Bremen

The Dad Horse Experience @ KAP37, München, 2019-10-24

Viele Schiffe treiben über deinen Ozean
und werden einst das Land sein,
unter dem du liegst.
(D. H. Ottn, Viele Schiffe)

Gepriesen sei der Herr, dafür, dass er alljährlich seinen unermüdlichen Keller-Gospler Dirk Otten gen Süden schickt zur Erbauung und Errettung der Seelen, gepriesen sei die Andachtskapelle des KAP37 an den Gestaden des Münchner Westermühlbach, dass sie dem landauf, landab als wanderpredigende One-Man-Band The Dad Horse Experience bekannten Barden Kanzel und Herberge in ihren heiligen Hallen gewährt für seine aus den holprigen Tiefen und modrigen Sümpfen des Lebens gegriffenen Predigten. Und gepriesen seien die Messdiener des KAP fürderhin für das Reichen des göttlichen Mannas in Form von erlesenen Spirituosen an die nach Trost und Wahrheit dürstenden Gläubigen.
Gelobt sei der Musikant selbst, der alljährlich den Hort seiner „Schule 21“ verlässt und den beschwerlichen, steinigen Weg vom fernen Bremen in den Sündenpfuhl des Isar-Dorfs auf sich nimmt zur Vertreibung der herbstlichen Schwermut, gelobt sei er für altbewährte, Gemüts-schüttelnde Gospel-Klagen über die windschiefen Abzweigungen, Plagereien und Unbilden des irdischen Daseins, über die inwendigen Tätowierungen, die so manche schmerzhafte Erfahrung auf das Seelengeflecht zeichnet. Gebenedeit sei die Dad Horse Experience für ihre Lieder über – Gottlob – gescheiterte Selbstmordversuche, über das eigene Unperfekte, über die Liebe, die im schlimmsten Fall keine Schmetterlinge im Bauch fliegen lässt, vielmehr als zermürbender Fleischwolf die Grundfeste der Existenz zerrüttet – Lieder, die uns immer wieder daran erinnern, dass traurig nirgendwo anders so lustig ist als in den gelesenen und gesungenen Messen des geläuterten Predigers aus Kirchweyhe, wie ein schreibender Ministrant einst andernorts so treffend anmerkte.
Gesegnet sei der Sänger mit dem scheppernden Banjo für den neuen Weg, den er in diesen finsteren Tagen zwecks unzweideutiger Botschaft im landessprachlichen Idiom beschreitet: Wo der Gospel und seine Souterrain-Ausgabe nur im amerikanischen Slang funktionieren, bereichert The DHE nun mit brandneuem, bis dato noch nicht veröffentlichtem Songschreiben das deutsche Liedgut, in dem sich scheinbar unzusammenbringbare Charaktere wie Peter Kraus und Aleister Crowley in einer schlaflosen Nacht am Landungssteg von Cuxhafen treffen, darauf ein mehrstimmiges Hallelujah.
Mit Fürbitten bedacht sei der Herr, um international renommierte Auszeichnungen für die Kurz-Gedichte, die Dad Horse dieser Tage zur geistigen Labsal zwischen seinen Songs einstreut. Bevor sowas wieder an politisch zweifelhafte Langweiler aus Österreich vergeben wird, oder einen kauzigen Bänkelsänger aus Duluth/Minnesota für sein kryptisch-unverständliches Gekrächze, sollte diese selbst nicht unbescholtenen Kopeiken von der Schwedischen Akademie vor dem nächsten Fehlgriff einen Blick in die diversen Ausgaben des Sargasso-Breviers werfen oder – noch weitaus besser – den konzertanten Vorträgen des Walking Dad mit gebührend offenem Herz und Verstand lauschen. Aber nachdem dieses irdische Jammertal ein ungerechtes, stolprig-holpriges und mit Knüppel-schmeißen zwischen die Beine kaum zurückhaltendes Theater ist, wird’s wohl eher auf den belanglosen, vielfach seit Jahren geforderten Japaner rauslaufen, demnächst.
Nebst dem Flehen nach Erlösung, der Abwendung des bösen Blicks und der Verschonung vor schlecht gebrauten Bieren sei der Allmächtige gebeten, das er die Wege seines treuen Dieners im Geiste Dad Horse Ottn auch im kommenden Kirchenjahr zwecks Läuterung und Innehalten vor dem Unausweichlichen einmal mehr in unsere Gefilde lenken möge.
Amen.

