Großen der Zunft gegeben, der leider bereits vor über zwanzig Jahren viel zu früh dahingeschiedene Schützenvereins-Vorstand und Desert-Blues/Cowpunk-Obercharismatiker Jeffrey Lee Pierce for example hat das seinerzeit am 25. November im Jahr des Herrn 1986 bei der Eröffnung eines Konzerts seines Gun Clubs in der Unterföhringer Theaterfabrik formvollendet hingekriegt, nachdem er bizarr anmutend eine Ananas-Frucht auf der Bühne deponierte und im Anschluss nicht minder eigenwillig eine Piano-Jazz-Version von Sun Ras bekanntester Nummer „Nuclear War“ zum Besten gab, dem Violent-Femmes-Basser Brian Ritchie ist das Kunststück mit einer eingedeutschten Fassung dieses Klassikers auf seinem Solo-Debüt „The Blend“ ein Jahr später erneut gelungen, jetzt reihen sich aktuell unser geschätzter Münchner Kapellmeister Andreas Staebler aka G.Rag und seine nicht weniger geachteten Hermanos Patchekos auf dem jüngst erschienenen Album „How Sweet The Sound“ ein in die überschaubare Schar der befähigten Interpretierer des kosmischen Exzentrikers, mit einer exzellenten Fassung der Nummer „Rocket No. 9“, im Original als kurzes, kakophones Sternengelichter auf der auch sehr exzellenten Sun-Ra-Scheibe „Space Is The Place“ aus dem Jahr 1973 zu finden, und in der scheppernden G.Rag-Spielart ein herrlich LoFi-groovendes Crossover-Glanzstück zwischen Sciene-Fiction-B-Movie-Beschallung (circa Preisklasse „Raumschiff Orion“, Sie wissen schon, die Dietmar-Schönherr-Nummer aus den Sechzigern mit den Bügeleisengriffen als Raumschiff-Armaturen), lakonischer Worldbeat-Rhythmik und tiefen-entspanntem Cosmic-Jazz-Gerumpel.
In den ersten Live-Aufführungen hat es sich bereits angedeutet, dass es auf „How Sweet The Sound“ haufenweise weitere große, neue G.Rag-Würfe zu feiern geben wird, der Eindruck trog nicht, neben der Verneigung vor dem großen Jazz-Avantgardisten aus Birmingham/Alabama finden sich auf dem Tonträger wunderschöne Cumbia-Rhythmen vom Malecón des Münchner Glockenbachs, windschiefe Polka-Stomper, folkloristisch geerdete Texas Bohemia und herrlich angeschrägte Instrumental-Desert-Country-Seligkeiten, die direktemang den Weg vom Ohr ins Herz und Tanzbein der Hörerschaft finden und die „Rain Dogs“ vom guten alten Tom aus dem tiefen, dunklen Tal der Traurigkeit holen. Mit „Moissoneur“ wartet der Tonträger mit einer würzigen Cajun-Nummer reinsten Wassers auf, so wie die subtropischen, luftfeuchten Sümpfe Louisianas eben rein sein können, und mit der zweiten Fremdkomposition „Bye & Bye“ erklingt ein Erlösung herbeisehnender Uralt-Gospel-Blues, der unter anderem von Blind Willie Johnson unter dem Titel „Bye And Bye I’m Goin‘ To See The King“ oder der Carter Family und Mississippi Fred McDowell als „Wouldn’t Mind Dying“ weit zurückliegend im letzten Jahrhundert aufgenommen wurde, ein Old-Time-Klassiker, der in der beseelten G.Rag-Version auch auf der berühmten „Anthology Of American Folk Music“ von Harry Smith seinen Platz gefunden hätte, und der seine zeitlose Pracht auch dann noch entfalten wird, wenn wir mit Rakete Nummer neun längst wieder entschwunden sind und die Nachgeborenen mit unseren ausgebleichten Gebeinen die Birnen und Äpfel von den Bäumen schmeißen.
Allen Stücken gemeinsam ist das ausgeprägte Demokratie-Verständnis der musizierenden Zusammenkunft, im Patchekos-Big-Band-Gefüge drängt sich keine Stimme und kein Instrument in den Vordergrund, keine dominierenden Bläsersätze, Perkussions-Ergüsse oder Sanges-Arien, und doch kommt jeder Ton im Verbund zu seinem Recht und seiner gebührenden Entfaltung – so geht Sammelbewegung, Volksfront und Democracy Now!…
Mixen Sie sich was Strammes zusammen, lecker Schnäpse plus frisch gepressten Fruchtsaft-Beihau, zünden sie sich eine würzige handgewickelte Kubanische dazu an und geben Sie sich den „Sweet Sound“ als Beschallung zum entspannten Sinnieren und Mitwippen mit Blick auf den Sonnenuntergang auf die Lauscher, bessere Begleitmusik zu der Gelegenheit wird Ihnen heuer selten über den Weg laufen.
Zu dieser Platte gibt es nur eines zu beanstanden: ihre run-time ist bei Weitem zu kurz ausgefallen. Mit gut 26 Minuten Spieldauer sind die neun Gusto-Stücke viel zu schnell durchgelaufen, ein Jammer, denn es könnte in dem Takt ohne Zweifel ewig so weiter gehen…
(***** – ***** ½)

Der großartige Kollektiv-Crossover-Sound aller guten, wahren, schönen und schrägen Musik-Stile von G.Rag Y Los Hermanos Patchekos konzertant demnächst zu folgenden Gelegenheiten, grooven Sie sich bitte beizeiten ein:

22.09.Mehring – Schacherbauerhof – Hoffest 2018
23.11.München – Milla – G.Rag Y Los Hermanos Patchekos Weekender
24.11.München – Milla – G.Rag Y Los Hermanos Patchekos Weekender

G.Rag Y Los Hermanos Patchekos – Cumbia Kairo → youtube-Link

Kama Aina + Hochzeitskapelle @ Lothringer13, München, 2018-07-27

Die gelungene Live-Probe während des Entstehungsprozesses fand bereits im vergangenen November im Rahmen der frameless15-Ausgabe der Reihe zur experimentellen Musik im digitalen Zeitalter im Einstein Kultur statt, am vergangenen Freitagabend nun in den städtischen Kunsthallen des Lothringer13 das offizielle Release-Konzert zur demnächst anstehenden Tonträger-Veröffentlichung „Wayfaring Suite“ der gemeinsamen Kollaboration des japanischen Musikers/Komponisten Takuji Aoyagi aka Kama Aina und der begnadeten Weilheim/München-Connection Hochzeitskapelle: Was vor einiger Zeit mit der Interpretation des Instrumentals „Wedding Song“ aus der Feder des Minimal-Music-Tondichters aus Tokio auf dem Debüt-Album der Hochzeitskapelle begann, hat sich mittlerweile zu einer gedeihlichen Zusammenarbeit ausgewachsen, der japanische „Native Underground“-Musiker hat im vergangenen Jahr eine Reihe weiterer Stücke exklusiv für die bayerische „Supergroup“ komponiert, gemeinsam mit ihr konzertant erprobt und im Studio eingespielt.
Kama Aina eröffnete den musikalischen Teil des Freitag-Abends mit solistischen Solo-Übungen, in denen er in drei kurzen Instrumental-Miniaturen seine Fertigkeiten auf der akustischen Gitarre angelehnt an Alternative Country, Acoustic Folk und American Primitive Guitar im freien Fluss zelebrierte und bei einer spontanen Mitklatsch-Nummer das trotz hochsommerlicher Außentemperaturen und anstehendem Mond-Verdunklungs-Naturspektakel zahlreich erschienene Münchner Publikum sofort auf seiner Seite hatte.
Unaufgeregt wie der Komponist selbst im knapp gehaltenen Vorspiel stiegen die in München lebende japanische Pianistin Sachiko Hara und die fünf Multi-Instrumentalisten der Hochzeitskapelle unmittelbar folgend in die Aufführung von Prolog, Epilog und der dazwischenliegenden acht Teile der „Wayfaring Suite“ ein, eine fernöstlich-bajuwarische Klangreise, die kosmopolitischen Ansprüchen im besten Sinne der „Welt“-Musik gerecht wird, die sich in keinem Ton auf regionale folkloristische Elemente aus Bierzelt/Heimatministerium/Sonstwo-Bayern oder aus dem fernen Kaiserreich Nippon reduzieren lässt, und die zu der Gelegenheit wenig bis kaum vom gewohnten, herrlich anarchisch-spontanen, improvisierten Polka-Rumpeljazz-Ska-Walzer-Crossover der Hochzeitskapelle durchdrungen ist, vielmehr einem strengeren kompositorischen