Reingehört (386): The Dad Horse Experience

The Dad Horse Experience – I Am A Stranger Here Below (2017, Sacred Flu Productions)

Unser Herr Jesus konnte seinerzeit auch nicht alle Glaubensgemeinden seiner Kirche höchstselbst mit seiner Anwesenheit beehren und jedes seiner Schäfchen mit individuellen Erweckungs-Predigten auf den rechten Pfad der Tugend leiten, deshalb hat er vor dem einstweiligen Entschwinden in Richtung World Trade Center In Heaven seiner engsten Gefolgschaft die wesentlichen Wahrheiten ins Notebook zwecks späterer Bestseller-Publikation diktiert, unserem liebsten Gegenpapst und Kellergospler D. H. Ottn aka The Dad Horse Experience ergeht es dahingehend kaum anders, nicht jeder wohnt im schönen Hopfenland der Hallertau in der Nähe des Stilwirt-Münsters oder in Spuckweite zur Münchner KAP37-Kathedrale und hat damit dank kurzem Pilgerweg Gelegenheit, persönlich die Gott-gefällige Predigt und Absolution aus dem Munde des Walking Dad zu empfangen, für die nach Wahrheit und Erlösung dürstenden Seelen in der Diaspora hat die Dad Horse Experience jüngst eine an jedem gut sortierten Devotionalien-Stand der Tonträger-Industrie erwerbbare, brandaktuelle Psalmen-Sammlung mit Namen „I Am A Stranger Here Below“ veröffentlicht.
Reverend Ottn tummelt sich auf dem neuen Werk wie auf vielen seiner Kellergospel-Evangelien zuvor gedanklich weitaus mehr in den finsteren Gewölben der geistlichen Behausungen als in den lichtdurchfluteten Kirchenschiffen, im besten Southern-Gothic-Wanderprediger-Geist zelebriert er quengelnd das bereits konzertant mehrfach vernommene und bewährte „I Know Your Name“, begibt sich mit dem entspannt-lakonischen Bar-Blues „You’ll Lose A Good Thing“ aus der Feder der R&B-Musikerin Barbara Lynn an den Tresen zum Trost-Spenden für die nach geistiger Labsal dürstenden Alkoholisierten – Spirit statt Sprit, quasi – und gedenkt großer Säulenheiliger wie Bluegrass-Legende Bill Monroe in „Wicked Path Of Sin“ und dem frühchristlichen Country-Gott Jimmie Rodgers mit der für ihn typischen 1920er-Jahre-Jodel-Nummer „My Rough & Rowdy Ways“ aus der amerikanischen Great-Depression-Ära.
Die Bibelstunde für den Messdiener-Nachwuchs und die geistige Fürbitte für den jüngst verweisten Bischofssitz vom deutschen Country-Kardinal Gunther Gabriel kommt in dem in teutonischen Zungen gesungenen Semi-On-The-Road-Schunkler „Ich steig in die Bahn“ nicht zu kurz, die Dad Horse Experience erfährt dabei Unterstützung im sakralen Gesang durch den Mädchenchor der Jugendforensischen Abteilung im M.A.-Littler Fachkrankenhaus Rodgau, bei der Gelegenheit vernehmen wir die frohe Kunde, dass El Comandante im Slowboat-Bunker nicht nur schöne Filme und – in Kollaboration mit SH Ottn – feine No-Culture-Literatur-Magazine fabriziert, sondern darüber hinaus auch noch seinen Beitrag zum Gesundheitswesen leistet – wir zücken den Stift und ändern flugs die Patienten-Verfügung.
Das Titelstück speist sich aus der Eintragung Nr. 380 der „Primitive Hymns. Spititual Songs & Sacred Poems“, erstmals in Druck gelegt in Greenville/Alabama im Jahr des Herrn 1858, sozusagen Alttestamentarisches im Kellergospel-Kontext. Die restlichen Psalm-Verse aus dem aktuellen DHE-Brevier manifestieren sich als die gewohnt guten, angeschrägten Country-Blues-Shuffles, zu Teilen in ausgeschmückter Instrumentierung.
Papisten, Methodisten und Anhänger der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (und alle anderen auch), gehet hin, tut Buße und erwerbt die tonale Erweckung „I Am A Stranger Here Below“ zur Erbauung am heimischen Herrgottswinkel. Bibel TV, die alljährliche Fernsehansprache der vom Gott-gefälligen Pfad längst abgekommenen Pfarrerstochter aus der Uckermark, „Heintje singt Weihnachtslieder“ oder dieses unsäglich abgeschmackte „Last Christmas“-Teufelszeug wird Euch auch in der kommenden Adventszeit dem Seelenheil keine Elle näherbringen.
(*****)

The Dad Horse Experience @ KAP37, München, 2017-10-19

„Question mark in the dark, that’s what we are.“
(The Dad Horse Experience, Will I Be Someone)