Ansatz folgt, der wundersamer Weise durch das beschwingte, wie locker aus dem Ärmel geschüttelte, soulful Instrumente-Beherrschen dieses sich aus Mitgliedern zahlreicher anderer Formationen zusammensetzenden Orchesters nie diese Strenge in den Vordergrund stellt, vielmehr wie aus dem Nichts als angenehm entspannte, zuweilen melancholische, fast schon als easy listening konsumierbare Geschmeidigkeit im immerwährenden Dienst der wunderschönen Melodik ihre Wirkung entfaltet und trotz vordergründig luftiger Leichtigkeit nie das musikalisch Gewichtige und den Tiefgang mangeln lässt.
Zehn erlesene Instrumental-Kleinode, gleichwohl nicht Gesangs-frei dank Geigenbogen-Ziehen über die große Fuchsschwanz-Säge, zwischen würdevoller, semi-klassischer Kammermusik und auf Ambient-Minimalismus reduzierte Folklore-Harmonie, mit opulenter Individual-Könnerschaft an diversen Saiten-, Schlag-, Blas-, Handzug- und Streich-Instrumenten einmal mehr uneitel, elegisch und mit gefühlvoller Perfektion von Evi Keglmaier, Alex Haas, Mathias Götz, den Acher-Brüdern und ihren japanischen Begleitern Sachiko Hara und Kama Aina dem geneigten Konzert-Volk zu Gehör gebracht.
Frenetischer, lange anhaltender Applaus und Standing Ovations wurde den Musikern durch das Publikum zuteil – dem andächtig lauschenden, ex permanent um die Musikanten schwänzelnde und auf Dauer latent nervende Fotografen-/Film-Armada plus doch noch etwas Anarchie reinbringende Zappel-Gören (die dürfen das selbstredend!).
Im Zugabenteil gab’s nahe liegend nebst einer weiteren Perle den eingangs erwähnten „Wedding Song“, laut Begleittext zum wunderbaren Weltkulturerbe-Hochzeitskapellen-Debüt „The World Is Full Of Songs“ das vielleicht schönste, global bekannte Musikstück, vor allem Mathias Götz konnte hier in Sachen ausdrucksstarker Posaunen-Groove final sein ganzes versiertes Können in die Waagschale schmeißen, der selige Rico Rodriguez dürfte irgendwo auf der Wolke sitzend begeistert mitgelauscht und anerkennend mit der Zunge geschnalzt haben.
Die Umschlag-Gestaltung zum neuen Tonträger stammt im Übrigen vom japanischen Künstler Tomoya Kato, seine Bilder und komplementäre Installationen von Martin Fengel sind bis 16. September 2018 im Rahmen der Ausstellung „Die Insel der Dachhasen“ in der Kunsthalle der Lothringer13 zu sehen (Sommerpause 6. bis 15. August).
Die „Wayfaring Suite“ erscheint offiziell am 21. September auf diversen Tonträger-Formaten als gemeinsame Veröffentlichung von Gutfeeling Records und Alien Transistor, also: Urlaubsgeld in diesem Sommer nicht komplett verblitzen, etwas Pulver trocken halten und im Frühherbst die großartige (***** – ***** ½)-Pracht ordern.
Das kurz nach Konzertende in freier Wildbahn stattfindende Blutmond/Mondfinsternis-Gewese war im Nachgang zu diesem wunderschönen und erhebenden Musik-Abend dann doch ein vergleichsweise fades Kracherl…

Kama Aina & Hochzeitskapelle – Wayfaring Suite Part 2 → Youtube-Link

Raut-Oak Fest 2018 @ Riegsee, 2018-06-10

The third and final report from ROF 2018: Am Vormittag wär’s traditionell mit Riegseer Blasmusik und frischen Weißwürscht aus dem Kessel plus zwingend dazugehörigen Brezen und Weißbier in die letzte Raut-Oak-Runde gegangen, unsereins war da noch fern jeglicher urbajuwarischer Kulinarik im heimatlichen Minga zwecks übernächtiger Regeneration zugange, aber wo’s dann wieder ernst wurde, da war ma dann da, wia a Brezen (oder wie der Weber Max), frei nach Gerhard Polt.
Der dritte und letzte Raut-Oak-Tag sollte sich noch einmal zu einem einzigen Flow an schöner bis überwältigender Musik auswachsen, diejenigen, die bei Williams Wetsox mit einer dem Vernehmen nach deplatzierten Jazz-Sängerin und dem österreichischen New-Wave-of-Volksmusik-Duo Kirschhofer zugegen waren, mögen das etwas anders bewerten, aber spätestens mit dem Auftritt der Donkeyhonk Company – dem Regulären nach dem Spontanen vom Vortag – waren erst mal alle Zweifel über tonale Qualitäten des letzten Festivaltags ausgeräumt, und sie sollten sich auch zu keiner Sekunde mehr einstellen, soviel sei bereits verraten.

Wenn eine hiesige Band aus dem weiteren Umland zwingend auf das Line-Up eines Raut-Oak-Fests gehört, dann dürfte das die Donkeyhonk Company sein. Wig Drumbeat, Basser Don Pedro und der Grimassen-schneidende Frontman Lametto suggerierten einmal mehr, dass die Sümpfe Louisianas, Schwarzbrenner-Kaschemmen im Niemandsland der amerikanischen Prärie und die Ausläufer der Appalachen irgendwo im oberbayerischen Delta Wolnzach/Neuburg/Aichach zu suchen sind, das Trio bot wie zu vielen früheren Sternstunden eine feine Auswahl an Alternative Country Folk, Uptempo-Bluegrass und knarzenden Muddy-Roots-Moritaten, in denen Sänger/Gitarrist Lametto in rauen, schneidenden Blues-Howlern seine kritischen und düsteren Gedanken und Geschichten im eigenen bayerischen Dialekt fernab jeglicher Neue-Volksmusik-Peinlichkeiten neben Roots-geerdeten Tom-Waits-Covers, alten Folk-Traditionals und eigenem Blues-durchtränkten Americana-Gepolter zum Vortrag brachte.
Der Donkey ließ beschwingt seine Hufe klappern zum stampfenden Honkrock der drei oberbayerischen Outlaws, und wenn er nicht irgendwann zum Bocken angefangen hat, dann steppt er da noch heute irgendwo zwischen den weidenden Rindviechern im Riegsee-Umland durch die Gegend.
Die grandiose Coverversion „Abend in der Stadt“, im Original von der ostdeutschen Polit-Band AufBruch, haben sie leider wieder nicht gespielt, die Herren Musikanten, da kannst hinreden wie an eine kranke Kuh oder in dem Fall einen störrischen Esel, aber es sei unumwunden zugegeben: die Nummer hätte in diesem Raw-Blues-Kontext beim ROF auch nicht reingepasst…