Der Mitherausgeber des wunderbaren Sargasso-Magazins, cineastische Kiev-Stingl-Biograf und – vor allem – Seelen-rettende Wanderprediger D.H. Ottn aka The Dad Horse Experience hat sich am vergangenen Donnerstag zum morgendlichen Angelus-Läuten aus seiner nordischen Bremer Heimatgemeinde verabschiedet, er nahm den beschwerlichen, von Versuchungen und anderen Unbilden gepflasterten Weg auf sich, um in den Süden hernieder zu fahren zur Verkündung der Seelenheil-befeuernden Wahrheiten des Kellergospels in seinen bayerischen wie Schweizer Glaubensgemeinden.
Erste Anlaufstation der Papstreise war The Holy Church of Nachbarschaftshilfe und Hausaufgaben-Betreuung im KAP37, in der Isarvorstadt-Kathedrale des guten Geschmacks und der familiär-lauschigen Konzert-Erbauung hat sich seit Herbst vergangenen Jahres eine streng gläubige Kirchengemeinde an Betschwestern und Jüngern im Geiste des Gospel etabliert, die nach Weisheiten, Sinnsprüchen und Gebeten aus dem sinnbildlich finsteren Keller dürstete, aus den düsteren Ecken und dunklen Bereichen der menschlichen Seele, dort, wo keine Vertreter der Amtskirche mit ihrem Weihrauch-Gewedel und Weihwasser-Einnässen hinkommen, wo das Bier schal, die Aschenbecher voll, die Gedanken morbide sind, wo das World Trade Center einen eigenen Platz im Himmel hat.
Neben der Huldigung von Säulenheiligen wie Country-Gottvater Hank Williams, Freddy Fender und dem „Blue Yodeler“ Jimmie Rodgers durch ausgewählte Fremdwerke predigte Dirk Otten selbstredend zuforderst sein eigenes Evangelium, das unumstößliche Wahrheiten transportierte wie die Erkenntnis, das der Gospel nur im englischen Idiom, Selbstmord-Lieder hingegen ganz wunderbar im Deutschen funktionieren und Dad-Horse-Perlen wie „Love Is A Meatgrinder“, „Kingdom It Will Come“ oder das grandiose „Will I Be Someone“ monate-, gar jahrelang die kommerziellen Hitparaden dieser Welt anführen müssten, würden wir denn in einer besseren als diesem von Ignoranz, Missgunst und Stumpfsinn dominierten Sündenpfuhl unser Dasein fristen.
Es sollte sich fügen, dass ein armer Sünder aus der Zuhörerschaft direktemang an dem Tag sein Wiegenfest beging, The Walking Dad ließ die versammelte Kirchengemeinde gebetsmühlenartig wiederholt Fürbitten für dessen Seelenheil singen, derart gesegnet und mit besten Wünschen versehen müsste es im nächsten Lebensjahr für den bußfertigen Gläubigen schon mit dem sprichwörtlichen Teufel zugehen, wenn er beim Wandeln auf dem Pfad der Tugend fehlen sollte, die Beigabe des in naher Zukunft erscheinenden neuen DHE-Tonträgers „I Am A Stranger Here Below“ zur Stärkung und Aufrichtung in Stunden des Zweifels, der Seelenpein und der dämonischen Versuchungen sollte dahingehend weitere gute Dienste leisten.
Wie eminent wichtig, fundamental notwendig und geradezu alternativlos das Messe-Lesen und Wanderpredigen der Dad Horse Experience in diesen unseren finsteren Zeiten ist, zeigte sich zu fortgeschrittener Stunde, als der Antichrist unvermittelt in Form der lärmbelästigten Nachbarschaft zuschlug, das bei DHE-Konzerten final die Gemeinde entlassende Segen-Spenden in Form des gemeinsamen „Der Herr muss meine Seele reparieren und die Scheiße in Gold verwandeln“-Absingens musste unterlassen werden und so blieb dieser bei der Abend-Andacht vermehrt auftretende, vom offiziellen Kanon abweichende Geburtstagsgrüße-Chor das einzige gruppendynamische, Gemeinschaft-spendende Ereignis für die zahlreich erschienenen Glaubens-Brüder und -Schwestern.
(*****)

The Dad Horse Experience spendet Absolution und Erbauung in naher Zukunft zu folgenden Gelegenheiten:

21.10.Glarus / Schweiz – Veka
22.10.Altdorf / Schweiz – Kellertheater im Vogelsang
23.10.Wolnzach / HallertauStilwirt

Spätere Kellergospel-Termine: hier.

Weitere Liturgien aus dem reichhaltigen Dad-Horse-Experience-Brevier: hier.