Was kann es an einem lauschigen, Sonnen-beschienenen Sonntag-Nachmittag Schöneres geben als den wunderbaren, weitläufig ausgedehnten, seltsamen wie faszinierenden Bigband-Sound von G.Rag Y Los Hermanos Patchekos als Begleitmusik zum entspannten Nichtstun und verträumten Blick-schweifen-lassen über das herrliche Riegseer Voralpen-Panorama?
Mit Bandleader Andreas Staebler als einem unserer profiliertesten, beständigsten, in zahlreichen Formationen federführend mitmischenden Münchner Musikanten und seiner mit zahlreichen versierten und bestens ausgebildeten Instrumentalist_Innen besetzten Hermanos-Patchekos-Truppe ist man hinsichtlich beseelter Hank-Williams-Melancholie, beschwingter Polka mit unüberhörbarem Karibik- und Cajun-Einschlag, scheppernder Texas Bohemia, immer leicht ins Schräge kippendem Funeral-Band-Gebläse und groovendem Swamp Blues noch nie fehl gegangen, vergangenen Sonntag solle es sich keinen Deut anders fügen.
Wo sonst findet sich eine Kapelle, die eine Nummer wie „Rags And Bones“ der kanadischen Hardcore-Punk-Combo NoMeansNo derart gekonnt und unangestrengt als ausgedehntes, schwer groovendes 70er-Soul/Funk-Brodeln einkocht, sie damit in ihre ureigene Klangwelt übersetzt und vom ursprünglichen Jazzcore der Wright-Brüder nicht mal mehr das abgenagte Gerippe übrig lässt?
Daneben ergingen sich die satten Bläsersätze im Verbund mit allerlei Percussion, Melodik und anderweitig Spannungs-beförderndem wie ultra-entspanntem und wunderschönem Geschrammel schwer vermutlich im Material des demnächst angezeigten neuen Tonträgers „How Sweet The Sound“ (Gutfeeling Records, 22. Juni), es wird wohl ein höchst hörenswerter werden, den ersten konzertanten Eindrücken nach zu urteilen.
Rhythmisch begleitet wurden die Hermanos Patchekos von Special Guest Delaney Davidson, die Bigband intonierte die Nummer „Five Bucks“ des neuseeländischen Songwriters als voluminöse Coverversion, zu der Davidson selbst mit zum Mikro griff und süffisant anmerkte, für in selber wär’s ja nun alles andere als ein Fremdwerk.
Ein exzellenter ROF-Auftritt von Kapellmeister Staebler und den Seinen, der demnächst an anderer Stelle beim Gutfeeling Festival im Münchner Feierwerk am 22. Juni nebst weiteren G.RagInkarnationen und anderen ortsansässigen Exzellenzen wie The Grexits, 4Shades oder der wunderbaren Hochzeitskapelle seine Wiederholung finden wird.

Nicht minder bereichernd zu einem entspannten Sommertag spielten Pelo Mono aus Andalusien auf, Guadalupe-Plata-Gitarrist Pedro de Dios als Bankräuber mit der grünen Maske und Drummer Antonio Pelomono als Gorilla verkleidet swingten mit feinem Instrumental-Surf-Blues, der jedem Tarantino-Streifen als alternativer Soundtrack gut zu Gesicht stehen würde. Das Schöne am gedehnten wie verhallten Grooven der beiden Spanier ist der Umstand, dass sich diese extrem relaxte Nummer nicht stilistisch eindeutig an die Wand nageln lässt, hier ein psychedelischer Grundton, dort Anleihen bei Country und Rhythm & Blues in einem gespenstischen, diffusen Trance-Flow, mit dem sich die Gesang-freien Perlen auch als passende tonale Untermalung für schräges B-Movie-Horror-Trash-Fiction-Zeug aufdrängen – ein stimmiges Gebräu, in dem nichts beliebig wirkt und zu dem es sich extremst tiefenentspannt mitgrooven und abhängen lässt, und wenn dann zur Abwechslung beim Raut Oak auch noch das Wetter der gleichen Meinung ist und die entsprechende Beleuchtung zum gedehnten Desert/Surf-Sound liefert, kann einem mindestens für die Stunde der genehmen Beschallung das irdische Schlamassel am Allerwertesten vorbeigehen…

Als einer der großen Namen für das ROF 2018 wäre für den Sonntag kein Geringerer als „The Dirty Old One Man Band“ Scott H. Biram geplant gewesen, der texanische Primitive-Blues/Punk/Country-Songwriter musste bedauerlicherweise bereits vor Wochen seine Europa-Tour abblasen, mit unserem liebsten Schlangenbeschwörer Brennt Burkhart aka Reverend Deadeye fand sich ein mehr als würdiger Ersatzmann zum Heimleuchten des Festival-Volkes auf den rechten Pfad des Gott-gefälligen Lebenswandels, den der Blues-Preacher mit seiner unzählige Male bespielten Resonator-Gitarre in vehementen Soul-Shakern wie der Garagen-/Gospel-Blues-Perle „Drunk On Jesus“ oder dem knarzenden „Train Medley“ voranschritt. Nach intensivem, tief im Blues verwurzelten Solo-Vortrag als Wanderprediger der alten Schule schaltete der Reverend in Begleitung seiner Lebensgefährtin Nicotine Sue einen Gang zurück, im Duett-Gesang und gemeinsamen Gitarrenanschlag zelebrierte das Paar die gepflegte Kunst des geerdeten Country Blues/Folk fern der vehementen Eindringlichkeit diverser in der Vergangenheit erlebter Deadeye-Solo-Auftritte oder den intensiven Erweckungspredigten mit Drummer Brother Al Hebert.
Einziger Wermutstropfen: Der Reverend stimmte keine seiner wunderschönen, Herz-anrührenden Balladen an, keine „Anna Lee“, kein „Coldest Heart“, und auch nicht das schmerzlich vermisste „Her Heart Belongs To The Wind“, die Tränen der beseelten Ergriffenheit ersetzte ein leichtes Bedauern – on the other hand: besagtes Liedgut gab es bereits beim letztjährigen ROF-Gig des Wanderpredigers zu hören, und so ist es doch auch ein löbliches Unterfangen, dass ein Künstler nicht jedesmal den gleichen Zopf spielt.

It’s only rock ’n‘ roll but I like it: The Hooten Hallers aus Columbia/Missouri rockten ein letztes Mal die Bühnenbretter der ROF-Stage, bevor es an die große, beschließende Krönungsmesse des Festivals ging, in dem Fall Gottlob vor weitaus mehr Publikum als im Sommer 2015 in der Münchner Kranhalle, wo sich seinerzeit zum exzellenten Dreierpack der Hallers zusammen mit den beiden One-Man-Band-Koryphäen Joe Buck Yourself und Viva Le Vox gerade mal beschämende 20 Hanseln hinverirrten. Mit dem Liedgut des aktuellen, vor einigen Monaten veröffentlichten, selbstbetitelten Tonträgers im Gepäck spielten Kellie Everett am Bass-Saxofon, Stand-Schlagzeuger Andy Rehm und Gitarrist John Randall einmal mehr groß auf in Sachen schmissiger Fifties-Rock’n’Roll, der die Pforten zur gepflegten Tanzveranstaltung im Gemeindesaal links liegen lässt und sich statt dessen in der Trash-Blues-Garage ein Bier aufmacht und sodann genüsslichst austobt. „One of the best live Rock & Roll bands around today“ lässt die Band-Homepage über die konzertanten Qualitäten des Trios verlauten, kann man getrost ohne Abstriche so unterschreiben – was die Band am vergangenen Sonntagabend zu bester Sendezeit an gepflegtem Entertainment und schmissigen Songs in grundsympathischer Manier zum Besten gab, war einmal mehr aller Ehren wert. Müssig zu erwähnen, dass die von John Randall mit allem herauspressbaren Herzblut im rohen Grollen vorgetragenen, beseelten Rocker und ein paar Balladen-Heartbreak-Schmachtfetzen vor allem durch das geerdete Getröte von Kellie Everett ihren individuellen, satten Soul-Groove verpasst bekamen. Heavy groovy Footstomp auf und noch weit mehr vor der Bühne, to kill the last Grashalm standing…

We welcome you home: Niemand hätte das große ROF-Finale schöner bespielen können als der großartige Konrad Wert aka Possessed By Paul James, einer der schlichtweg aufrichtigsten, intensivsten und begnadetsten Musiker, Geschichtenerzähler und Alleinunterhalter in der weiten Welt der akustischen Folk-Musik. Denjenigen, die mit dem Schaffen des amerikanischen Muddy-Roots-Veterans und Social Workers seit Jahren vertraut sind, muss man das nicht weiter erläutern. Und jene, die bisher mit dem grandiosen Underground-Folk des Barden nicht in Berührung kamen, dürften bereits beim Soundcheck geahnt haben, was da auf sie zukommen mochte, schon beim Instrumente-Stimmen und Tonanlage-Ausloten legte Konrad Wert Energie und Entertainer-Qualitäten sondergleichen an den Tag, die viele Musikanten-Kollegen in ihren regulären Sets nicht auch nur annähernd zu erreichen vermögen.
Nochmalige Steigerung sodann in allen Belangen beim Vortrag seiner Minimal-Folk-artigen Instrumental-Fiddle-Drones, ein wildes wie wunderschön fließendes Uptempo-Geigen, das sein Pedant fand im berauschten Banjo-Spiel des Musikers, im entrückten A-Cappella-Gospel wie in seinen eindringlichst vorgetragenen Folk-Songs über religiöse Erfahrungen und irdische Beziehungen.
Ein Konzert von Possessed By Paul James ist religiöses Erweckungs-Erlebnis wie praktische Lebenshilfe, spirituelle Erfahrung und Handbuch für die Achterbahn des Lebens, der vor schierer Energie berstende Vortrag des charismatischen One-Man-Band-Intensiv-Musikers bringt emotionale, inwendige Resonanzräume zum Schwingen, löst los von dieser Welt und lässt in seinen ergreifendsten Momenten über dem Boden schweben, dargereicht in einer Form, die selbst dem am Weitesten vom Glauben Abgefallenen das Urvertrauen in die amerikanische Folk-Musik zurückgibt.
In der Welt des Konrad Wert ist alles ungeschminkt aus dem Leben gegriffen, harmonische Melodien, ruppigste Verwerfungen, Schmutz, Leid, Streit, Freude, das Geschrei Deiner Feinde, Versöhnung, Tod und Wiederauferstehung.
Die wahrhaftige Underground-Volksmusik des Suchenden und Getriebenen aus Florida kann Einstellungen und Ansichten verändern, neue Denkanstöße geben, vielleicht sogar nachhaltig und dauerhaft. Mindestens für ein paar Tage nach einem PBPJ-Live-Orkan betrachtet man die Mitmenschen wohlwollender und rückt die wirklich relevanten Dinge des Lebens fernab von irdischem Flitter und Tand in den Fokus der Reflexion. Was kann man von einem Konzert, das in dem Fall weit über die Grenzen des herkömmlichen Musik-Entertainments hinausgeht, mehr erwarten? Resolve all my demons…
Einmal mehr in diesem Zusammenhang schwerst ans Herz gelegt sei im Nachgang der exzellente, semi-dokumentarische Film „The Folk Singer – A Tale Of Men, Music & America“ von Independent-Filmemacher M.A. Littler – der im Übrigen höchstselbst die drei Festival-Tage vor Ort war, great to meet you, El Commandante!

Wenn’s am Schönsten ist, soll man aufhören, die Nummer hat beim Raut-Oak Fest 2018 funktioniert wie selten sonst wo. Auch wenn sich eine nicht zu unterdrückende Wehmut über das Ende eines lange herbeigesehnten großartigen Musik-Wochenendes und über das Abschiednehmen für eine ganze Weile von vielen Freunden und Bekannten einstellte, es konnte nach einem derartigen Auftritt nichts mehr kommen, was da noch einen draufzusetzen vermochte.

Immerwährender und herzlicher Dank an Veranstalter Christian Steidl und seine vielen helfenden Hände beim Aufbau, Catering, Organisieren, Stemmen gegen die Widrigkeiten der Witterung, very special thanks an Jay Linhardt für einmal mehr fantastischen Sound, an Mark „Eisi“ Icedigger für charmanteste Anmoderationen, und schlichtweg an alle, die da waren, anregend kommuniziert, wunderbarst musiziert und aufmerksam zugehört haben.

Diejenigen, die nicht dabei waren, dürfen sich jetzt dranmachen, ihre dritten Zähne aus Ober- und Unterkiefer zu fieseln und sich sodann damit selbst in den Allerwertesten beißen – denjenigen Gesegneten aber, die es erleben durften, wird es noch viele Monde lang Tränen des Glücks in die Augen treiben, wenn sie in Erinnerungen an dieses feine, familiäre, mit Sachverstand und Brennen für die Musik zusammengestellte Festival schwelgen, und sie werden in vielen in der Zukunft liegenden Jahren noch ihren Enkelkindern davon erzählen.

Raut Oak 2019: Die 2018er-Ausgabe wird kaum mehr zu toppen sein (andererseits: das stand bereits hier vor einem Jahr zum 2017er-Aufgalopp zu lesen, insofern: dem sehen wir völlig entspannt und zuversichtlich entgegen), aber selbst wenn es im nächsten Jahr auch nur annähernd so gut wird wie heuer, wird es immer noch absolut grandios sein. Versprochen. Auch wenn es (wieder) geschliffene Handbeile schiffen sollte. Insofern Vorfreude pur auf 2019 – so Gott & Christian Steidl & der Grundstückseigner vom Open-Air-Gelände wollen: we’ll meet again!